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Es gibt im Musikbereich immer wieder Ver­öffent­lichungen, die den Rahmen herkömmlicher Pro­duk­tionen inhaltlich wie vom Umfang her spren­gen und deshalb einer ausführlicheren Betrach­tung bedürfen, als dies in Form einer ülichen Re­zen­sion geleistet werden kann.   [mehr dazu hier]


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Die Besondere — SÜDAMERIKA

 Hamilton De Holanda Quintet: Casa De Bituca – The Music Of Milton Nascimento
Hamilton De Holanda Quintet
Casa De Bituca – The Music Of Milton Nascimento
hamiltondeholanda.com
(MPS 0212214MS1/ Edel:Kultur)
CD: 11 Tracks, 47:04; DVD: 45:15



Außerordentlich produktiv ist der brasilianische Bandolimspieler Hamilton de Holanda, ohne jedoch an Qualität einzubüßen. Nach seiner Hommage an Chico Buarque hat er jetzt mit Milton Nascimento einen weiteren Großmeister im Visier. Anlass dürfte dessen 75. Geburtstag im Oktober 2017 sein. De Holandas Musik ist oft sehr vibrierend und von atemberaubendem Tempo geprägt, die von Nascimento eher elegisch, schwebend und melancholisch. Da durfte man gespannt sein, ob das zusammenpasst. Das Ergebnis ist differenziert zu betrachten. Natürlich klingen Nascimentos Kompositionen anders in der Besetzung mit Bandolim, Mundharmonika und Schlagzeug und meist ohne Gesang. Die Musik wirkt dadurch aber auch
 Hamilton de Holanda * Foto: Fabrizio Troccoli
eigenständig und gibt nicht vor, wie Instrumentaltracks der Nascimento-Stücke erscheinen zu wollen. Wenn De Holanda in sein typisches Spiel verfällt, entfernt er sich durchaus weit von der besonderen Atmosphäre der Musik Nascimentos. Insbesondere wirkt dabei das Schlagzeug manchmal etwas polternd. An anderer Stelle lässt sich De Holanda auf die Welt des berühmten Sängers ein und gewinnt dadurch gleich eine neue Klangwelt hinzu. So kommen bei De Holanda eine Sanftheit, Melodik und Melancholie zum Vorschein, die man bisher seltener bei ihm wahrnehmen konnte. Weniger quirlig und langsamer im Spiel, auch mal einen Kinderchor einbauend, öffnet sich De Holanda neuen Ideen und gewinnt dabei. Zwar singt Nascimento bei zwei Stücken mit, dennoch kommen auch andere Sänger zum Zuge: Samba-Legende Alcione und De Holanda selbst. Das gibt den Songs einen völlig anderen, sehr ungewohnten Charakter. Als beruhigender Gegenpol zur Bandolim fungiert die eher dezent wirkende Mundharmonika. Am Ende ist man überrascht, wie unterschiedlich Milton Nascimentos Musik in der Hand von Kollegen klingen kann, insbesondere weil sich De Holanda nicht unbedingt immer nach Nascimento anhören wollte. Der Schwerpunkt der Lieder liegt auf dem Frühwerk Nascimentos und der Clube-De-Esquinas-Phase.
Hans-Jürgen Lenhart

Die Besondere — England

 EDWARD II: Manchester’s Improving Daily
EDWARD II
Manchester’s Improving Daily
edwardthesecond.co.uk
(Cadiz Music E2MID819)
CD: 16 Tracks, 51:25, mit ausführlichem Beiheft



Eigentlich waren die Jungs schon weg vom Fenster, und das war schade. Auch wenn mit dem Begriff „Einzigartigkeit“ oft Schindluder getrieben wird, bei Edward II war er angebracht. Welche andere Band mischt bitteschön Reggae mit englischen Folksongs und zwar beides absolut authentisch? Aber die Band überlebte den Jahrtausendwechsel nicht, fünfzehn Jahre Funkstille – und dann Ende 2015 das. Ein Konzeptalbum allererster Güteklasse! Es geht um die Penny Broadside Ballads im industriellen Manchester des 19. Jahrhunderts, billig und schnell gedruckte Songs mit unendlich viel Lokalkolorit und oft sozialer und politischer Brisanz, neue Texte auf bekannte Melodien, frühe Flugblattlieder sozusagen.
 Edward II 2015-01
Hier war die wachsende Arbeiterklasse mit ihren Problemen („Peterloo“ und „Kersal Moor“) ebenso Thema wie ihre seltenen Anlässe für ausgelassenen Optimismus („Victoria Bridge On A Saturday Night“). Es ist nicht unwahrscheinlich, dass die Herren Marx und Engels seinerzeit genau diese Lieder in den Kneipen von Manchester gehört haben. Das gilt natürlich nicht für „Dirty Old Town“ von Ewan McColl, sozusagen etwas aus der Zeit gefallen, aber thematisch ausgesprochen passend. Die Musik heute klingt vertraut, wenn man Edward II schon mal erlebt hat. Bass und Drums sind fest in jamaikanischer Hand, ebenso der Gesang, Jon Moore spielt die E-Gitarre, Simon Care sorgt mit dem Melodeon für die englischen Klänge, und die beiden Bläser setzen Akzente. Besonders reizvoll sind die Gegensätze zwischen Jennifer Reid, die als Gast vier Lieder a-cappella so singt, wie sie wohl im 19. Jahrhundert geklungen haben würden, und der modernen Herangehensweise von Edward II. Gerade die direkte Gegenüberstellung von „Victoria Bridge …“ zeigt, wie treffend beide Interpretationsarten sind. Dass das ganze Projekt sauber recherchiert und im umfangreichen Booklet dokumentiert ist, macht die Produktion noch erfreulicher. Wir lernen was und haben Spaß dabei, perfekt!
Mike Kamp