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»Auch Liebeslieder können politisch sein und Stellung beziehen.«
Martin Spengler und die foischn Wiener * Foto: Stephan Mussil

5 Minuten mit ...


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Aktuelles Album:


Ummi zu dia
(Foische Wiener Records/Hoanzl, 2017)



Cover Ummi zu dia



Martin Spengler & die foischn Wiener

Haltung zeigen, Liebeslieder singen

Seit fünf Jahren bereichern sie die Liedermacherszene in Wien. Das führt zum Wienerlied. Dabei sind die Mitglieder der Band noch nicht einmal gebürtige, sondern sozusagen falsche oder „foische“ Wiener. In der Vielvölkerstadt ist das allemal die Regel, sehr zum Unwillen heimattreuer Nationalisten. Gegen den grassierenden Ungeist empfiehlt Martin Spengler Haltung und Liebeslieder.

Text: Harald Justin

Martin Spengler hat in diesen Tagen gut lachen. Sein aktuelles Album mit ihm und seiner Combo, den foischn Wienern, ist gerade erschienen. Ummi zu dia ist natürlich noch besser als die vorausgegangenen Alben Die Liebe, da Dod und de aundan Gfrasta von 2012 und Vü föd ned von 2014. Auch das waren Prachtalben, aber Ummi zu dia ist, wie er augenzwinkernd sagt, das Allerbeste. Es verkauft sich gut und ist ein klingender Beweis dafür, dass es im kleinen Österreich Musiker gibt, die mit Hartnäckigkeit und Zielbewusstsein eigenständige Bandprojekte über Jahre hinweg durchziehen und sich nicht mehr nur für ein kurzfristiges, finanziell lukratives Engagement zusammentun. „Mittlerweile gibt es gerade in der Wienerliedszene immer mehr Bands, die schon seit Jahren dabei sind. 5/8erl in Ehr’n, die Strottern – und wir!“
Er hat im Augenblick das, was gemeinhin als „guter Lauf“ bezeichnet wird. Erst unser „Fünf-Minuten“-Interview, dann ein weiteres mit einem TV-Team. Treffpunkt ist der Bockkeller, wo das Wiener Volksliedwerk residiert, das zur Pressekonferenz anlässlich des diesjährigen Wean-Hean-Festivals eingeladen hat. Spengler und seine Truppe wurden für den Eröffnungstag gebucht, und der Bandleader gibt an diesem Vormittag schon einmal mit einem Soloauftritt eine Visitenkarte ab. Die famose Akkordeonistin seines Ensembles, Marie-Theres Stickler, vielbeschäftigt in mehreren Formationen, wurde ebenso verpflichtet und hat dadurch nicht nur ihre eigene Bekanntheit, sondern auch die ihrer langjährigen Lieblingscombo gesteigert. Und den Aushängen im Bockkeller ist zu entnehmen, dass Spengler an diesem Ort einige Tage nach der Pressekonferenz im Spannungsfeld von Jazz, Slam-Poetry und Wienerlied zu hören sein wird. Es läuft, Spengler ist in Wien angekommen.
Aber wieso treibt der Bandname das Spiel mit der Fremdheit, mit den falschen Wienern? Spengler lacht und sagt: „Hast du schon einmal einen echten Wiener gesehen? Es gibt ihn nicht. Das ist der Schmäh bei unserem Namen.“ Tatsächlich, er, der Gitarrist und Komponist der Band, ist Oberösterreicher, und die anderen Beteiligten, von der Akkordeonistin Stickler über den Bassisten Manuel Brunner und die Vokalistin Manuela Diem, sind ebenfalls Zugereiste aus anderen Bundesländern. Sie alle haben ihre musikalischen Traditionen mitgebracht und bereichern den kulturellen Bodensatz der Donaumetropole. Nicht nur, dass in Supermärkten, Taxen, Schulen, an der Uni oder auf der Straße ein turbulentes Sprachengewirr herrscht, auch die kulturellen Szenen agieren in einem seltsamen Neben- und Miteinander von Moderne und Tradition, Regionalismus und Globalismus. Wien wirkt magnetisch, und wer sich durch die Musikszene fragt, trifft eben selten gebürtige Wiener, foische dahingegen allüberall.

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