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Es gibt im Musikbereich immer wieder Ver­öffent­lichungen, die den Rahmen herkömmlicher Pro­duk­tionen inhaltlich wie vom Umfang her spren­gen und deshalb einer ausführlicheren Betrach­tung bedürfen, als dies in Form einer ülichen Re­zen­sion geleistet werden kann.   [mehr dazu hier]


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Die Besondere — DEUTSCHLAND

 KOFELGSCHROA: Baaz
KOFELGSCHROA
Baaz
kofelgschroa.by
(Trikont US-0480/Indigo)
14 Tracks, 59:15, mit rudimentärsten dt. Infos


„Mei Freindin / is aus Venedig. Mir seng uns / recht wenig“. Eine dröhnende Helikontuba, die sich am liebsten auf einen, zwei, drei Töne wie Mantras zurückzieht; zwei Hörner, Akkordeon, Gitarre. Melodisch unscheinbar fließende Strophen. Und in den Refrains geht es dann ab, entsteigen Kofelgschroa der Klaustrophobie der Alpentäler auf die Gipfel. In die Höhe, Weite und Freiheit sich öffnender Melodien und einer etwas spinnerten Weltsicht, die einen ganz zauberhaften Blick hat für Dinge, die gern untergehen: „Irgendwann ist’s dir egal / verstaubt steht im Regal / mein hochverdienter / Langlaufpokal.“ Eine Art coole Americana, zunehmend durchsetzt aber mit heimisch bayerischer Musik und einer Offenheit für
 Kofelgschroa * Foto: Stefanie Giesder
die Elektrohypnose der nächsten Generation – zusammen mit Ahnen wie Sparifankal oder F.S.K. und Zeitgenossen wie G. Rag y Los Hermanos Patchekos verkörpern sie mittlerweile einen regelrechten Trend. Kofelgschroa aber sind noch einmal anders. Noch hypnotischer. Noch schräger. Was offenbar zusammengehört: Immer wieder dreht das Quartett vom Fuße des Kofel das entscheidende Stückchen weiter ab als die anderen – musikalisch wie textlich wie von ihrem Duktus her. Man fragt sich manchmal regelrecht, ob das mitunter absichtlich so gaga klingt – oder ob sie einfach nicht ganz dicht sind. Aber werden sie wohl sein, dicht – so besonders nah, wie sie am wirklichen Leben sind und davon künden. Selbstverständlich im Dialekt und vollkommen lässig – zwinkernd, unverkrampft, null große Klappe. Und mit großem Reichtum an schmückendem Beiwerk nebenher – zusätzlichen Instrumenten, allen Arten von Ländlern und dergleichen natürlich; Blumfeld-Momenten oder direkt bei den 17 Hippies entlehnten Arrangements; Grooves, die sich fast schon zu Ambient Techno und Trance verselbständigen, wie analog auch immer gespielt. Womöglich alle einmal Kandidaten für den Weg, den es einzuschlagen galt. Jedoch: „Ich, ich war verliebt in dich / Aber heute bin ich froh / dass es nicht du geworden bist.“ Wir auch!
Christian Beck

Die Besondere — ENGLAND

 FAUSTUS: Death And Other Animals
FAUSTUS
Death And Other Animals
faustusband.co.uk
(Westpark Music, Westpark 87323/Indigo)
11 Tracks, 55:33, mit engl. Infos u. Texten


