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»Wir wollten mit Musik zu tun haben, bei der es um wirkliche Leidenschaft, Atmosphäre und Grooves ging.«
Peter Gabriel * Foto: Arnold Newman

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Aktuelle Veröffentlichung:


Diverse, Worldwide – 30 Years of Real World Music
(Real World Records, 2019)




„Wir können uns glücklich schätzen“

Dreißig Jahre Real World Records

Es gibt sicher kein anderes Label auf der Welt, das so sehr für den Begriff der Weltmusik steht wie Real World Records. Ins Leben gerufen wurde die Firma, die mit Künstlern wie Papa Wemba, Nusrat Fateh Ali Khan, dem Afro Celt Sound System oder The Gloaming extrem wichtige Karrieren befördert hat, vor dreißig Jahren von dem ehemaligen Genesis-Sänger Peter Gabriel.

Text: Rolf Thomas

Mitte der Siebzigerjahre verließ Peter Gabriel Genesis, damals eine enorm wichtige und erfolgreiche Prog-Rock-Band, um sich zunächst seiner Solokarriere zu widmen. Zu der Zeit gab es an dem Gymnasium, das ich besuchte, kaum ein wichtigeres Thema unter den Oberstufenschülern und ich erinnere mich noch sehr genau, mit welch heiligem Ernst die vokalen Qualitäten seines Nachfolgers Phil Collins am Genesis-Mikrofon einer Analyse unterzogen wurden.
Gabriels Solokarriere war dann so erfolgreich, dass der Musiker Ende der Achtziger beschloss – nachdem er bereits 1980 gemeinsam mit anderen das Festival World of Music Arts and Dance, kurz WOMAD, gegründet hatte –, ein Label ins Leben zu rufen, das zu Beginn durchaus mäzenatischen Charakter hatte. „Wir wussten nur, dass wir mit Musik zu tun haben wollten, bei der es um wirkliche Leidenschaft, Atmosphäre und Grooves ging“, erinnert sich Peter Gabriel. „Musik, die die berührt, die offen genug sind, ihr gerne zuzuhören.“
Gleich zu Anfang sorgten Interpreten wie der pakistanische Qawwali-Sänger Nusrat Fateh Ali Khan und der Kongolese Papa Wemba für weltweite Erfolge – und das zumindest im Fall Khans mit einer Musik, die sich nicht im mindesten den Klangvorstellungen westlicher Popmusik angepasst hatte. Der „Mustt-Mustt“-Remix von Bristols Trip-Hop-Band Massive Attack war aber sicherlich hilfreich, genau wie die Inklusion von Songs Khans in den Soundtrack des Skandalfilms Natural Born Killers von Oliver Stone, gegen den der Sänger sich wegen der Untermalung einer Vergewaltigungsszene später erfolglos wehrte. Papa Wemba dagegen war zuvor lediglich in seiner Heimat populär und seine Hinwendung zu mehr poporientierter Musik ging einher mit seinen Produktionen für Real World Records. Zusammen mit Künstlern wie Youssou N’Dour – ebenfalls beim Label –, Ofra Haza und Mory Kanté sorgte er dafür, dass sich der Begriff „World Music“ international durchsetzte.

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