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Heike Matthiesen * Foto: Hans-Jürgen Lenhart

Heimspiel


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Das Archiv Frau und Musik Frankfurt am Main

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Buchtipps:

Michael Brunner, Bedeutende Linden – 400 Baumriesen Deutschlands
(Bern, 2007)

Rainer Graefe, Bauten aus lebenden Bäumen – Geleitete Tanz- und Gerichtslinden
(Aachen, 2014)



Das Archiv Frau und Musik Frankfurt am Main

Steine ins Rollen bringen

Welche Song­writerinnen stehen eigentlich in Schulbüchern? Wie viele Kom­po­nistinnen sind breiter bekannt? Warum liest man oft von „Frauenbands“, aber nie von „Männerbands“? Solche Fragen zunehmend ins Bewusstsein zu rücken und Werke von Komponistinnen für die Zukunft zu bewahren, ist die Aufgabe des Archivs Frau und Musik in Frankfurt am Main.

Text: Hans-Jürgen Lenhart

Das 1979 gegründete Archiv ist das älteste, größte und bedeutendste Archiv für Musik von Frauen weltweit. Es beinhaltet 26.000 über einen Onlinekatalog recherchierbare Medieneinheiten aus 52 Nationen mit über 1.900 Komponistinnen vom 9. bis zum 21. Jahrhundert. Darunter befinden sich über 3.500 Tonträger, Videos und DVDs, Literatur, Vor- und Nachlässe von Komponistinnen und Dirigentinnen sowie die international umfassendste Sammlung an Postkarten von Damenblaskapellen um 1900. Zwar liegt der Schwerpunkt der Sammlung auf der Kunstmusik der vergangenen zwei Jahrhunderte, jedoch gibt es eine Sondersammlung zu den Bereichen Rock, Pop, Jazz, Chanson und Weltmusik. Hier findet man auch Noten der amerikanischen Komponistin Ruth Crawford-Seeger, die zusammen mit John und Alan Lomax amerikanische Volkslieder erforschte, oder Chansons der einst im Pariser Moulin Rouge gefeierten Chansonnette Yvette Guilbert. Auch an Noten der bedeutenden Milonga-Komponistin Carmen Guzmán kommt man über das Archiv. Sie arbeitete mit den Tango-Nuevo-Protagonisten Argentiniens zusammen, aber ein eigener Wikipedia-Eintrag ist ihr bezeichnenderweise bislang nicht vergönnt. Man kann sich vorstellen, welche auch weltmusikalisch noch wenig wahrgenommenen oder vergessenen Materialien von und über Musikerinnen hier entdeckt werden können. Im Bereich Folk möchte das Archiv seinen Bestand noch erweitern.

Komponistinnen als Schwerpunkt

Ein Artikel der Dirigentin Elke Mascha Blankenburg über vergessene Komponistinnen in der Zeitschrift Emma im Jahr 1977 initiierte einen Arbeitskreis von Musikerinnen aus vielen Teilen des Globus, um vergessene Kompositionen von Frauen ausfindig zu machen und wieder zur Aufführung zu bringen. Dies war die Basis für die Gründung des Archivs, das inzwischen mit weltweiten Sammlungen verbunden ist und alle drei Jahre ein Arbeitsstipendium an internationale Komponistinnen vergibt. 2019 feierte es sein 40-jähriges Jubiläum und wird derzeit mit Bibliotheksdatenbanken auf der ganzen Welt kompatibel gemacht, Konzertveranstalter werden zu speziellen Anfragen beraten, Musikwissenschaftlern der Umgang mit dem Material erklärt und Führungen angeboten.

Das Archiv lebt neben Ankäufen auch von Schenkungen. Förderungen von Staat und Stiftungen ermöglichen zwar wichtige Projekte wie MASCHA, bei dem Videointerviews mit wichtigen Vertreterinnen von Frauenmusikbewegungen seit den Siebzigerjahren zugänglich gemacht werden, trotzdem steht das Archiv auf der Roten Liste der bedrohten Kultureinrichtungen des Deutschen Kulturrats. Heike Matthiesen vom Vorstand des das Archiv leitenden Internationalen Arbeitskreises Frau und Musik e. V. erklärt dazu: „Politik hat oft wenig Bewusstsein über die Notwendigkeit von Archiven. Mit der #MeToo-Debatte sind wir aber etwas unangreifbarer geworden.“

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