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»Ich denke, wir müssen immer unseren eigenen Weg finden.«
Damir Imamović * Foto: Samir Cerić Kovačević

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Aktuelles Album:

Singer Of Tales
(Wrasse Records, 2020)


Cover Singer of Tales


Damir Imamović

Ein Geburtstag mit Folgen

Wer immer dann, wenn von Balkanmusik die Rede ist, an schmetternde Blechblasorchester denkt, hat etwas verpasst. In Bosnien steht die alte Tradition der sehnsuchtsvollen Sevdalinka oder Sevdah-Musik in frischer Blüte und zeigt eine andere Seite des Balkans. Einer ihrer aktuellen Stars ist der 41-jährige Sänger Damir Imamović aus Sarajevo.

Text: Guido Diesing

Er hätte es sich leicht machen können. Blickt man auf seine Familiengeschichte, ist es wenig überraschend, dass Damir Imamović heute ein erfolgreicher Sänger ist. Sein Großvater Zaim gehörte zu den bekanntesten Sevdalinka-Interpreten seiner Zeit, auch sein Vater war Musiker. Doch gerade deswegen wollte Damir eigentlich andere Wege gehen. „Es ist schon komisch. Inzwischen habe ich auch noch herausgefunden, dass die Schwester meines Großvaters eine der wichtigsten Sevdah-Sängerinnen vor dem Zweiten Weltkrieg war. Er selbst war ein großer Radiostar. Dann mein Vater. Mein älterer Bruder ist auch Musiker, und ich habe Gitarre gelernt. Irgendwann war mir das alles zu viel, wenn jeder erwartet, dass du in seine Fußstapfen trittst. Ich habe andere Dinge gemacht, Philosophie studiert und mich dabei in die deutsche Sprache und deutsche Philosophen verliebt. Erst als ich schon 26 oder 27 war, ist mir klar geworden, wie schön diese Musik ist und dass ich wirklich etwas darin zu sagen habe. Dieses Genre hat so viel zu bieten, eine monumentale Geschichte und Tradition.“

Diese Tradition ist bis ins fünfzehnte Jahrhundert zurückzuverfolgen und besteht aus ursprünglich unbegleitet gesungenen Liedern, in deren ornamentierten Melodien orientalische und sephardische Einflüsse deutliche Spuren hinterlassen haben. Sevdalinka gilt wegen ihrer melancholischen Grundstimmung und ihrer schwermütigen Texte über unerfüllte Liebe als der Blues des Balkans und wird häufig mit dem portugiesischen Fado verglichen.

Damir Imamovićs gefühlvoll sanfte Stimme passt bestens zu den alten Liedern, doch er belässt es nicht dabei, Traditionen zu reproduzieren, sondern sucht nach neuen Ausdrucksformen. „Ich denke, wir müssen immer unseren eigenen Weg finden. Natürlich bin ich kritisiert worden, weil man von mir erwartet hat, einfach fortzusetzen, was mein Großvater gemacht hat, aber das war nie mein Ziel. Es wäre zu einfach und auch abgedroschen gewesen.“ Zunächst arbeitete er im Trio, später solo, bevor er 2012 die Band Sevdah Takht gründete, die mit Gitarre/Tambur, E-Bass, Geige und Percussion moderne Töne anschlug und ein neu erwachtes Sevdah-Interesse auch der jüngeren Generation befeuerte. „Ich bin glücklich, dass ich mit meinem Ansatz Erfolg hatte und in den letzten vierzehn oder fünfzehn Jahren dazu beitragen konnte, mit vielen anderen Musikern ein Revival dieser Musik zu beginnen.“ Dass dabei die Übergänge zwischen Tradition und Moderne verschwimmen, ist ganz in Imamovićs Sinn. „Es ist ein großes Kompliment, wenn selbst Bosnier nicht sagen können, welche Songs von mir sind und bei welchen es sich um Klassiker handelt, die ich überarbeitet und neu arrangiert habe.“

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