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»Man muss nicht ins große Geschäft, um sich künstlerisch zu entfalten.«
Jakob Hummel * Foto: TftP

5 Minuten mit ...


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Dieser Artikel ist ein Auszug aus der Printversion, das Heft kann bestellt werden unter www.irish‑shop.de.

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www.jakobhummel.com

www.jakobhummel.bandcamp.com



Aktuelles Album:


Sorry If You Expected Something Else
(Thanks for the Postcard, 2016)



Cover Sorry if you expected something else 


Jakob Hummel

Im Flug kreativer Trunkenheit

Jakob Hummel macht Musik, die man sehen muss. Reich an beglückender Ironie halluziniert sie ebenso euphorisch betörend wie verstörend. Zwischen kammermusikalischem Indiepop und Psychedelic Folk im Jerry-García-Stil finden sich Reminiszenzen an die frühen Pink Floyd sowie an Bon Iver und Bonnie „Prince“ Billy, Musik, die mit ihrem melancholischen und berührend schönen Ohrwurmpotenzial einem Sufjan Stevens ebenbürtig klingt. Die begleitenden Videos gleichen einem Vexierspiel, in dem sich die Bedeutung der Songs wandelt – sie kippt ins Gegenteil und gleich wieder zurück.

Text: Stefan Sell

„Kunst ist etwas, das man ohne Lehrer oder Schule lernen kann. Man muss nicht ins große Geschäft, um sich künstlerisch zu entfalten“, sagt Jakob Hummel. Derzeit weilt der neunundzwanzigjährige gebürtige Leipziger in Prag, wohin die Liebe ihn verschlagen hat. In der Heimat Kafkas macht er für das Theater Divadlo Kampa nicht nur Licht und Ton, sondern schrieb er auch die Musik für das Stück Štěkání. Eigentlich hat er Mathematik und Tschechisch auf Lehramt studiert und gibt sich noch bis zum Sommer nächsten Jahres eine Frist, um sein Referendarjahr zu absolvieren. Denn sollte seine künstlerische Saat nicht fruchten, ist er bereit, der Musik für ein Jahr abzuschwören. Zuvor wird im Sommer ein neues Album eingespielt. Das aktuelle, Sorry If You Expected Something Else, ist in großen Teilen vor seiner erfolgreichen EP What Becomes Of Us …?/Better People entstanden. Der Titelsong erzählt exemplarisch, was Hummels Musik ausmacht. Im Video sitzt er Tee trinkend am Küchentisch, verzieht das Gesicht, der Tee ist zu heiß oder zu bitter. Ihm gegenüber hockt ebenso hornbebrillt sein langjähriger Freund, der Violinist Jörg Blumenstein. Beide sinnieren heiter über die Frage, was uns zu besseren Menschen macht. Doch immer wieder wandelt sich die Heiterkeit in zähnefletschende Aggression, mal mit Stock, Flasche oder Messer drohend: „You could be a better, better man, / If you keep away, away, away, / When you think you fail“ – „Du könntest ein besserer Mensch sein, würdest du dich einfach zurückhalten, wenn du glaubst, du wirst scheitern.“ Die Musik dazu ist ein wunderschöner Zweigesang zur Gitarre, den Streicher mit sirrend stehenden Tönen überlagern, begleitet von zarten Pizzikati.
Hummel ist kein individualisierter Einzelgänger, hinter ihm steht ein Netzwerk, das unter dem Namen Lester Dudit firmiert. Dieses Netzwerk ist im klassischen Sinn ein Künstlerkollektiv, das mit weiteren Gruppen verbunden ist. Der geniale Kameramann Leonhard Kätzel, für viele Musikclips Hummels wie auch von dessen Projekt Doc Foster Band verantwortlich, ist Teil der Videogruppe Leipzig, die ein vor Kreativität sprudelndes Potenzial zeigt.

... mehr im Heft.