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Backkatalog   Ausgabe Nr. 2/2018   Internetartikel
»Kemençe und Tulum sind aus keiner aktuellen Musikproduktion wegzudenken.«
Abdullah Akat von Feluka

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Dieser Artikel ist ein Auszug aus der Printversion, das Heft kann bestellt werden unter www.irish‑shop.de.

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Auswahldiskografie:


Selçuk Balcı, Patika
(Kalan, 2011)

Resul Dindar, Divane
(Esen Müzik, 2013)

Diverse, Karadenizʼe Kalan 1-3
(Kalan, 2013, 2014, 2016)

Feluka, Okyanuslara Yolculuk
(Olimpiyat Medya Müzik, 2009)

Grup Imera, Ena
(Mert Müzik, 2014)

Karmate, Nani
(Kalan, 2009)

Koliva, Yüksek Dağlara Doğru
(Kalan, 2014)

Volkan Konak, Pedaliza
(Ezgi Müzik, 1998)

Kâzım Koyuncu, Viya!
(Beyoğlu Metropol, 2001)

Apolas Lermi, Romeika
(Anadolu, 2016)

Marsis, Zaman Geldi/Komoxtu Ora
(Kalan, 2012)

Birol Topaloğlu, Heyamo
(Kalan, 1997)


Dudelsack und Sardellenmarmelade

Unbekannte Töne vom Schwarzen Meer

Im Land der Ponten, Lasen und Co.

Wilde Rhythmen und sanfte Balladen, ein ausgewogenes Verhältnis von Vertrautem und Fremdem, eine hoch verehrte und auf tragische Weise jung verstorbene Zentralfigur, jede Menge hervorragende Instrumentalisten, Sänger und Albumproduktionen – die Musik der türkischen Schwarzmeerküste hat eigentlich alles, was ein Weltmusikgenre braucht, um international erfolgreich zu sein. Doch noch harrt sie hierzulande ihrer Entdeckung.

Text: Ines Körver

Wer sich auf Istanbuls beliebtester Einkaufsmeile, der İstiklal Caddesi, dem Trubel für kurze Zeit entziehen und dabei angenehm unterhalten sein will, flüchtet gerne in eine der dortigen Buchhandlungen. Hier herrscht meist Ruhe, schlimmstenfalls ein von Musik untermaltes geschäftiges Stöbern. Wenn dann eine wie Mephisto unweit des Taksim-Platzes auch noch über eine gut sortierte Tonträgerabteilung verfügt, bleibt der Blick unwillkürlich an Veröffentlichungen aus einer Region hängen: dem Schwarzen Meer. Das heißt auf Türkisch Karadeniz. Auf den Covers prangen mal dicht bewaldete, mal nebelverhangene oder schneebedeckte Berge von alpinem Format, Steinbrücken, Holzhäuser, sonnengegerbte Bäuerinnen in buntgemusterten Kleidern, ab und zu natürlich auch einmal die Musiker selbst, vielleicht wie sie versonnen auf einem Baumstamm sitzen. Die Bilder machen Lust auf eine Reise in die Region und neugierig auf die Musik.
Mit einem dieser Cover in der Hand und den Liedern über Kopfhörer auf den Ohren landet man schnell in einer anderen Welt. Das Verblüffende daran: Die Melodien klingen ziemlich anders als das, was sich der unbedarfte Hörer unter türkischer Volksmusik so vorstellen dürfte. Das ist eigentlich kein Wunder. Schon der Blick auf die Landkarte zeigt, dass eine geschlossene Kette von bis zu 3.932 Meter hohen Bergen weite Teile des türkischen Schwarzmeerraums vom restlichen Anatolien abriegelt. Bedenkt man zudem, wer diese Region besiedelt hat und wer sie heute noch bewohnt, dann ist klar, dass ihre Musik anders klingen muss. Viele Städte, allen voran Trabzon, sind Gründungen der Griechen, die sich bereits siebenhundert Jahre vor Christi Geburt hier niederließen. Dann sind da mit den Lasen, Mingreliern und Hamschen noch diverse kaukasische Völker. Sie leben ebenfalls seit vielen Generationen in der Region. Und all diese Bevölkerungsgruppen haben eigene Sprachen: die Griechen das Pontosgriechische, die Lasen und Mingrelier ihre südkaukasischen Sprachen, die Hamschen ein archaisches Armenisch, das vom Aussterben bedroht ist.

... mehr im Heft.Korhan Özyildiz von Marsis Resul Dindar