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»Meine Songs sind eine Spielzone, in der ich mich frei bewegen kann, ohne einem äußeren Anspruch gerecht zu werden.«
Julia Toaspern * Foto: Michael A. Schmiedel

5 Minuten mit ...


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Aktuelles Album:


One Step At A Time
(Felicitas Records, 2017)



Cover One Step at a Time


Julia Toaspern

Musik zwischen Schafen und Menschen

Eigentlich war sie beim Konzert des Vereins Folk im Feuerschlösschen in Bad Honnef im vergangenen November nur die Begleitmusikerin von Tony McManus aus Schottland. Doch begeisterte Julia Toaspern das Publikum nicht nur durch ihre jugendliche Frische, sondern auch durch ihr filigranes und zugleich treibendes jazzig-folkiges Gitarrenspiel, das atemberaubende Duette mit ihrem Partner hervorbrachte. Und auch als Fiddlerin traditioneller schottischer Tunes sowie als Sängerin eigener Lieder wusste sie zu überzeugen.

Text: Michael A. Schmiedel

Zunächst: Julia Toaspern ist keine Schottin, sondern Deutsche. Genauer: Potsdamerin. Ihre musikalische Sozialisation war erstens geprägt durch ihren Opa, in dessen Wohnzimmer ein Klavier steht, auf dem bei jedem Vorbeigehen gespielt wird – Bach, Volkslieder, Jazz. Zweitens hatte ihre Mutter großen Einfluss, die immer viel mit ihr sang – „deutsche Volkslieder, ungarische Melodien, Kinder- und Weihnachtslieder“, so die Musikerin. Die ungarischen Melodien stammten dabei aus Urlauben ins damalige sozialistische Bruderland. Drittens erfuhr Julia Toaspern eine Ausbildung in klassischer Geige und Chorgesang in verschiedenen Orchestern, Ensembles und Chören wie dem Landesjugendsinfonieorchester Brandenburg und der Potsdamer Kantorei. Ein Studium zur Musiklehrerin brachte sie dann zwar nicht an die Schule, aber zur Arbeit als Instrumental- und Gesangslehrerin.
Der erste Kontakt zur englischen, schottischen und irischen Musik kam durch einen Schauspieler an der Deutschen Oper Berlin zustande, der ihr Gordon Duncan, Kate Rusby und Julie Fowlis vorspielte. Sie begann mit der Low Whistle und wagte sich dann ans Banjo. Ihre ersten eigenen Songs entstanden in New York, um eine beendete Beziehung aufzuarbeiten. Der Aufenthalt in den USA war dann neben den abgedruckten Texten im Booklet einer Hanson-CD zu ihrer Schulzeit auch mitentscheidend dafür, dass sie von Beginn an hauptsächlich englischsprachige Texte verfasste. Heute daheim in Berlin verbringt sie viel Zeit mit Englischmuttersprachlern und erklärt die Bedeutung der englischen Sprache für sie so: „Mir kommt es gar nicht in den Sinn, von diesen Dingen, die ich auf Englisch erlebe, auf Deutsch zu singen – das Natürliche ist das Englische.“ Ansonsten reist sie viel in ihre inzwischen zweite Heimat Schottland, wo sie nördlich von Inverness Schafe hütet, Ziegen melkt und Beete umgräbt. „Den Schafen singe ich auch ab und zu was vor – die verstehen ja nur Englisch“, scherzt sie. Doch hat sie auch einzelne deutschsprachige Lieder im Repertoire.

... mehr im Heft.