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Mittelalterlicher Weihnachtsmarkt Siegburg, abendlicher Marktabschluss * Foto: Michael A. Schmiedel

Heimspiel


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Dreißigster Mittelalterlicher Markt zur Weihnachtszeit in Siegburg

„Seyd willkommen!“ ...

... steht immer auf einem Schild am Post­straßen­eingang zum Siegburger Marktplatz, wenn der Mittel­alter­liche Markt zur Weihnachtszeit dort seine Stände, Zelte und Bühnen aufgestellt hat. Dahinter fängt eine andere Welt an: Düfte von „allereley Spezereyen“ steigen dem Besucher in die Nase, Töne von Sackpfeifen, Schalmeien und Trommeln schleichen sich durchs Ohr sofort in die Motorik, die wiederum Jongleure mit Bällen, Kegeln, Fackeln oder was ihnen sonst in die Hände geraten mag besonders beherrschen.

Text: Michael A. Schmiedel

Bewaffnet mit einer Hellebarde zieht Wolfgang Struchtrup alias Büttel Mollinarius seine Runde und sorgt für Herzenswärme und Gemütlichkeit. Man kauft sich vielleicht einen heißen Met, schaut dem Schmied bei seiner funkensprühenden Arbeit zu oder Lupus und Fin de Filou bei ihren Jonglagen oder wohnt einem Konzert der Folk- und Mittelalterbands bis Crossoveracts auf der Bühne bei, sei es von den Ungelichen, Oni Wytars, Triskilian, Krless, BraAgas oder Fabula. In seinen Anfängen dauerte der Markt nur drei bis vier Tage, später zehn bis vierzehn und seit einigen Jahren bis zu vier Wochen, in diesem Jahr beginnt er am ersten Adventswochenende und endet am 22. Dezember. So weiß es Petra Dieckmann-Veltmann zu erzählen, seit 1991 Vereinsmitglied und von Anfang an als indische Schmuckverkäuferin dabei.

Fast keinen Eintritt

Zwischen 2010 und 2013, so genau weiß sie es nicht mehr, ging der Verein in Konkurs und das Finanzamt forderte eine neue Gesellschaftsform, die als Mittelalter Marketing GmbH Gestalt annahm. Seit 2016 müssen sich die Marktbetreiber selbst finanzieren, das bekamen sie durch Umlagen der Händlereinnahmen auf die Standgebühren in den Griff. Für die Besucher blieb es im Gegensatz zu vielen anderen ähnlichen Veranstaltungen bundesweit kostenlos, den Darbietungen beizuwohnen, solange sie genug Handwerksprodukte und Spezereyen kauften. Das klappte bisher immer. Nur das Konzert im Stadtmuseum, das in jedem Advent stattfindet und bei dem man auch den Feinheiten mittelalterlicher Musik konzentrierter lauschen kann als draußen auf dem Markt, kostet Eintritt.

Über die vielen Jahre ergaben sich zahlreiche Freundschaften mit Siegburgern und Angereisten. Dieckmann-Veltmann erzählt von einem Mann, der seiner Holden einen Ring kaufen wollte, aber kein Geld hatte. Für ein Lied und einen Handstand bekam er den Ring und besucht seitdem jedes Jahr den Markt, inzwischen mit Frau und Kindern. Ein kleines Mädchen aus Siegburg war so begeistert von der Jonglage, dass sie sich von Lupus und Fin de Filou darin unterweisen ließ und nun selbst beim Fest der Spielleute, Gaukler und Vaganten, das seit einigen Jahren als Abendspektakel verbunden mit einer langen Einkaufsnacht stattfindet, sogar mit Fackeln jongliert. Nun tritt ein anderes kleineres Mädchen in ihre Fußstapfen. Aber es gibt auch Siegburger, die den „Stinkemarkt“ nicht mögen, sondern sich einen „normalen“ Weihnachtsmarkt wünschen. „Stinkemarkt“? Diekmann-Veltmann erklärt sich diesen Spitznamen daher, dass sich der Rauch der vielen offenen Feuer in der Kleidung festsetzt.

Die diesjährige Ausgabe des Mittelalterlichen Marktes zur Weihnachtszeit in Siegburg wurde laut Mitteilung der Stadt Siebgurg und der Mittelalter Marketing GmbH vom 14.10.2020 leider coronabedingt abgesagt.


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