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»Die Musik ist meine Seele und sie hat mir mein Leben gerettet.«
Sue Sheehan

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Dieser Artikel ist ein Auszug aus der Printversion, das Heft kann bestellt werden unter www.irish‑shop.de.

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Aktuelles Album:


Time’s Ticking
(Liekedeler, 2016)



Cover Time's Ticking


Künstler müssen neugierig sein

Sue Sheehan

Von Illinois nach Coppenbrügge

Mal abgesehen von Zeiten orangefarbener Egomanen, die meinen, sie könnten Länder wie eine Realityshow führen, ist es bislang immer so gewesen, dass die USA das gelobte Einwanderungsland waren, auch für Menschen aus Deutschland. Umgekehrt passiert das seltener, aber es passiert. Da entwickelt eine junge Frau ein Interesse an diesem seltsamen Land der Dichter und Henker, kommt rüber – und bleibt! Nicht nur das, sie bereichert auch die kulturelle deutsche Landschaft mit ihrer Kreativität.      

Text: Mike Kamp

Sue Sheehan war es wohl nicht an der Wiege in Peoria, Illinois, gesungen, dass sie die Vereinigten Staaten einmal verlassen würde. Oder vielleicht doch, denn ihre irisch-katholische Familie zog so oft um, dass die Musikerin und Fotografin etwas den Überblick verloren hat und es bei „mindestens achtmal“ belässt. Sie ist einfach anders. Während andere Mädchen bei der Wahl eines Musikinstruments in der Schule vielleicht eher zu Blockflöte oder Geige greifen, konzentrierte sich die kleine Sue ab der vierten Klasse auf die Trompete.
Nach der Uni in Boston und ein paar Jahren in kreativen Jobs ging es ab nach Europa mit dem Fahrrad. Das Reisejahr endete in Deutschland. Warum ausgerechnet hier? In Italien leben heißblütige Casanovas, in Frankreich weiß man das Leben zu genießen, aber Deutschland ist doch langweilig. „Nein, überhaupt nicht“, protestiert Sue Sheehan. „Ich habe viele Bücher gelesen, denn ich wollte wissen, was für ein Land das ist. Und stellte fest, doch, diese Menschen, ihre Geschichte und Kultur will ich kennenlernen. In Frankreich war ich gewesen und, na ja, da ist es mit Englisch fast unmöglich weiterzukommen und mit schlechtem Französisch sehr schwer. Als ich durch Deutschland geradelt bin und nur gesagt habe ‚Ein Bier bitte.‘, hieß es gleich: ‚Sie können aber gut Deutsch!‘ Das ermutigt und motiviert einen dazu, weiterzulernen.“
Wir müssen aber noch mal den Atlantik überqueren, denn den Folkvirus hatte sich Sue Sheehan bereits in den USA eingefangen. In den frühen Achtzigern gab es in Boston eine ziemlich rege Dulcimerszene und sie lernte das Instrument aus einem ziemlich einleuchtenden Grund: Sie wollte singen „und das ist schwer, wenn man Trompete spielt“. Eigentlich wäre dann doch die Gitarre das ideale Instrument gewesen, aber Gitarre und Sue Sheehan waren damals nicht so richtig kompatibel. Doch auch der Dulcimer hatte seine Tücken, denn als diatonisches Instrument muss er ewig umgestimmt werden, und das frustriert. „Jemand hat mir dann mal eine Bouzouki geliehen“, erzählt sie, „und die hat mich sofort begeistert. Mittlerweile ist die Bouzouki mein Hauptinstrument, wenn ich solo spiele.“ Und sie hat auch ihren Frieden mit der Gitarre geschlossen, denn sie besitzt eine sehr gute Gitarrenbouzouki, zu sehen im Booklet ihres Soloalbums Time’s Ticking.
Da sitzt nun der bekennende Joni-Mitchell-Fan Sheehan in Niedersachsen auf dem Land und ist mit ihrer Kreativität ziemlich isoliert. Was tun? „Die Musik ist meine Seele und sie hat mir mein Leben gerettet, das ist mir klar geworden. Ich habe zwei Kinder, und die waren wie Kinder nun mal sind, mal krank, mal gesund, mal schwierig, mal nicht, das ganze Programm. Das hält dich zu Hause auf Trab. Aber da gab es diesen Folkclub am Ith, der war nicht weit weg. Da habe ich Michael Möllers kennengelernt, und das war der Anfang von Emerald. Dann gab es im nahen Hannover die Musikkneipe Notenkiste, wo ich Mic Hale und Silke Krappel getroffen habe. Denen schwebte eine englischorientierte Tanzband vor, und zwar mit Schwerpunkt Blech. Die wollten mich mit meinem Flügelhorn und meiner Trompete dabeihaben und das ergab dann die Brassberries. Das alles hat sich eigentlich ganz organisch entwickelt.“

... mehr im Heft.