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Backkatalog   Ausgabe Nr. 3/2018   Internetartikel
»Vom albanischen Kinderstar wurde ich über Nacht zur armen kleinen Albanerin.«
Elina Duni * Foto: Blerta Kambo

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Dieser Artikel ist ein Auszug aus der Printversion, das Heft kann bestellt werden unter www.irish‑shop.de.

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Auswahldiskografie:


Partir
(ECM, 2018)

Dallëndyshe
(Elina Duni Quartet; ECM, 2015)

Muza E Zeze
(Eigenverlag, 2014)

Lume Lume
(Elina Duni Quartet; Meta Records, 2010)


Buchtipp:
Bessa Myftiu, An verschwundenen Orten
(DTV, 2012)



Cover Partir


Elina Duni

Brücken von Albanien aus in die Schweiz und die Welt

Die in Tirana geborene Sängerin ist ein Glücksfall für die Schweiz. Mit ihrer herausragenden Stimme, die mühelos Volksmusik und Jazz verbindet, weckt sie Interesse und Verständnis für eine Kultur, die in ihrer Wahlheimat meist mit Nichtbeachtung und Ablehnung bestraft wird. Elina Duni bringt nicht nur den Schweizern und der Welt die Musik Albaniens näher, sie zeigt auch Albanern und Kosovaren ihre Volkslieder in neuem Kleid. Mit Partir („Aufbrechen“) geht sie einen Schritt weiter. Im aktuellen Soloprogramm und auf dem gleichnamigen Album singt und erzählt sie in neun Sprachen über Migration, Verlust, Liebe und Freiheit. Dafür verlieh ihr das Schweizer Bundesamt für Kultur den Musikpreis 2017.

Text: Martin Steiner

Dunkel getönte kleine Fenster in allen Farben, Plüschsofas, Ebenholztische, Nippes. Haben sich die Augen an diesem vielleicht einzigen sonnigen Januartag einmal an das dunkle Licht gewöhnt, fühlt man sich wohl in der Herzbaracke. Das Servicepersonal mit Rüschenröcken und die blau beleuchtete Bühne hinter roten Samtvorhängen sorgen dafür, dass sich das Publikum in die Goldenen Zwanzigerjahre zurückversetzt fühlt. Das Theater ist eigentlich ein Schiff, das vor dem Zürcher Bellevue-Areal von November bis März vor Anker liegt. Danach schwimmt die Herzbaracke den Zürichsee hinunter nach Rapperswil, Stäfa und Thalwil. Federico Fellini hätte seine Freude gehabt.
Federico Emanuel Pfaffen, Gründer, Mastermind und Intendant der Lokalität, bedient seit Jahrzehnten mit Enthusiasmus das Ambiente der Bühne. Sie ist der ideale Ort für einen Nachmittag mit Lyrik und Musik aus Albanien, das lange Jahre Welten von Europa entfernt schien und nun daran ist, im Jetzt Tritt zu fassen. „Herz im Aquarium“ nennt sich die Veranstaltung. Den musikalischen Part übernimmt Elina Duni, Albanerin und Wahlzürcherin. Erst erklingt ihr warmer Mezzosopran, dann steht sie plötzlich da, barfuß im Abendkleid in den albanischen Farben rot und schwarz. Das nichtalbanische Publikum versteht kein Wort und klebt doch an ihren Lippen. Fremd und zugleich nah fühlen sich die Lieder an, schwer und gefühlsstark. Wenn die Sängerin ihre Gitarre zur Hand nimmt und darauf feine, perkussive Töne erzeugt, ist es, als würde sie mit ihrem Gesang, der mühelos vom Volkslied ins Experimentelle wechselt, um die halbe Welt fliegen. Das passt zu einer Frau, die mit ihrer Musik Brücken baut und an vielen Orten zu Hause ist.
Elina Duni kam 1981 im kommunistischen Albanien auf die Welt. Ihre Eltern waren Kunstschaffende – der Vater Theater- und Filmregisseur, die Mutter Schriftstellerin. „Das war eine ganz andere Welt“, erinnert sich die Sängerin. „Ich wuchs in Tirana auf. Da gab es noch fast keine Autos. Wir lebten mitten in der Stadt wie auf dem Land und spielten in den Straßen. Ich fühlte mich frei als Kind. Es war mir unwichtig, dass wir alle die gleichen Kleider trugen, und es war mir kaum bewusst, dass wir in einem abgeschlossenen Land lebten.“ Daneben lernte Elina Duni Geige spielen und trat als Kindersängerin im Radio, Fernsehen und Zirkus auf. Kunst hatte im Albanien Enver Hoxhas dogmatischen Stellenwert, sie sollte ein positives Menschenbild vermitteln.

... mehr im Heft.