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M&R-Künstler-Konferenz * Foto: Imke Staats

Heimspiel


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Gegen Rechtspopulismus

Die M&R-Künstler-Konferenz tagte in Berlin

Anfang 2018 wurde das Magazin Melodie & Rhythmus aus Geldmangel eingestellt, Ende desselben Jahres das „Manifest für Gegenkultur“ veröffentlicht, das gleichzeitig den Neustart des Printmediums unter altem Namen markierte. Am 8. Juni fand nun im Heimathafen in Berlin-Neukölln eine ganztägige von Melodie & Rhythmus ausgerichtete Künstlerkonferenz statt, um dieses Manifest zu erörtern und mit Leben zu füllen. Es stellt mit Bezug auf Eisler und Brecht fest, dass Kultur ermögliche, unsere Gesellschaft lebenswerter, humaner und freier zu gestalten. Es sollte damit auch ein Zeichen gegen den sich ausbreitenden rechten Zeitgeist gesetzt werden. Dazu kamen internationale Kulturschaffende, Publizistinnen und Publizisten sowie Künstlerinnen und Künstler zu vier thematischen Podiumsdiskussionen zusammen.

Text: Imke Staats

Liedermacher Konstantin Wecker, Schauspieler Rolf Becker, Sängerin und Shoa-Zeitzeugin Esther Bejarano oder Kunsthistoriker Moshe Zuckermann waren neben über zwanzig weiteren Kulturschaffenden gekommen, um ihre Erkenntnisse und Standpunkte zur Lage der Politik und Kultur vorzustellen und eigene Erfahrungen aus Nationalsozialismus, dem Israel-Palästina-Konflikt oder diktatorischen und Krisenregimen einzubringen. Aufgeteilt war der Tag in vier etwa einstündige Diskussionen zu Themen wie „Rechtsentwicklung in der Kultur“ oder „Manipulationsästhetik und (digitalisierte) Meinungsmache“. Begleitet wurde der Austausch durch Literatur- und Theaterrezitationen oder historische Einlassungen, anschließend fanden bilaterale Gespräche und Vorträge statt. Das Interesse war groß, der Saal mit etwa vierhundert Plätzen gut gefüllt.

Potenzial für Gegenkultur

Zur Mittagszeit wurde das vorwiegend ältere Publikum von einer provokanten satirischen Intervention der maskierten Rapper „Alles Scheizse“ überrascht, die sich als starker Wortschwall über die Teilnehmer ergoss. Genau das sprach Theaterregisseur Volker Lösch an: Potenzial für Gegenkultur sei ja vorhanden, siehe auch „Fridays for Future“, doch generell sei das Interesse an revolutionären Aktivitäten beim Nachwuchs gering. Die erste Diskussionsrunde verhandelte den zunehmend rechtspopulistischen Ton in der Kultur und erörterte, wer Verantwortung für eine Veränderung übernehmen solle. Wecker, der sanfte Revolutionär und Poet, dazu: „Die Poesie hilft uns, an der Idee der Utopie zu bauen.“ Das provozierte einige Buhrufe aus dem Publikum, während auf dem Podium generell fair diskutiert wurde und auch konträre Ansichten nebeneinanderstehen konnten.

Engagierte Jugend aus dem Ausland

Während aus Sicht Löschs hierzulande die Nachwuchsfrage der Widerstandskultur offen ist – die junge deutsche Generation war auf dem Podium nur durch den 29-jährigen Autoren Mesut Bayraktar vertreten, der zugibt, Das Kapital bei Amazon bestellt zu haben –, zeigten junge Menschen aus Venezuela und der Türkei, wie sie trotz staatlicher Restriktionen ihre kritische Arbeit fortsetzen. Zu ihnen gehört auch die anwesende venezolanische Journalistin Julieta Daza, für die aus Materialmangel und wegen Zensur nur die Möglichkeit bleibt, sich in den sozialen Netzwerken Gehör zu verschaffen.


Hier werden nach und nach die Mitschnitte der Künstlerkonferenz veröffentlicht: melodieundrhythmus.com/aktuelles/dokumentiert-kuenstler-konferenz

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