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»Von diesen jungen Leuten können auch die Alten noch was lernen.«
Floating Sofa Quartet

5 Minuten mit ...


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Dieser Artikel ist ein Auszug aus der Printversion, das Heft kann bestellt werden unter www.irish‑shop.de.

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Album:


The Moon We Watch Is The Same
(GOʼ Danish Folk Music, 2016)



Cover The Moon We Watch Is The Same


Floating Sofa Quartet

Uralt und quellfrisch

Im Sommer 2013 saßen vier junge Folkmusikerinnen und Folkmusiker aus Dänemark, Schweden und Finnland, die sich kurz zuvor bei der Konferenz der nordischen und baltischen Folkmusikstudiengänge Nordtrad in Vilnius kennengelernt hatten, an einem Fluss zusammen, als in der Strömung etwas ungewöhnlich Großes auftauchte. Es war kein Sofa, wie sie anfangs dachten, sondern ein totes Wildschwein, aber der zu den menschlichen und musikalischen Übereinstimmungen passende Namen für das neue Ensemble war geboren.

Text: Jens-Peter Müller

Dass Tradition nichts Museales oder gar Starres ist, sondern mit Bewegung zu tun hat, ist eine der gemeinsamen Überzeugungen des mittlerweile international erfolgreichen Quartetts. Das ist auf mehrere Arten zu verstehen. Es geht um Entwicklung, aber auch um Tanz und andere soziale Aspekte. Alle vier sind als Jugendliche von der offenen Atmosphäre bei ihren ersten Begegnungen mit Folkmusik fasziniert gewesen. Für den Querflötisten Mads Kjøller-Henningsen und die klassisch ausgebildete Geigerin Clara Tesch geschah das in der großen dänischen Jugendfolkorganisation Rod („Wurzel“). Der schwedische Kontrabassist Malte Zeberg wurde schon als Zwölfjähriger in ein Jugendfolkensemble der südschwedischen Provinz Skåne aufgenommen. Bis dahin hatte er nur Pop- und Rockmusik gehört. Die finnische Akkordeonistin Leilja Lautamaja durfte bei den, wie sie sagt, „Volkstanzpartys“ in der Region um ihre Heimatstadt Alavus mit den wenigen Stücken, die sie anfangs nur beherrschte, einfach gleich mitspielen.
Diesen Funken, den sie selbst früh verspürten, versuchen die vier heute als Profis auf junge Menschen in ihren Tanz- und Instrumentalworkshops, die sie auch in Deutschland neben den Konzerten geben, überspringen zu lassen. Nach einem solchen Workshop an der Musikschule in Flensburg im vergangenen November erzählten die Mitglieder über ihre Erfahrungen und die neuen Entwicklungen in der Band.
Um beim Bild des „dahintreibenden Sofas“ zu bleiben: Es muss nicht immer weiter zu neuen Ufern, sondern kann es auch mal zurück zur Quelle gehen. Beim diesjährigen Folk-Baltica-Festival werden Floating Sofa ihr zweites Album vorstellen, dessen Titel zum Redaktionsschluss noch nicht feststand. Darauf werden ausnahmslos traditionelle Stücke ihrer drei Heimatländer zu hören sein. Das klingt nicht besonders aufregend, ist aber durchaus brisant. „In der Generation der 25- bis 30-jährigen Musiker, zu der wir gehören, die an den Hochschulen in den nordischen und baltischen Ländern Volksmusik studiert haben, ist es chic, eigene Kompositionen zu spielen, um damit zu zeigen, dass Folkmusik keineswegs etwas Verstaubtes, sondern etwas Lebendiges ist und sich ständig erneuert. Aber es hat etwas Einseitiges“, erläutert Zeberg, nicht ohne darauf hinzuweisen, dass auch das Repertoire des Debüts The Moon We Watch Is The Same von 2016 hauptsächlich aus neuen Stücken bestand. „Es gibt irgendwie eine absolut unnötige Trennung. Die Alten spielen die überlieferten Melodien, die Jungen die neuen Kompositionen. Wir wollen unserer Generation zeigen, dass es auch für uns okay ist, uralte Sachen zu spielen.“

... mehr im Heft.