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»Ich wollte auf dem Album etwas jenseits bestimmter Grenzen und Kodierungen erschaffen.«
Yasmine Hamdan * Foto: Nadim Asfar

5 Minuten mit ...


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Aktuelles Album:


Al Jamilat
(Crammed Discs, 2017)



Cover Al Jamilat



Yasmine Hamdan

Die fragilen Schönen

Yasmine Hamdan lebt in Paris und Beirut, ihre Kindheit und Jugend verbrachte sie zwischen Abu Dhabi, Griechenland und Kuwait. Als Teenager kehrte sie in ihr Geburtsland, den Libanon zurück und gründete Ende 1997 mit Soapkills ihre erste Independent-Electro-Band. Dann begann sie solistische Wege zu gehen. Bereits auf Ya Nass konstruierte die Künstlerin ein starkes Frauenbild, selbstbewusst, humorvoll und poetisch. Mitte März erschien ihr neues Album Al Jamilat, im Mai ist sie auf Tour und macht Station in Berlin, Hamburg, Leipzig, Köln, Frankfurt und München.

Text: Grit Friedrich

Yasmine Hamdan singt auf Al Jamilat auch über den Arabischen Frühling. Sie nennt ihn „Frühling der Araber“, und der sei noch lange nicht vorüber. Im zwischen Hoffnungslosigkeit und Wut pendelnden „Douss“ schwankt ihre Sicht auf die komplizierte Situation im Nahen Osten zwischen Trauer und Widerstand. „Wenn ich einen Song schreibe, suche ich nach meinen Gefühlen und versuche sie in die Protagonisten meiner Lieder zu bringen. Die verkörpern dann eine bestimmte Stimmung von Hoffnungslosigkeit oder Rebellion. Und auch das Nichtakzeptieren von dem, was im Nahen Osten vorgeht. Ich wollte auf dem Album einen Raum kreieren, in dem sich Musiker begegnen und etwas jenseits bestimmter Grenzen und Kodierungen erschaffen, etwas Organisches und Unangestrengtes.“
So fuhr Hamdan mit Skizzen für elf neue Songs nach New York und traf im Studio Musiker, mit denen sie noch nie zuvor gearbeitet hatte. Starke Verbündete fand die Libanesin im Schlagzeuger Steve Shelley, der bei Sonic Youth spielte, und vor allem in Shahzad Ismaily. „Er ist Amerikaner mit pakistanischen Wurzeln. Als ich mit einem Demo und ein paar Ideen dazu ankam, sprachen wir auch über Tuaregrhythmen. Er fühlte, wie der Song gespielt werden musste. Dieser Mann ist ein Genie, er spielt viele Instrumente und arbeitet sehr intuitiv. Ich hatte sehr viel Glück.“
Das hatte sie auch bei „Al Jamilat“ („Die Schönen“), dem einzigen Text auf dem neuen Album, den Yasmine Hamdan nicht selbst geschrieben hat. Er stammt aus der Feder des palästinensischen Nationaldichters Mahmoud Darwish, der in der arabischen Gemeinschaft tief verehrt wird und eine große Affinität zur Musik besaß. „Er beschreibt, wie ich mich fühle, eben nicht perfekt. Er beschreibt auch Weiblichkeit bei Männern. Wunderschön an diesem Text ist seine Widersprüchlichkeit. Und ich erschaffe ja viele weibliche Charaktere, die das eine sagen und etwas anderes meinen.“

... mehr im Heft.