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Volker Grass * Foto: Jean-Oliver Groddeck

Heimspiel


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Dieser Artikel ist ein Auszug aus der Printversion, das Heft kann bestellt werden unter www.irish‑shop.de.

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Albumtipp:


Diverse, Walzer – Schottisch – Poloness. Folkmusik aus alten Handschriften
(Bluebird Café Berlin Records, 2014)



Klein aber fein

Ukulelenbau in Deutschland

Nischenhandwerk mit Charme

Früher war die Ukulele als kleine Klampfe verschrien. Im vergangenen Jahrzehnt verbreitete sich das hawaiia­ni­sche Instrument jedoch immer weiter in Europa. Aus Großbritannien schwappte die Begeisterung für die vier Saiten schließlich auch nach Deutschland herüber. Ukulelenstammtische, Ukulelenorchester und der 1. Deutsche Ukulelenclub wurden aus der Taufe gehoben, was in der Folge die Nachfrage nach Instrumenten steigen ließ. Das Gros der in Deutschland verkauften Ukulelen muss allerdings den langen Seeweg von China auf sich nehmen, eingezwängt in stählerne Container. Doch es geht auch anders, denn mittlerweile wird das Instrument auch bei uns gebaut.

Text: Jean-Oliver Groddeck

Grüne Hügel, kleine Wälder, grasende Schafe – so sieht es rund um das Haus von Volker Grass in Leichlingen bei Solingen aus. Es ist zwölf Uhr mittags. „Heute Morgen war ich schon bei einer Maschinenbaufirma arbeiten. Das ist mein anderer Job. Aber nachmittags geht’s dann immer ab in meine Werkstatt“, erzählt der Fünfzigjährige und schließt die Garagentür auf. Der Geruch nach frisch gesägtem Holz steigt in die Nase. „Hier auf der rechten Seite steht der oszillierende Spindelschleifer. Damit mache ich die Unterseite der Ukulelenhälse rund. Seit ich mich vergangenes Jahr dazu entschieden habe, professionell Ukulelen zu bauen, musste ich meine Werkstatt vergrößern.“ Damals stand der Vater von zwei Töchtern kurz vor einem Burn-out, nahm ein Sabbatjahr und entschied sich, ein Hobby zum zweiten Beruf zu machen. Seine erste Ukulele baute Grass 2008 aus einem Bausatz. Seitdem hat er insgesamt 46 Stück hergestellt. „Ich habe mir alles selbst beigebracht und hole mir im Internet immer wertvolle Tipps“, sagt er, während er Bundstäbe in ein Griffbrett drückt. Dazu kam ein Praktikum beim walisischen Ukulelenbauer Pete Howlett.

Maßgeschneiderte Instrumente

Der Bauprozess fängt mit einer Zeichnung im Maßstab 1:1 an. Dann wählt Grass das Holz aus: Ahorn, Chakte Kok – ein rotes, afrikanisches Holz – Mahagoni, Fichte, Libanonzeder, Walnuss, Apfel oder Umbila aus Südafrika. Grass bevorzugt Zedernholz. „Es hat einen schönen warmen Klang und ist trotzdem kräftig.“ Bei der Herstellung richtet er sich ganz nach den Wünschen seiner Kunden. Ein, zwei Beispiele? Gerade arbeitet er an einer Tenorukulele im Stil einer Jazzgitarre aus den Fünfzigerjahren, experimentiert dabei mit neuen Formen für den Korpus und die Schalllöcher. Parallel dazu baut er eine Sopranukulele, bei der das Griffbrett sowie die Decke aus Chakte Kok sind. Das wird ein sehr farbenfrohes Modell.

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