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Awa Ly * Foto: Oye Diran

SHORTstory


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Aktuelles Album:

Safe And Sound
(Rising Bird Music, 2020)


Cover Safe And Sound


Awa Ly

Appell an die Menschlichkeit

Die senegalesische Sängerin verpackt politische und gesellschaftliche Botschaften in erdige Folkpopsongs.  

Text: Stefan Franzen

„Dass man im Jahr 2020 darum noch kämpfen muss! Dafür habe ich keine Worte.“ Mehrmals sagt Awa Ly das während unseres Interviews. Die Senegalesin mit Wohnsitz Italien ist eine Anwältin für die Menschlichkeit, und das probate Mittel für ihren Kampf ist Musik.
Nachdem sie auf ihrem Debüt Five And A Feather 2016 noch eher akustisch unterwegs war, hat sich ihr Sound mit dem Produzenten Polérik Rouvière merklich verändert. „Schon als ich die ersten Lieder schrieb, fühlte ich eine hypnotische Rhythmik in mir, die mich an die Erde erinnert, fast tribal ist, aber nicht nur im afrikanischen Sinne. Denn Rhythmus spielte ja seit der grauen Vorzeit in der Menschheitsgeschichte immer eine Rolle, wenn man sich in einen anderen Zustand, eine Trance versetzen wollte.“
Tatsächlich sind die Songs auf Safe And Sound geprägt von Call-and-Response-Chören, von jeder Art von perkussiver Gestaltung bis hin zu Klatschen und Trommeln auf der Wasseroberfläche, aber auch dem dezenten Gebrauch von Elektronik. Den Gegenpol stellt ein Streichquartett dar, das in einigen Songs für eine europäische Akzentuierung sorgt. „Ich bin sehr zufrieden mit dem Gleichgewicht, das wir da gefunden haben“, sagt Awa Ly, für die die Arbeit mit klassischen Streichern ein Premiere war, bei der sie viel gelernt habe.
Die Musikerin sieht sich als eine moderne Schamanin, die ihrem Publikum mit jedem Song eine kleine Frage mit auf den Weg gibt, Fragen nach dem Platz des Einzelnen in seiner Umgebung, in der Natur, ja, im Universum. „Es ist eine Einladung zur Innenschau. Erst einmal für die eigene Seele zu sorgen, hat nichts mit Egoismus zu tun. Erst wenn du dich selbst kennst, kannst du Neugier für die anderen entwickeln.“ Diese Innenschau fehle heute, so sagt sie. Ein schönes Sinnbild dafür ist das Video zu ihrer Single „Close Your Eyes“. Lange Reihen von Menschen stehen da in einer Lagerhalle, sie starren auf ihre Smartphones, aber ihre Augen sind verbunden. „Das Smartphone ist nur ein Symbol für alle Bildschirme, Radios, Zeitungen, aus denen gefilterte Infos auf uns einströmen, die wir für bare Münze nehmen. Es ist wichtig, dass wir uns selbst befragen, was davon uns guttut. Der feine Unterschied zwischen anschauen und hinschauen.“

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