Folker-Logo Probeabo & Abo     Mediadaten/Anzeigen

Suche
    Intern     Über uns

Kontakt/Impressum/Datenschutz

       
Backkatalog   Ausgabe Nr. 2/2018   Internetartikel
»Shantys sind eine Mischung aus verschiedenen Musikstilen, weil Seefahrer viel rumkamen.«
Hart Backbord * Foto: Michael Strosetzky

5 Minuten mit ...


Weitere Artikel aus der Rubrik 5 Minuten mit ... in dieser Ausgabe:

Cara

Floating Sofa Quartet

Tuuletar

Shmaltz

Twelfth Day





[Zurück zur Übersicht]



Dieser Artikel ist ein Auszug aus der Printversion, das Heft kann bestellt werden unter www.irish‑shop.de.

Oder gleich zum (Probe-)Abo.




www.hart-backbord.de



Aktuelles Album:


Salty Dogs
(Eigenverlag, 2017)



Cover Salty Dogs


Hart Backbord

Echte Shantys

Sie singen Lieder von der schönen Seefahrt, hübschen Frauen und Rum aus Jamaika. Dabei darf das blaue Fischerhemd nicht fehlen. Shantychöre sind besonders an der Küste immer noch populär. Die Gruppe Hart Backbord aus Bremen singt ebenfalls Songs vom Meer, aber sie ist alles andere als ein typischer Vertreter der Gattung. „Wir sind nicht mehr böse darauf, wenn uns jemand Shantychor nennt“, feixt Erich Meyer. Schon zur Gründung 1978 war klar, dass die Gruppe ein Gegenentwurf zu den üblichen Seemannschören mit ihrem schnulzigen und romantisierenden Repertoire werden sollte. Und der Name zeigte auch gleich die politische Richtung der Band an, ist doch Backbord auf dem Schiff die linke Seite.

Text: Jean-Oliver Groddeck

„Man muss das alles in den Zusammenhang der Siebzigerjahre stellen, wo ja jeder, der sich irgendwie kulturell gebärdete, mehr oder weniger links war“, blickt der damals dreißigjährige Hartmut Emig zurück. „Dabei wurden die guten alten deutschen Arbeiterlieder wiederentdeckt und mit großer Begeisterung gesungen, auch wenn sie teilweise bescheuerte Texte hatten.“ Bei einem Konzert eines traditionellen Shantychores kam Emig die Idee: Warum nicht die echten Shantys der Seeleute singen, ganz authentisch und auf Englisch. „In der damaligen Definition war ein Shanty ein sonnenklares Arbeiterlied, denn die Seeleute im neunzehnten Jahrhundert waren knackiges Proletariat“, sagt er. Dieser Ansatz begeisterte Emig und seine politischen Mitstreiter.
An die zwanzig jungen Kerle fanden sich zu den ersten Proben zusammen, viele von ihnen ohne musikalische Erfahrung. „Eine Probe fing so an, dass ein aktuelles politisches Thema angesagt wurde, und dann diskutierte man eine halbe Stunde darüber“, blickt Emig zurück. Als studierter Musiker übernahm er die musikalische Leitung von Hart Backbord.
Der erste Auftritt stieg bei der Demonstration zum 1. Mai 1978, und bis heute ist die jährliche Kundgebung zum Tag der Arbeit ein Höhepunkt für „Haba“, wie sie sich kurz nennen. Die Band wurde immer beliebter und profitierte vom noch blühenden Folkrevival. Mit Gitarre, Mandoline, Akkordeon und mehrstimmigen Arrangements bewegte sich die Gruppe im angloamerikanischen Folk, zu dem seit jeher auch Shantys zählen. „Die sind ja eine Mischung aus verschiedenen Musikstilen, weil Seefahrer viel rumkamen. Und Englisch war nun mal Bordsprache“, erklärt Emig. Ziel war es, die „echten“ Lieder aufstöbern, die vom harten Alltag auf See erzählten, weit weg von den „Capri-Fischern“. Material fand Emig dabei vor allem bei Stan Hugill, dem bedeutenden Sammler von Seemannsliedern. Hugill fuhr in der ersten Hälfte des zwanzigsten Jahrhunderts noch selbst zur See und fing später an, Shantys aufzuschreiben.

... mehr im Heft.