Folker-Logo   Abo   Mediadaten/Anzeigen


Suche
   Intern   Über uns


Kontakt/Impressum/Datenschutz

       
Altin Gün * Foto: Katrin Wilke

Ortstermin


Weitere Artikel aus der Rubrik Ortstermin in dieser Ausgabe:

Shkoon

Kayhan Kalhor & Behnam Samani

Katiju





[Zurück zur Übersicht]



Dieser Artikel ist ein Auszug aus der Printversion, das Heft kann bestellt werden unter www.irish‑shop.de.

Oder gleich zum (Schnupper-)Abo.








Altin Gün

Gastarbeitersongs revisited

Astra Kulturhaus, Berlin, 5.2.2020



Text: Katrin Wilke

Das hat schon was, in nächster Nähe zu Kreuzberg, dem türkischen „Epizentrum“ Berlins, ein Konzert zu erleben, das traditionelle anatolische Folk- sowie Rockmusik der Sechziger und Siebziger in heutiger, irgendwie aber auch Retromanier abfeiert. Die mitsingfreudigen Kinder und Enkel der einst vor allem aus Anatolien hier gelandeten sogenannten Gastarbeiter waren daher auch zuhauf im ausverkauften Riesenclub an jenem regnerischen Abend anwesend. Sonnenstrahlend dagegen der Name der Psych-Folk-Rockband („Goldener Tag“), die sich vor gerade mal drei Jahren nicht etwa in Istanbul, sondern in Amsterdam auf Initiative des holländischen Bassisten Jasper Verhulst formierte.
Gut einheizen und auf den Hauptact einstimmen konnte zunächst schon die Berliner DJ Ipek, die vom Publikum mit Dankesapplaus entlassen wurde. Und prompt betrat das in jeder, vor allem musikalischer Hinsicht punktgenaue Sextett die Bühne: Außer dem eher im unauffälligen Bühnendunkel agierenden Bandleader seine zwei souveränen Landsleute Daniel Smienk an Drums und Gino Groeneveld an Percussion sowie Ben Rider, ein britischer Gitarrist, der musikalisch und bewegungstechnisch zu den lebendigeren Bühnenakteuren gehörte. Zusammen mit der Tasten und Kleinpercussion betätigenden Leadsängerin und einzigen geborenen Türkin Merve Daşdemir, die von Outfit und Tanzbewegungen her an ihre psychedelischen Vorfahren in aller Welt erinnerte. Viele solcher alten Aufnahmen von stoischen, melancholisch dreinblickenden Hippiesängern muss auch Erdinc Yildiz Ecevit, der zweite Sänger gesehen haben, scheint er doch mit seiner Langhaarfrisur jenen Zeiten entstiegen zu sein. Viel bemerkenswerter aber ist, dass er sowohl den orientalisch schmachtvollen, melismenreichen Gesang wie auch das Spiel von Elektrosaz und Keyboards meisterhaft beherrscht.

... mehr im Heft.