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»Ich will niemanden agitieren, aber in den Herzen und Köpfen etwas bewegen.«
Andi Valandi * Foto: Mysticpizzajoe78

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Aktuelles Album:


Der Blues ist tot
(Eigenverlag, 2018)



Cover Der Blues ist tot



Schön machen

Krautblues mit Andi Valandi & Band

Ein räudiger Sound, der sich am Blues orientiert. Pfiffige Songtexte in deutscher Sprache, die Haltung zeigen. Nicht nur zu Hause in Dresden, auch überregional sorgen Andi Valandi & Band reichlich für Furore mit ihrem Krautblues, wie sie ihre Stilkreation selbst bezeichnen.

Text: Bernd Gürtler

Nein, versichert Andi Valandi, bloß weil Schlagzeugerin Selin Wutzler im Umfeld der Dresdner Kunstgalerie Hole of Fame verzeichnet wird, sind sie noch kein Kunstprojekt. Auch kein Klassikensemble auf Abwegen, obwohl Keyboarder Frank Dresig ansonsten beim Improvisationskollektiv Neue Dresdner Kammermusik in die Tasten greift. Die perfekte Symbiose verschiedener Mehrfachbegabungen, das sind sie schon eher. Und ein ziemlicher Aufreger ihr Krautblues, der direkt an Andi Valandis Zeit als Straßenmusikant anknüpft, aber eben nicht einfach deshalb so heißt, wie er heißt, weil ein möglichst griffiges Stiletikett maximale Aufmerksamkeit erzielen sollte. Der Blues stand tatsächlich Pate, versichert Andi Valandi. Eine Inspiration sei nicht nur die Musik gewesen, sondern auch „der Lifestyle, sofern das kein zu modernes Wort für eine so alte Musik sein sollte. Das Lebensgefühl jedenfalls sprach mich genauso an.“ Er weiß sogar noch, wie er zum Blues gefunden hat. „Aus der Schule kannte ich HipHop. Das hörten die Typen, die die coolen Mädels abkriegten. Damals dachte ich, das sei die Musik überhaupt. Bis ich AC/DC entdeckte, durch eine Tributeband beim Elbhangfest. Dort spürte ich das erste Mal, wie Musik unter die Haut gehen kann. Später bin ich auf die Rolling Stones gestoßen, habe einiges von den Beatles gehört und darüber die schwarzen Originale entdeckt, John Lee Hooker, Muddy Waters, Buddy Guy.“
Erstmals urkundlich erwähnt wird der Blues 1903, ist also wirklich ziemlich alt und gilt heute als Steckenpferd vornehmlich älterer Männer, die im Gestern festsitzen. Andi Valandi ist Jahrgang 1990. Wie gerät ausgerechnet er an den Blues? „Vielleicht liegt bei mir ein Gendefekt vor. Es kümmert mich nicht mehr, was andere hören. Wenn ich weiß, mir gefällt das, mit mir macht das etwas, höre ich das. Nach und nach ist der Blues in meine eigene Musik eingeflossen. Mit einer meiner früheren Bands, Andi Valandi und die Jägermeister, ist das schon eine Art Straßenblues gewesen. Sehr einfach gebaut, Snaredrum, Bluesharp, ich als Gitarrist und Sänger. Ich musste nur noch die Tonart vorgeben. Neue Songs konnten wir sofort spielen, ohne aufwendiges Proben. Manchmal fühlte ich mich an die Szene aus Blues Brothers erinnert, wo John Lee Hooker auf der Straße spielt, auch wenn der Vergleich ein bisschen hoch gegriffen sein mag. Und die Bezeichnung Krautblues geht zurück auf die Mutter meiner Kinder. Sie hatte die Idee. Uns gefiel das, und dabei ist es geblieben.“

... mehr im Heft.