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»Was eine Liebkosung vermag, kann anderes kaum schaffen.«
Javier Ruibal * Foto: Pepa Niebla, The Fog House Photography

5 Minuten mit ...


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Aktuelles Album:


35 Aniversario
(Do-CD/Do-DVD; Lo Suyo Producciones/Galileo MC, 2016)



Cover 35 Aniversario.jpg



Javier Ruibal

Gesungener Lebensgenuss

Dieser Mann des Südens mutet wie einer der letzten wahrhaftigen Troubadoure des einundzwanzigsten Jahrhunderts an. Der andalusische Sänger und Gitarrist ist von jeher ein Unikum, ein künstlerisch autonomes, soziales Solitär in Spaniens Musiklandschaft, dessen Liedpoesien tief und essenziell und dabei leicht zugänglich und transzendent sind. Nicht nur, aber vor allem zu Hause von Publikum, Kollegen und Kritikern über alle Maßen geliebt, ist er doch noch immer ein gehütetes Geheimnis. Kürzlich feierte der Einundsechzigjährige mit zahlreichen Musikerfreunden seine fünfunddreißig Bühnenjahre mit vier Konzerten, deren Mitschnitt nun als CD/DVD erschienen ist. Als eine „Dauerumarmung“ resümiert der Philanthrop und politische Unruhegeist sein bisheriges Künstlerleben schmunzelnd.

Text: Katrin Wilke

Irgendwo fernab vom Meer wäre er womöglich gar kein Cantautor geworden. Dieses prägt nebst der Liebe und der Lebenslust Ruibals gefühlsintensive Lieder. Der Mann, der mit vollem Namen Francisco Javier Ruibal de Flores Calero heißt und zu dessen poetischen Vorbildern Federico García Lorca, Rafael Alberti und andere Dichter der Generación 27 („Generation von 1927“) gehören, gibt die Beatles als die musikalische Initialzündung an. Als er ihre Songs mit neun Jahren hörte – da spielte er schon etwas Klampfe –, sei sein weiterer Lebensweg klar gewesen.
Der führte den Andalusier im Folgenden in viele Ecken der Erde, doch letztlich nie heraus aus seinem Biotop Cádiz. Dessen Partnerstadt Havanna, ein ihn stark inspirierender Lieblingsort, wird zu Recht mit der andalusischen Provinzhauptstadt verglichen. In der Bucht von Cádiz, in El Puerto de Santa María, von wo aus Kolumbus einst seine zweite Amerikaexpedition antrat, wurde „el del Puerto“ 1955 geboren. Die Nähe zu Afrika prägt sein gesamtes Tun und Denken. Der Geschichtenerzähler bevorzugt allerdings die impliziten Botschaften, macht seinem Unmut, zum Beispiel über die Flüchtlingsdramen vor der Haustür oder den Westsaharakonflikt, nicht direkt in seinen Songs Luft. Und das, obwohl „die Musik heute tatsächlich ein wenig die Arbeit der Politiker macht. Dort, wo die Politiker versagt haben, verstehen sich die Menschen durch die Musik viel leichter.“
Seine Lieder sind der Soundtrack dieser kulturhistorisch reichen, politisch aber auch brisanten Relaisstation zwischen Europa und der afrikanisch-arabischen sowie der Alten und Neuen Welt. In Javier Ruibals üppigem Klangkosmos finden sich diverse spanische Einflüsse und Flamenco, mediterrane Aromen, lateinamerikanische, afrikanische sowie orientalische Zutaten wie auch jazzigere Anklänge. „Ich wuchs zum einen mit dem Flamenco auf, hörte andererseits aber auch alles an früher Popmusik. Auch italienische Balladen und viel karibische Musik, die ja wiederum den Flamenco beeinflusste. Ich bin also nichts als ein Erbe all jener damaligen, allen zugänglichen Musiken. Doch irgendwann hatte ich das Bedürfnis, nach einer Musik zu suchen, die es so noch nicht gab, der Musik eines imaginären Landes, das all die Orte einschließt, die mich bewegen und mir gefallen.“

... mehr im Heft.