Faustus sind drei Herren in der Mitte des Lebens, aber bereits Veteranen der englischen Folkszene. Bellowhead, Waterson:Carthy, Seth Lakeman oder Belshazzar’s Feast sind nur ein Ausschnitt aus dem Schaffen von Benji Kirkpatrick (Bouzouki, Gitarre, Mandoline), Saul Rose (Melodeon) und Paul Sartin (Oboe, Violine, Englischhorn). Neu ist auch die Gruppe Faustus nicht, es gibt sie schon seit deutlich über zehn Jahren. Obwohl bereits die Vorgänger-CD Broken Down Gentlemen mit Lob und Preisen überschüttet wurde, liegt die Vermutung nahe, dass Kirkpatrick und Sartin erst jetzt mit dem Ende von Bellowhead in Sachen Faustus so richtig Volldampf geben. Das Trio genoss ein Jahr lang den Status der „Artists in
 Faustus * Foto: Luke Pajak
Residence“ im Folkzentrum Halsway Manor, einem ehemaligen herrschaftlichen Haus in der Grafschaft Somerset. Dort finden regelmäßig Workshops und Konzerte statt, aber das Haus besitzt auch ein umfangreiches Archiv, eine Bibliothek und ein schnuckeliges, aber gut eingerichtetes Studio. Zu beidem hatten Faustus so gut wie unbeschränkten Zugang. Das hat eine gewisse Ähnlichkeit mit dem Kind in der Schokoladenfabrik. Und so förderten die drei Herren auch ein paar Perlen an die Öffentlichkeit, die genau das verdient haben. Doch nicht alle Lieder der drei grandiosen Sänger sind Neuentdeckungen, selbst populärere Songs wie „While Gamekeepers Lie Sleeping“ oder „One More Day“ (einfach nur genial) klingen in der Faustus-Bearbeitung lediglich entfernt bekannt. Neben dem unbestreitbar hohen Können der Musiker fasziniert deren dezent ungewöhnliche, irgendwie sehr augenzwinkernd britische Art der Arrangements mit herrlich vertrackten Rhythmen. Ganz ohne Frage haben sich Faustus einen ganz eigenen, unverwechselbaren Klang erarbeitet, und das ist der Traum einer jeden Gruppe. Mit einer deutschen Plattenfirma im Rücken ist zu vermuten, dass Faustus in absehbarer Zeit eine Konzertinvasion der BRD planen. Das wäre dann zur Abwechslung mal eine willkommene Nachricht aus England.
Mike Kamp

Die Besondere — ITALIEN

 SIMONE MONGELLI: Bodyterranean
SIMONE MONGELLI
Bodyterranean
simonemongelli.eu
(Autodial CA292/Cultural Action EMSE)
11 Tracks, 49:14


Die traditionelle Musik des Mittelmeerraumes hat auf diesem Album ein neues Kleid bekommen. Jung und frisch kommt sie daher, und doch ist das Gewand aus feinen alten Fasern gewoben. Der Ethnologe und Musiker Simone Mongelli hat italienische und griechische Musik nicht nur studiert, sondern auch eine sehr persönliche Form der Interpretation gefunden. Er gibt sich ihr mit dem ganzen Körper hin. Dies ist nun nicht bildlich gemeint, sondern höchst real. „Body Music“ ist das Zauberwort. Ein junges Genre, das als solches bisher einer breiteren Öffentlichkeit nicht vertraut ist. Als bekannteste sind hier die amerikanische Tradition des Hambone sowie die brasilianische Gruppe Barbatuques zu nennen.
 Simone Mongelli
Fasziniert vom reichhaltigen Erbe der Klänge und vor allem der Rhythmen Griechenlands, suchte der graduierte Percussionist Mongelli für seine Interpretation Musiker – oder besser gesagt Body-Musiker – aus vielen verschiedenen Ländern der Welt. Neben Bryan Dyer und Antwan Davis aus den USA hören wir hier auch den Österreicher Max Pollak, den Mongelli als einen seiner Lehrer nennt. Sowohl die Kunst der südindischen Rhythmussprache Konakol als auch Beatboxklänge sind zu hören. Daneben wird geklatscht, auf alle erdenklichen Körperteile geschlagen, gestampft und gesteppt, teilweise auf Holzkisten, die eigens für die Aufführungen und Aufnahmen gebaut wurden. Allem voran aber sind die wunderschönen A-cappella-Gesänge zu nennen, die durch die archaische Begleitung vom ganzen Körper gehört und empfunden werden. Hier hat Simone Mongelli zwei hervorragende Gesangsensembles gefunden, die mit dieser Musik stilsicher so sehr aus dem Vollen schöpfen, dass man vergisst, dass es sich um eine Musik ohne Instrumente handelt. Im Begleitheft erfahren wir neben den Liedtexten und Überlieferungen auch noch etwas zur Entstehungsgeschichte des Albums. Mithilfe einer Crowdfundingkampagne realisierte Mongelli sein Herzensprojekt innerhalb eines Jahres, eines sehr erlebnisreichen Jahres.
Christoph Schumacher