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Die Besondere — EUROPA

 MERCEDES PEÓN: Déixaas
MERCEDES PEÓN
Déixaas
mercedespeon.gal
(Altafonte/Galileo MC)
11 Tracks, 43:59, galic. u. engl. Texte u. Infos



Acht Jahre ließ die charismatische Folkvisionärin seit ihrem letzten Album verstreichen. Nicht verwunderlich, setzt die singende Multiinstrumentalistin und Elektrotüftlerin aus der Provinz A Coruña doch weniger aufs Veröffentlichen denn aufs Musizieren und Komponieren selbst. Ihr Wagemut, mit dem sie mittels einer ungemein kreativen Klangsprache zwischen Tradition und Moderne vermittelt, sucht – auch über Spanien hinaus – seinesgleichen. Er setzt sich unbeirrt fort auf diesem immerhin fünften Album in achtzehn Jahren, das u. a. mit markant-metallischen Sounds operiert. Sie wurden in den emblematischen, einst auch in die Kriegsrüstungsindustrie verwickelten Schiffswerften im galicischen Ferrol aufgenommen und sind die
 Merceds Peón * Foto: Henryk Kotowski, Wikipedia
symbolträchtige Crux des Albums. Die „Björk Galiciens“ verstört mit dem titelgebenden Opener oder dem Track „Plataforma“ womöglich so manchen Hörer. Dominieren hier rockig-derbe und maschinelle Sounds, so birgt der Rest des Albums durchaus sanftmütigere Momente. Quasi alle Kompositionen enthalten ein sozialkritisches, politisches Moment. Wie stets in Peóns Arbeit, werden u. a. auch feministische Belange mehr oder weniger subtil thematisiert; allein schon der „weibliche“ Albumtitel („Lass sie“) lässt es erahnen. Auch scharte die Galicierin diesmal an erster Front Frauen um sich. Die beiden, wie sie selber Tamburin spielenden, singenden Landsfrauen bilden mit ihr das ebenfalls Déixaas genannte Trio, welches derzeit auch das neue Repertoire live präsentiert. Im Heimstudio in Peóns ländlichem Zuhause waren noch weitere Musikerfreunde als Gäste geladen. Der interdisziplinäre Ansatz, das Interagieren mit Literatur oder Tanz, welches vielen Musikern Galiciens liegt, macht auch Mercedes Peóns Arbeit aus. Neben dem mit einer zeitgenössischen Tänzerin gestalteten Clip zu „Plataforma“ fußt z. B. das mit deutschen und galicischen Sprachfetzen gespickte Stück „Linguas Elementais“ auf dem Text einer tamilischen Dichterin. Ein kritisches Statement zum Eurozentrismus und den damit verbundenen buchstäblichen Wortführern.
Katrin Wilke

Die Besondere — AFRIKA

 FATOUMATA DIAWARA: Fenfo – Something To Say
FATOUMATA DIAWARA
Fenfo – Something To Say
fatoumatadiawara.com
(Wagram/Indigo)
Promo-CD, 11 Tracks, 42:00



Nach ihrem Debüt vor sieben Jahren legt Fatoumata Diawara nun ein deutlich gereiftes Album vor, ohne ihre Herkunft zu verleugnen. In Abidjan geboren, kam sie im Alter von zwölf Jahren nach Bamako zu ihrer Tante, einer Schauspielerin. Durch sie bekam Diawara Zugang zum Theatermilieu. Der Filmemacher Cheick Oumar Sissoko engagierte sie 1997 für seinen Film La Genèse, in dem sie an der Seite von Salif Keita die weibliche Hauptrolle spielte. 2006 spielte sie die weibliche Hauptrolle in der Opéra du Sahel, der ersten Oper, die in Bamako uraufgeführt wurde. Bevor sie ihr erstes Album unter eigenem Namen aufnahm, war sie schon mit Dee Dee Bridgewater, Oumou Sangare und Herbie Hancock zu hören. Ihre weiteren
 Fatoumata Diawara* Foto: Aida Muluneh
musikalischen Aktivitäten klingen wie das Who's who der modernen afrikanischen Musik, für das sie in Würzburg 2013 mit dem Africa Festival Award ausgezeichnet wurde. Parallel setzte sie auch ihre Karriere als Schauspielerin fort, unter anderem in den Filmen Timbuktu (2014) und Mali Blues (2015). Ihr aktuelles Album Fenfo, produziert in ihrer Wahlheimat Frankreich, spielte sie mit Musikern in Mali, Burkina Faso, Barcelona und Paris ein. Unter anderem sind der Cellist Vincent Ségal, der Koraspieler Sidiki Diabaté und der Musiker und Koproduzent Matthieu Chedid zu hören. Der Titel Fenfo bedeutet „etwas zu sagen“, und das hat die malische Ausnahmekünstlerin. Sie singt, meist in ihrer Muttersprache Bambara, von Migration, Respekt, Demut, Liebe, Familie und davon, wie man eine bessere Welt für Kinder schaffen kann. Zentrales Element der Stücke ist Diawaras starke Stimme, die in einen modernen Sound gebettet ist, ohne die afrikanischen Einflüsse zu leugnen. Elektrische Gitarren sind mit Kora und Ngoni, Schlagzeugsamples mit den zeitlosen Rhythmen der traditionellen Percussion verbunden. Nach eigenem Bekunden klingt sie so, wie sie sich fühlt, mutig experimentell und doch respektvoll gegenüber ihren Wurzeln, stolz auf ihr Erbe und mit einem optimistischen Blick in die Zukunft.
Christoph Schumacher