Folker-Logo Probeabo & Abo     Mediadaten/Anzeigen


Suche
    Intern     Über uns


Kontakt/Impressum/Datenschutz

       
Backkatalog   Ausgabe Nr. 3/2018   Internetartikel


Nachspiel

oder Beinahe das Letzte

 

SCHAFFENSKRISEN (UND WIE MAN SIE ELEGANT KURIERT)

Zu sehen sind ein Gitarrist und ein Cellist, die Straßenmusik am Fuß einer breiten Freitreppe machen. Links sieht man eine Lyra spielende Skulptur und darunter in Stein gemeißelt den Spruch „VITA BREVIS – ARS LONGA“. Über die Freitreppe entfernt sich eine Gestalt mit hängendem Kopf und einer Schallplatte unterm Arm.


„Was wollte denn der?“
„Dass ich ihm meine allererste Platte signiere.“
„Und? Hast du?“
„Natürlich nicht. Die klingt so beschissen, dass ich mich heute noch dafür schäme. Schon der Titel ,Der Sänger in Socken’ – hochnotpeinlich.“
„Einem echten Fan ist das egal. Du hättest ihm sicher eine Freude gemacht.“
„Als Künstler hat man ja aber doch ein Gewissen.“
„Das versteht der nicht. Für ihn bist du der Größte. Und jetzt ist er durcheinander, der Ärmste. War der von hier?“
„Nach’m Dialekt von der Küste. Nordostpreuße, würd’ ich sagen.“
„Na toll. Reist dir meilenweit hinterher – nur, um sich eine Abfuhr zu holen.“
„Hat er sich eben den Falschen ausgesucht. Fanpech. Mir geht’s wie Woody Allen: Ich mag keine Leute, die auf Typen wie mich stehen. Mit denen spaßen ist wie Tennis gegen die Wand spielen.“