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»Ich musste ‚amtlich‘ singen, mit Ausdruck und möglichst ohne Fehler.«
Lüül * Foto: Max Schwarzlose




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www.luul.de



Aktuelles Album:


Fremdenzimmer
(Music in Germany, 2018)



Cover Fremdenzimmer


Vom Krautrocker zum Songpoeten?

Im Fremdenzimmer mit Lüül

Lutz Graf-Ulbrich nennt sich schon so lange Lüül, wie er Musik macht. Das ging Ende der Sechzigerjahre in Schülerbands los, aus denen später seine Krautrockbands Agitation Free und Ash Ra Tempel wurden. Sie machten Rockmusik mit langen Improvisationsstrecken. Doch schrieb Lüül bereits von Anfang an auch akustische Songs, die nicht passten, weil sie zu wenig Avantgarde waren.

Text: Michael Freerix

Ende der Siebziger lebte Lüül dann für ein halbes Jahr in New York, und bei den vielen Gigs, die er sich anschaute, merkte er, dass „die Amis mit ihren Songs auch alle nur mit Wasser kochen“. Das machte ihm Mut. Kaum zurück in Berlin, nahm er 1980 sein erstes Album mit eigenen Songs auf.
Mit dem Titel „Morgens in der U-Bahn“ kam ein wenig Erfolg, doch wurde er damit der Neuen Deutschen Welle zugeordnet, was ihm nicht gerecht wurde. Zwar kam noch ein zweites, modern produziertes Album heraus, doch wandte sich Lüül zeitgleich dem Rocktheater Reineke Fuchs zu, für das er als Songschreiber und Musiker tätig war und dem er in den Achtzigerjahren treu blieb. Zwischendurch ging der Berliner immer wieder auf Weltreisen, von denen er bis heute in seinen Songs erzählt. In den Neunzigern gründete Lüül mit anderen die 17 Hippies, „die so massiv in mein Leben traten, das erst mal gar nichts anderes mehr ging“. Nur noch sporadisch entstanden in dieser Zeit neue Alben von ihm, was sich ab 2004 mit dem Album Damenbesuch änderte.
Nun steht mit Fremdenzimmer Album Nummer elf in den Läden. Produzierte Lüül sich zuvor hauptsächlich selbst, stand dieses Mal Moses Schneider im Regieraum. Schneider ist die herausragende Produzentenpersönlichkeit der zeitgenössischen deutschen Rockmusik. Er hat unter anderem mit Bands wie Tocotronic, Beatsteaks oder AnnenMayKantereit viel Erfolgreiches auf den Markt gebracht. Trotzdem gesteht er freimütig, dass er „noch nie ein Folkalbum mit Violine, Akkordeon und Kontrabass produziert habe. Eigentlich habe ich vor solchen Instrumenten Angst.“ Genau deshalb interessierte ihn die Zusammenarbeit mit Lüül.
Als Produzent nimmt Schneider seine Künstler grundsätzlich live auf. Ihn fasziniert der spontane Charakter solch einer Situation, was für Lüül „bedeutete, dass ich ‚amtlich‘ singen musste, mit Ausdruck und möglichst ohne Fehler“. Und gleichzeitig sein Instrument tadellos spielen! Er fühlte eine starke Anspannung, als er, gefolgt von seiner Band, kurz nach dem Jahreswechsel die Räume des Candy-Bomber-Studios am Tempelhofer Flughafen betrat. „Der Ort allein schon hat eine eigenartige Atmosphäre. Und jetzt, mit den vielen Flüchtlingen, ist die noch mal spezieller.“ Prompt ging auch, bevor die Aufnahme richtig startete, ein Studiomikrofon kaputt! Lüül sackte das Herz in die Hose, doch Produzent Schneider wusste in Zusammenarbeit mit dem erfahrenen Tonmeister Ingo Krauss, eine erfrischend-kreative Stimmung herzustellen, in der die Band wie magnetisiert spielte. An nur vier Tagen wurden so vierzehn Titel eingespielt!

... mehr im Heft.