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»Es fühlt sich an, als seien da viele musikalische Schatztruhen um uns herum, die wir unbedingt öffnen müssen.«
Alma * Foto: Daliah Spiegel

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Dieser Artikel ist ein Auszug aus der Printversion, das Heft kann bestellt werden unter www.irish‑shop.de.

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www.almamusik.at



Diskografie:


Oeo
(Col Legno, 2017)

Transalpin
(Col Legno, 2015)

Nativa
(Col Legno, 2013)



Cover Oeo


Die neue Innigkeit

Alma

Reise zur Seele einer weltoffenen alpinen Volksmusik

Sie ist ganz schön in Bewegung, die Volksmusik der Alpenländer. Wobei hier nicht die Rede ist von der Neuen Volksmusik, die seit den Neunzigern eher plakativ und oft auch mit großer Lautstärke in Erscheinung getreten ist. Seit einigen Jahren gibt es vielmehr eine Tendenz, die ins Introspektive zielt, sich gerne auch mal mit der Klassik verbrüdert, die Seele des Alpinen auf diese Weise neu herausarbeitet und sich bei alledem trotzdem für die weite Welt öffnet. In Österreich wirkt das Quintett Alma da ganz weit vorne mit und wird nach seiner Teilnahme am Hauptkonzert 2014 in diesem Jahr zum zweiten Mal beim Festival Folk Baltica auftreten.

Text: Stefan Franzen

Als ob das Wetter ein Sinnbild für dieses Treffen gestiftet hätte. Während Julia Lacherstorfer, Marie-Theres Stickler und Matteo Haitzmann sich zum Interview an einer stillen Ecke der Rudolstädter Heidecksburg niederlassen, kommt mitten in der Sommerhitze eine fast ungestüme Brise auf und pustet das Plateau des Burgfelsens mächtig durch. Genau dafür steht ihre Band Alma, für einen frischen Wind, der Einflüsse von überall her in die zeitgenössische alpine Volksmusik hineinweht. Dafür wird das Rudolstadt-Festival sie am Abend mit einer Ruth ehren. Doch zuvor nehmen sich die drei Musiker des Quintetts noch ausgedehnt Zeit, um über die Hintergründe des ganz speziellen Alma-Sounds zu sprechen, immer wieder begleitet vom kräftigen Rauschen der Blätter in den Bäumen über ihnen.
Gemeinsam schauen wir das minzgrüne Cover ihres neuen, dritten Albums Oeo an, auf dem schemenhaft eine metallisch anmutende Scheibe schimmert – das ist eher Science Fiction als Volksmusik. „Man kann einen Kreis sehen, eine Kugel, einen Planeten, ein Ei“, sagt Harmonikaspielerin Marie Theres-Stickler, „und genau diese Freiheit der Interpretation wollen wir.“ „Ich finde es schön, dass es nicht etwas Lineares ist“, ergänzt Geigerin Julia Lacherstorfer. „Denn wir greifen ja etwas auf und machen etwas Neues draus. Es ist eine Rück- und Vorschau zugleich, ohne die Ablehnung des Früheren. Das Wort ‚Oeo‘ kann man ja auch in beide Richtungen lesen. Für uns ist es das Morphen eines traditionellen Lautes hinein in eine Klangwelt, die nicht mehr nur traditionell ist – inspiriert vom Jodeln, aber auch vom Vocoder.“
Und weil das gerade so spannend ist, bleiben wir noch ein bisschen bei der Namenskunde. Wer den Namen Alma im Zusammenhang mit Österreich hört, kann gar nicht anders, als Alma Mahler-Werfel zu assoziieren. Sie war eine der charakterstärksten weiblichen Persönlichkeiten in Kunst und Musik des zwanzigsten Jahrhunderts und stand als Komponistin und Gattin von Gustav Mahler, Franz Werfel, Walter Gropius immer im Brennpunkt des Musik- und Kunstgeschehens. Auch beim Quintett Alma spielt starke Weiblichkeit mit achtzig Prozent Bandanteil eine wichtige Rolle. Doch mag die großgeschriebene Alma als Patin auch eine Rolle gespielt haben, so betonen die Musikerinnen doch immer wieder, dass alma ja auch das romanische Wort für Seele sei. Und in der Tat spielen die fünf eine Musik, die tief aus dem Innern erwächst, Seelenmusik ist. „Das kommt daher, dass unsere Arbeit in der österreichischen Volksmusik wurzelt, die erste Musik, mit der ich in Berührung gekommen bin“, sagt Lacherstorfer. „Für mich ist das wie eine innere Bibliothek, die ich abrufen kann. Wenn ich diese Verzierungen spiele, dann denke ich nicht darüber nach, sie sind das Ergebnis von dem, was ich bei vier, fünf Musikanten als Kind und Jugendliche gelernt habe.“ Und Stickler ergänzt: „Diese Musik können wir alle fünf vom Fleck weg spielen, sie war in unseren Leben bereits fix vorhanden. Als wir 2011 begannen, haben wir dadurch schon ein großes Grundrepertoire gehabt. Ich denke, deshalb ist es unsere ‚Seelenmusik‘.“

... mehr im Heft.