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Mohamed Khoudir * Foto: Katrin Wilke

Heimspiel


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Doktor Oud

Berlins Luthier Mohamed Khoudir

Mit all den Neuankömmlingen aus dem arabischen und nordafrikanischen Raum ab 2015 landeten auch allerhand Spieler der weltgewandten Kurzhalslaute in Deutschland. Potenzielle Kunden und Austauschpartner für den Oud-Bauer und -Restaurator Mohamed Khoudir, der sich außerdem ein kleines Lern-Kanun, eine Kastenzither, patentieren ließ. 1996 hatte er selbst vor dem Bürgerkrieg in Algerien das Weite gesucht und letztlich Deutschland angesteuert. Mittlerweile lebt und arbeitet der aus einem Vorort von Algier stammende Mittvierziger seit bald zwanzig Jahren in Berlin.

Text: Katrin Wilke

Unter den Lido-Besuchern, die allabendlich den angesagten Kreuzberger Konzertsaal bevölkern, weiß wohl kaum jemand von dem kleinen, feinen Ort ein paar Türen weiter. 2018 bezog Mohamed Khoudir dort, schon fast am Rand des nachtaktiven Viertels, seine Werkstatt im Souterrain, nachdem er zuvor an anderen, kleineren Orten in der Nähe ansässig gewesen war. Am mit Grün umrankten Eingang ist auf Deutsch und Arabisch zu lesen: „Musikinstrumente – Bau, Pflege und Reparatur“. Ein paar Stufen abwärts steht man im geräumigen Hauptraum, an dessen Wänden diverse Instrumente hängen, neben Ouds auch Gimbris. „Die Gimbri ist eins der Hauptinstrumente der Gnawa-Musik und der Vorläufer der Oud“, erzählt Khoudir. Die Oud ist sein Arbeitsschwerpunkt. Da sie sich sogar in seinen Nachnamen eingenistet hat, stellt man sich gerne vor, sie sei Mohamed Khoudirs regelrechte Bestimmung gewesen.

Khoudirs Weg zur Oud

Dabei geschah die Annäherung an das klanglich wie optisch Poesie entfaltende Instrument eher unpoetisch, pragmatisch. Nach seinem Weggang aus Algerien – „mit 23 Jahren, einem Visum und Flugticket ohne Rückflugdatum“ – hatte Khoudir durchaus „großes Glück, wie es nicht allzu viele gleichaltrige Landsleute hatten“, so der Algerier. Über Italien und Süddeutschland gelangte er schließlich nach Berlin.

Als er den entsprechend legalen Status hatte, absolvierte er berufsbegleitend eine Erzieher-, später zusätzlich eine Musik- und Klangtherapieausbildung. „Parallel dazu hatte ich auch schon mit dem Instrumentenbau angefangen. Das war aber eher als eine Art Werkzeug für die pädagogische Arbeit gedacht, denn man brauchte noch eine ergänzende künstlerische Befähigung. Bei mir wurde es eben das Handwerk, die Beschäftigung mit Holz. Ich hatte begonnen, Oud zu spielen, und als ich mein eigenes Instrument haben wollte, fing ich eines Tages an, aus einem Stück Holz ein Griffbrett zu schnitzen. Ich konnte hierfür nicht noch eine Ausbildung machen, und so musste ich mir den Instrumentenbau selbst beibringen. Das funktionierte auch ohne Youtube-Anleitungen vor allem mithilfe von Fachbüchern ganz gut“, so Khoudir schmunzelnd.

Instrumentenbau und Arbeit mit Kindern

Heutzutage widmet der Selfmademan dieser Tätigkeit viel mehr Zeit als seinem eigentlichen Beruf. Doch diese nur scheinbar disparaten Bereiche lassen sich kreativ verkuppeln. „Ich arbeite als Freiberufler nach wie vor mit Kindern und Jugendlichen und versuche, dies nun mehr und mehr mit dem Instrumentenbau, dem Musik- und Klangtherapeutischen zusammenzubringen“, erklärt er. Dies war Ende letzten Jahres eindrucksvoll zu erleben, als Khoudir zu einem kulturellen Eröffnungsabend in seine Werkstatt eingeladen hatte, die sich bei Musikern und Instrumentenliebhabern mehr und mehr als Treffpunkt herumspricht. Da tummelten sich bastelnde und malende Kinder, musizierende und singende Menschen aus der afroarabischen Community und deutlich darüber hinaus. Mittendrin, als fast unauffälliger Ruhepol, der besonnene Gastgeber, der seit Oktober nun auch allsonntäglich eine interaktive Musikveranstaltung insbesondere für Eltern und Kinder organisiert.

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