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»Der Schlüssel zum Verständnis eines Liedes sind Gefühle und Schönheit.«
Guilhem Desq

5 Minuten mit ...


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Aktuelles Album:


Vestida De Nit
(Universal Spain, 2017)



Cover Visions


Guilhem Desq

E-Leier im cineastischen Breitwandsound

Die Szenerie erinnert an das Finale von Star Wars – Episode VII. Ein Mann in langem Kapuzenumhang schreitet über den Gipfelpfad eines Berges. Die Kamera folgt ihm im Vogelflug und schwenkt über das Sonnenaufgangsszenario einer atemberaubenden Berglandschaft. Auf dem Rücken trägt der Wanderer, nein, kein Laserschwert, sondern eine Drehleier. Eine Großaufnahme zeigt seine aufmerksamen Augen. Sie mustern einen Greifvogel, der majestätisch am Horizont vorübergleitet. Dazu erklingt eine Musik, die zunächst an das Kreischen des Vogels erinnert und dann in einen cineastischen Breitwandsound übergeht. Man fragt sich unwillkürlich, ob die Macht mit dem Gurdy-Ritter sein wird.

Text: Ulrich Joosten

Der Vater des 1989 in Toulouse geborenen jungen Musikers heißt Daniel Frouvelle und steht glücklicherweise nicht auf der dunklen Seite der Macht. Er ist Musiker und Musiklehrer am Conservatoire de Musique et de Danse du Tarn in Albi, der Hauptstadt des Départments Tarn in der südfranzösischen Region Okzitanien. Vor allem aber ist er bekannt als Luthier, als Drehleierbauer. Seinem Sohn Guilhem Desq wird dieses Instrument somit sozusagen in die Wiege gelegt. Er und seine Geschwister wachsen mit traditioneller französischer Musik auf. „Wir hatten viel Spaß, viel Musik und lernten viele interessante Leute kennen, die zu uns ins Haus kamen“, erzählt Desq. Seit er etwa sieben Jahren alt ist, bekommt der Junge Unterricht von seinem Vater, seinem großen Vorbild. Daneben beeindrucken ihn die „wenigen wirklich großartigen Spieler, die wir zu der Zeit hatten, Valentin Clastrier etwa und Gilles Chabenat“. Mit vierzehn ist für ihn die traditionelle Musik zunächst einmal passé. Desq beginnt Schlagzeug zu lernen und sich mit Heavy Metal zu beschäftigen, wird Drummer in diversen Bands. Einflüsse für den Teenager sind zu dieser Zeit eher „Schlagzeuger und Gitarristen, insbesondere Tom Morello. Ich mag es, wenn Musik starke Energie, Originalität, Überraschungen und Emotionen aufweist.“
Schaut man sich im Internet das Video zu seiner Komposition „Break Your Crank“ an, bekommt man einen Eindruck davon, wie sich diese Kombination auf seine Musik auswirkt. In seinen Händen verwandelt sich die elektroakustische Drehleier in eine explosiv groovende Höllenmaschine. Das Instrument mutiert zum Drumset mit Saiten und man fragt sich, ob Desq nicht vielleicht doch auf der dunklen Seite der Macht steht. Das Besondere ist, wie die verschiedenen Instrumententechniken kombiniert werden. Dabei hat er das „Rad“ nicht neu erfunden, sondern wendet inzwischen verbreitete Spielarten wie Shaking, Pizzicato, Tapping und Zupfen der Saiten an. „Es sind nicht meine eigenen Techniken“, sagt er bescheiden. Was seine musikalische Handschrift besonders mache, sei „die Art, wie ich die Techniken benutze, um die Musik voranzubringen. Traditionelles Spielen ist für mich ebenfalls sehr wichtig, es hilft mir, mit meinen Wurzeln in Verbindung zu bleiben.“

... mehr im Heft.