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Backkatalog   Ausgabe Nr. 4/2019   Internetartikel
»Folkmusik und lokale Traditionen gehören nicht ins Museum.«
Lata Donga * Foto: Sandra Jascherica

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Aktuelles Album:


Variācijas
(CPL-Music, 2019)



Cover Variacijas



Mittsommernachtsträume in Lettland

Lata Donga

Sie graben nach Schätzen in den Tiefen lettischer Folktradition. Sie sind ausgerüstet mit Kokle-Zithern, orientalischer Percussion und den schönsten Stimmen des Baltikums. Sie haben ein feines Gespür für das Weibliche und das Göttliche. Und polieren jahrtausendealte Lebensweisheiten auf Hochglanz. Mutter Aīda Rancāne, Vater Andris Kapusts und die beiden Töchter Asnate und Aurēlija Rancāne sind Lata Donga – ein Familienensemble wie aus dem Märchen. Gerade ist in Deutschland ihr neues Album Variācijas erschienen.

Text: Interview: Babette Michel

Auf einem der Fotos im Booklet schaut ihr sehr konzentriert in eine Richtung. Was seht ihr?

Den Sonnenaufgang am Horizont. Die Sonne ist in Lettland das Zentrum der Lebensweisheit. Wir folgen ihrem Licht ein Leben lang. Und wir singen zu ihr.

Ihr habt euch am Meer fotografieren lassen.

In der Mythologie ist das Meer der Ort, an dem die Welt geboren wurde. Wahrscheinlich hat uns das Unterbewusstsein dorthin gelenkt. Mit Lata Donga wollen wir ja auch eine neue musikalische Welt schaffen.

Was bedeutet Lata Donga?

Der Bandname besteht aus Wörtern zweier uralter indoeuropäischer Sprachen: aus dem Sanskrit und aus dem Lettgallischen. Wir kommen aus der historischen Landschaft Lettgallen im Osten Lettlands. Lata bezeichnet im Sanskrit eine rankende Pflanze, eine Blume. Gleichzeitig steht es für ein Mädchen, das so rank und schlank wie ein Zweig ist. Auch der weibliche Teil im tantrischen Kult heißt Lata. Donga ist im Lettgallischen das Wort für eine Stelle im Raum, wo sich die Geister und Götter aufhalten. In Lata Donga verbinden wir nun beide Bedeutungen – das Weibliche und das Sakrale.

Wie lasst ihr diese spirituellen Aspekte und das Spiel mit den weiblichen und männlichen Kräften in die Musik einfließen?

Diese Kräfte treffen in den Liedern und Ritualen aufeinander, die es bei den über die Jahreszeiten verteilten Festen gibt: Sommersonnenwende, Ostern, Tagundnachtgleiche im Frühjahr, Weihnachten, Wintersonnenwende, Familienfeste, Hochzeiten, Taufen, Beerdigungen. Und diese Lieder singen wir.

Ihr seid ein Familienunternehmen. Welche musikalischen Hintergründe habt ihr vier?

Andris hat an einer der besten Musikschulen Lettlands studiert. In seiner Jugend war er begeistert von östlicher Philosophie – bis er entdeckte, dass die Volkslieder und die Lebensweise der Menschen in Lettland die gleiche Weisheit enthalten. Viele Jahre hat er für eine Regierungsorganisation die Aktivitäten von Folkbands in Lettland koordiniert. Vor mehr als dreißig Jahren gründete er mit seiner Frau Aīda die Folkband Grodi, deren Leiter er bis heute ist. Aīda wurde in einem entlegenen lettgallischen Dorf geboren und hat die Tradition dieser Gegend im Blut. In der Musikschule lernte sie Akkordeon und beschäftigte sich autodidaktisch mit dem Spiel auf der Geige. Sie hat viele Bücher über traditionelle Kultur geschrieben und das Soloalbum Rudzubalss veröffentlicht. Aurēlija studiert visuelle Kommunikation an der Lettischen Kunstakademie. In ihrer Freizeit singt sie in verschiedenen Folkmusikprojekten. Das Geigenspiel hat sie in der Musikschule gelernt, beim Singen hingegen hat sie sich von traditionellen Sängerinnen und Sängern inspirieren lassen. Asnate ist Musikethnologin, traditionelle Musikerin und hat auch Chorleitung studiert. Sie leitet das Folkmusikstudio Garataka und das Ethnoensemble Tautumeitas. Sie hat als Geigerin ihren eigenen Stil entwickelt.

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