Folker-Logo Probeabo & Abo     Mediadaten/Anzeigen

Suche
    Intern     Über uns

Kontakt/Impressum/Datenschutz

       
»Eine Gitarrenstimmung ist für mich ein Ausgangspunkt für einen neuen Song.«
Richard Leo Johnson

5 Minuten mit ...


Weitere Artikel aus der Rubrik 5 Minuten mit ... in dieser Ausgabe:

Maarja Nuut

Sazʼiso

Julia Toaspern





[Zurück zur Übersicht]



Dieser Artikel ist ein Auszug aus der Printversion, das Heft kann bestellt werden unter www.irish‑shop.de.

Oder gleich zum (Probe-)Abo.




www.richardleojohnson.com



Aktuelles Album:


Celeste
(Soft Science, 2014)



Cover Celeste


Richard Leo Johnson

Americana aus dem Weltall

Für Fachleute ist Richard Leo Johnson ein Gitarrist, der aus der Tradition heraus experimentiert und dessen unkonventionelle Spielweise die Americanamusik wie aus dem Kosmos klingen lässt. Und so sieht auch seine neue Gitarre ziemlich außerirdisch aus.

Text: Hans-Jürgen Lenhart

Johnson, der eigentlich ein erfolgreicher Architekturfotograf ist, stammt aus dem Mississippidelta. Das merkt man auch an seiner Verwendung des Bottlenecks auf der Gitarre. Doch hat er diese Technik aus dem Delta-Blues weiterentwickelt. Seine Glissandi sind intensiv und mit Echos versetzt, dazu stimmt er einige Saiten tiefer. Er ist zudem ein ausgezeichneter Fingerpicker, und Einflüsse aus Bluegrass und Folk schwingen immer mit. Manchmal spielt er die Gitarre auch wie eine japanische Koto oder mit dem Geigenbogen, oder er blendet Naturgeräusche in sein Spiel ein. Seine Improvisationen lassen ihn manchmal wie eine Mischung aus akustischen Gitarristen der New-Age-Szene, Folkies wie John Fahey und Jazzern wie Ralph Towner wirken. Zusätzlich entwickelt er ständig neue Arten, seine Instrumente zu stimmen und sagt: „Eine Gitarrenstimmung ist für mich ein Ausgangspunkt für einen neuen Song.“
Im Laufe seines Werdegangs hat er aber nicht nur die klanglichen Wurzeln seiner Americanamusik zu einer neuen Kunstform entfaltet, sondern sie auch in einen äußerst skurrilen Mythos eingebaut. Dies begann 2006 mit dem Album The Legend Of Vernon McAlister. Er hatte eine Resonatorgitarre aus den Dreißigern erworben und begonnen, sie auf eine Weise zu spielen wie niemand zuvor. Dann entdeckte er die Gravur des früheren Besitzers Vernon McAlister auf ihr und baute um den Namen herum eine bizarre Geschichte, die scheinbar seine außergewöhnliche Spielweise erklärt, sich mit jedem Album fortsetzt und schließlich gar den Delta-Blues mit der Kommunikation mit Außerirdischen vereint.
In der Tradition der Southern-Gothic-Schauergeschichten der Südstaaten erzählt Johnson auf dem ersten Album, Vernon McAlister sei ein Holzmühlenarbeiter, der durch einen Arbeitsunfall sein musikalisches Genie erkennt. Auf dem Nachfolger Who Knew Charlie Shoe? bringt McAlister sein Talent dem Autisten Charlie Shoe bei, der mit einem Mülltrommler – in Gestalt des Percussionisten Gregg Bendian – ein Duo bildet, deren Musik bei Forschern zur Sensation wird. McAlister wiederum wird auf dem dritten Album Celeste von einer außerirdischen Frau ent- und verführt. Jahre später trifft er sie wieder in Form der Musikerin Celeste, die eine ungewöhnliche Gitarre spielt. Ihr chorartiger Gesang hat keine Worte, dennoch weiß jeder, der sie hört, worüber sie singt.

... mehr im Heft.