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»Ohne Grenzüberschreitung keine Entwicklung.«
Madame Baheux * Foto: Igor Ripak

5 Minuten mit ...


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Aktuelles Album:


Madame Baheux
(Lotus Records, 2014)



Cover Madame Baheux


Madame Baheux

Rebellische Krawalltanten

Alle Jahre wieder Rudolstadt. Umgeben von fremdenfeindlichen Umtrieben sind Musikerinnen und Musiker aus aller Welt zu Gast auf dem Weltmusikfestival in Thüringen. Mit dabei: eine vierköpfige Frauenband, angereist aus Wien. Vom gemeinsamen Abreiseort sollte man sich aber nicht täuschen lassen. Madame Baheux, so der Bandname, ist eine typische Wiener Melange. Das aber heißt, dass sich in der Musik dieses Quartetts mehr musikalische Einflüsse aus aller Welt verorten lassen, als in einen normalen Musikatlas hineinpassen.

Text: Harald Justin

Der frankophile Bandname, der aus dem umgangssprachlichen „Bahöö“ (Krawall, Lärm) eine feine Dame des Lärmkrawalls macht, lässt erahnen, wofür die Musik der Frauentruppe einsteht: musikalischen Lärm auf höchstem Niveau. Dass sie das können, lassen ihre Biografien vermuten. Kontrabassistin Lina Neuner hat sich in Bands der Wiener Szene, ob Rock oder Wienerlied, einen guten Namen erspielt. Ihr Faible für balkanische und orientalische Melodik lebt sie mit der türkisch-kurdischen Band Roya aus. Die aus Bosnien stammende Gitarristin Ljubinka Jokić liebt den „Jugorock“ der Achtzigerjahre, lässt aber auch Russisches und Balkaneskes in ihr Spiel einfließen. Die Stationen der aus Bulgarien stammenden Schlagzeugerin Maria Petrova lesen sich wie ein Who’s who der Wiener Szene. Jazz hat sie in den Bands von Marianne Mendt oder Hans Salomon getrommelt, Brasilianisches mit Célia Mara, Wildes mit den Wladigeroffs Brothers, und studiert hat sie natürlich an der Universität. Last, but not least ist Jelena Popržan an der Bratsche und mit Gesang zu hören. Die frühbegabte und mit Preisen dekorierte Musikerin aus Serbien hat in Belgrad und Graz studiert, hat Erfahrung in klassischer Musik und in Wien unter anderem mit dem brasilianischen Gitarristen Alegre Corrêa, mit dem Pianisten Paul Gulda, der Akkordeonlegende Otto Lechner und Mathias Rüegg gespielt. Letzterer leitete 2004 noch das Vienna Art Orchestra, den damals wichtigsten Aktivposten der Wiener Musikszene, und engagierte die 2004 nach Wien gekommene Bratschistin sofort für ein Neujahrskonzert. Im ausverkauften Porgy & Bess absolvierte sie einen umjubelten Gastauftritt, bei dem besonders ihre Vokaleinlage mit Triller überraschte.
Den verspäteten Glückwunsch nimmt sie dankend an, winkt aber bei der Frage, ob sich der Triller einer Tradition in Serbien verdanke oder einen anderen exotischen Hintergrund habe, lächelnd ab: „Nein, den habe ich mir selbst ausgedacht und beigebracht.“ Ansonsten, so betont sie, „mag ich es nicht, wenn Musikerinnen und Musiker ethnisiert werden.“

... mehr im Heft.