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Norbert Pietsch * Foto: Frank Pusch

Heimspiel


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Dieser Artikel ist ein Auszug aus der Printversion, das Heft kann bestellt werden unter www.irish‑shop.de.

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Banjos à la carte

Der Bremer Banjobauer Norbert Pietsch

Raritäten mit Weltruf

Groß ist die Werk­statt von Norbert Pietsch nicht, sie misst vielleicht gerade einmal 25 Quadratmeter. Und ganz aufgeräumt ist es bei ihm auch nicht. Kaum zu glauben, dass hier qualitativ hochwertige Banjos gebaut werden, die es sogar über den großen Teich bis in das Mutterland des Instruments schaffen. In den USA werden die Banjos des „verrückten Deutschen“, wie sie dort sagen, von Größen wie Eddy Davis oder Stephen di Bonaventura gespielt. Pietsch geht beim Bau ganz auf die Wünsche seiner Kunden ein. Der Sechzigjährige experimentiert aber auch mit neuen Prototypen.

Text: Jean-Oliver Groddeck

„Mich hat immer nur das Banjo interessiert“, gibt der gebürtige Hamburger ganz offen zu. Während der Schulzeit fing er an, Tenorbanjo zu spielen. Als in den Siebzigerjahren mit Truck Stop und Co eine Countrywelle über das Land schwappte, entdeckte Norbert Pietsch die Five-String-Variante für sich, die vor allem im Bluegrass eingesetzt wird. Während des Lehramtsstudiums für Englisch und Musik übte er fast täglich. Krankheitsbedingt musste er das Referendariat jedoch abbrechen. Da es für eine Musikerkarriere nicht langte, widmete er sich von nun an dem Bau seines Lieblingsinstruments, Learning by Doing war die Methode. Dann folgte eine Lehre als Gitarrenbauer. „Ich denke eher wie ein Musiker, nicht wie ein Instrumentenbauer“, erzählt Pietsch. „Als Banjospieler braucht man ein Instrument, das einem richtig in den Fingern liegt, wo das Gewicht und der Ton stimmen.“

Materialien aus den USA

Bei dem Bau seiner Banjos verwendet der Bremer nur Materialien aus den USA, denn „da sitzen die Experten“. Die hochwertigen Glockenbronzeringe, die im Korpus der Instrumente verbaut werden, stammen zum Beispiel aus Nashville und kommen qualitativ fast an die legendären Modelle von Gibson heran. Holz wie zum Beispiel das geflammte amerikanische Walnut bezieht Pietsch direkt aus Chico in Kalifornien und erklärt die besondere Charakteristik: „Weichere Hölzer tragen tiefere Töne besser, da das Holz aufgrund seiner geringeren Dichte die Saitenenergie nicht verschluck. Beim Banjo bringt das einen wärmeren Mitteltonbereich und einen runden Bass.“
Ganz elementar wichtig beim Banjobau ist natürlich auch die Frage nach dem Fell. „Was der Reifen für das Auto ist, ist das Fell für das Banjo. Aber die gesamte Einheit muss funktionieren, eben auch wie beim Auto“, erläutert der Experte, der jedes Teil passend genau verarbeitet. Und genauso wie Autos, können auch Banjos aufgemotzt werden. „Ich freue mich immer, wenn ich Kunden hier sitzen habe, die sagen, was sie spielen, wie sie spielen und was sie gerne hätten.“

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