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Ezé Wendtoin * Foto: Wolfgang Möhrer, Ezé Wendtoin -Trikont

SHORTstory


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Aktuelles Album:


Inzwischen dazwischen
(Trikont, 2019)



Cover Inzwischen dazwischen



Ezé Wendtoin

Ein bisschen dunkler, ein bisschen bunter

Was es mit einem anstellt, wenn man seinen Lebensmittelpunkt in eine andere Welt verlegt? Ezé Wendtoins Debütalbum Inzwischen dazwischen berichtet davon. Dass er, geboren in Burkina Faso und ein Freund der deutschen Sprache, heute Dresden als neue Heimat bezeichnet, macht die Sache noch interessanter.

Text: Bernd Gürtler

Zufälligerweise 2018 den fantastischen Dokumentarfilm Wann wird es endlich wieder Sommer gesehen? Über die Banda Internationale aus Dresden? Diese Szene, wo Ezé Wendtoin bei einem Festivalauftritt der Banda in Bayern Rudi Carrells Siebzigerjahre-Schlager, an den der Filmtitel angelehnt ist, mit einer Hingabe singt, als ginge es um Klassiker aus dem deutschsprachigen Volksliedfundus vom Format eines „Am Brunnen vor dem Tore“ oder „Der Mond ist aufgegangen“? Der Mann, dem Aussehen und dem Akzent nach offenbar afrikanischer Herkunft, wusste, wovon er singt. Nichts wirkte aufgesetzt. Ganz erstaunlich diese Filmsequenz, bei genauerem Hinsehen allerdings eine Überraschung mit Ansage.
Als Spross einer Familie von Musikern, Predigern und Schmiedemeistern ist Ezé Wendtoin in einem kreativen Umfeld aufgewachsen. Bereits zu Hause in Westafrika erwirbt er einen Bachelor in Germanistik. Ab 2016 kann er sein Studium an der TU Dresden fortsetzen und zwei Jahre später mit einem Master abschließen. Mittlerweile lebt er in Dresden. „Ich stehe jetzt“, sagt er über sich, „zwischen unterschiedlichen Heimaten, Welten, Sprachen, Kulturen, Denkweisen, Sitten und Bräuchen, Religionen. Deutschland und Burkina Faso trennt wahnsinnig viel, nicht nur geografisch. Ich liebe beides. Warum sollte man auf die Hälfte davon verzichten, wenn man das Doppelte haben kann?“
Von der Sprachenbeherrschung her könnte Ezé Wendtoin sogar das Dreifache, das Vierfache bekommen. Die Songs seines Debüts Inzwischen dazwischen sind teils auf Französisch, teils auf Arabisch oder in den burkinischen Regionalsprachen Mooré und Fulfuldé gesungen. Überwiegend aber auf Deutsch, und dann beschreiben sie genau beobachtete Alltagsschrullen wie in „Omas Mütze“ oder teils heitere, teils schmerzliche Liebesdramen wie in „Pokémon“, „Zugabe“ und „Es tut mir leid“. Zwischendurch wird auch mal ein ulkiges Wortspiel riskiert, siehe „Ruth Ding will Weile“. „Dresden Daheeme“ ist mit Anklängen an den sächsischen Dialekt der Elbmetropole Balsam für die Seele eines jeden Dresdners, der im Widerspruch zum überregionalen Darstellungstrend Toleranz und Weltoffenheit für seine Heimatstadt reklamiert. „Sie machen dich schlecht in den Medien, / Aber für mich bist du wirklich ’ne schöne Stadt. / Ich brauche nicht nach Berlin umziehen, / Gefunden hab ich dich als neue Heimat“, schwärmt Ezé Wendtoin.

... mehr im Heft.