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»Wir brauchen unsere Ecke, in die wir zurückkommen und wo wir erzählen, was wir erlebt haben.«
Moussu T e lei Jovents * Foto: Christine Cornillet

5 Minuten mit ...


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Aktuelles Album:


Navega!
(Manivette Records, 2016)



Cover Navega!



Moussu T e lei Jovents

Okzitanische Poesie zu Klängen der Welt

Die Musiker der Band Moussu T e lei Jovents verbinden südfranzösische Gesangstradition mit Blues und Rock. „Monsieur T und die Jungen Leute“ machen daraus modernes, kosmopolitisches Liedgut aus Marseille – und der benachbarten Hafenstadt La Ciotat.

Text: Martina Zimmermann

„Cosmopolida“, der erste Track des letzten Albums Navega! von Moussu T e lei Jovents ist ein Liebeslied. Die Band singt auf Okzitanisch für eine schöne Weltbürgerin. Gleichzeitig ist der Song eine Ode an die Begegnung und die Vermischung der Kulturen, wofür Hafenstädte wie Marseille oder La Ciotat stehen. Ihre Heimat sei eine wichtige Inspiration, meint Sänger François Ridel alias Tatou, aber sie sei nicht alles. „Wir sind Kinder dieser Welt“, sagt er.
Tatou – oder „Monsieur T“ – ist eine wichtige Säule der Marseiller Musikszene, eine der Frontstimmen der Hip-Hop- und Raggamuffin-Combo Massilia Sound System (MSS). MSS verbanden seit der Gründung in den Achtzigerjahren Reggae aus Jamaika mit Traditionen aus der Provence und machten Musik aus Marseille mit phonstarken Auftritten berühmt. Moussu T e lei Jovents war eigentlich nur ein Nebenprojekt zu MSS, bei dem akustische Klänge mit stärkerem Fokus auf traditionellen Elementen im Vordergrund standen. 2004, als mehrere Bandmitglieder eine Solokarriere versuchten, entwickelten Tatou und Gitarrist Blu gemeinsam mit dem Percussionisten Deli K, dem Bassisten Souba und dem Schlagzeuger Denis Lo Bramaire den eigenständigen Erfolg von Moussu T. Seither hat die Band neun Alben veröffentlicht.
Die ersten akustischen Songs waren von der mittelalterlichen Troubadourtradition Okzitaniens inspiriert. Die Musiker sangen auch Theatermelodien der Dreißigerjahre oder die Gassenhauer des vergangenen Jahrhunderts. Dabei spielt das Meer eine wichtige Rolle. „Wir sind wie Matrosen“, meint Tatou, „wir haben immer Lust, Neues und Unbekanntes zu entdecken. Aber wir brauchen auch immer unsere Ecke, in die wir zurückkommen und wo wir erzählen, was wir erlebt haben.“
Musikalisch segeln Tatou und Blu mit Moussu T zwischen Marseille und Amerika, zwischen dem zwanzigsten und dem einundzwanzigsten Jahrhundert, zwischen kreolischen und brasilianischen Rhythmen, zwischen Blues und Rock und okzitanischer Poesie. „Wir singen ganz natürlich auf Französisch und auf Okzitanisch“, erklärt Tatou. „Das sind schließlich unsere beiden Sprachen, unsere beiden Kulturen.“ Sie könnten jederzeit von einer Sprache in die andere umschalten – „wie bei einem Maler, der zwei Farben hat und sie auch benutzt.“

... mehr im Heft.