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»Mit der Zeit wurde mir klar, dass es früher überall auf der Welt tolle Musik gab.«
Porträt für Christoph Wagner © Robert Crumb

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Dieser Artikel ist ein Auszug aus der Printversion, das Heft kann bestellt werden unter www.irish‑shop.de.

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www.rcrumb.com



Auswahldiskografie:


Diverse, Hot Women: Women Singers From The Torrid Regions
(Kein & Aber, 2003)

Diverse, John’s Old Time Radio Show
(feat. Robert Crumb, Eden Browen, John Heneghan; East River Records, 2016)

Les Primitifs du Futur, World Musette
(Sketch, 1999; Wieder-VÖ: Fremeaux & Associes, 2013)

Jerry Zolten & Robert Crumb: Chimpinʼ The Blues
(East River Records, 2013)



Cover für Notker Homburger © Robert Crumb


Die geheime Leidenschaft des berühmten Comiczeichners

Weltmusiksammler Robert Crumb

Normalerweise kennt man ihn als Zeichner von Comics. Die verschrobenen Geschichten vom geilen Kater Fritz the Cat sowie von Mr. Natural, dem mystischen Guru mit weißem Vollbart, haben Robert Crumb weltberühmt gemacht. Was die wenigsten wissen: Crumb ist auch ein fanatischer Sammler alter Schellackplatten mit Musik aus allen Teilen der Welt.

Text: Christoph Wagner

Mehr als 6.500 Schellacks machen inzwischen seine Sammlung aus. In jeder Stadt, in die er kommt, egal in welcher Ecke des Planeten, macht er sich sogleich auf die Jagd nach alten Scheiben. Er klappert Ramschläden und Flohmärkte ab und freut sich über jede obskure Schellackplatte, die ihm in die Hände fällt. Vor ein paar Jahren durchquerte er sogar für ein paar Wochen halb Amerika mit dem Auto, nur um Antiquitätengeschäfte und Trödelläden nach alten Scheiben zu durchstöbern.
„Ich weiß nicht, vielleicht habe ich eine Art Asperger-Syndrom, eine milde Form von Autismus, aber alte Musik zog mich schon immer an“, bekennt Crumb. „Als Kind hörte ich in Zeichentrickfilmen im Fernsehen Musik aus den frühen Dreißigerjahren. Ich mochte sie, keine Ahnung warum. Als Teenager versuchte ich diese Musik auf Langspielplatten zu finden – ohne Erfolg. Dann entdeckte ich Schellackplatten, die Ende der Fünfziger überall in riesigen Mengen zu finden waren, aufgestapelt in Kramläden, in Geschäften der Heilsarmee – einfach überall. Die meisten gefielen mir nicht, bis auf zwei Scheiben mit genau der Musik, die ich suchte: Das ist sie, das ist sie! Das waren diese jazzigen Rhythmen aus den späten Zwanzigern mit Banjos. Ich war überglücklich und nur noch von einem Gedanken besessen: Ich muss mehr davon finden!“
Wie jeder Sammler ist Robert Crumb äußerst wählerisch – klassische Musik, Easy Listening oder Choraufnahmen sind seine Sache nicht; dann schon eher alter Dixieland, Blues, Hillbilly, Gospel, Cajun und Tex-Mex, kurz: die ganze Palette der Stile aus dem Süden der USA. Dazu sammelt er traditionelle Volksmusik aus allen Weltregionen. Die Musik der einfachen Leute zieht ihn in ihren Bann. Crumb horcht auf, wenn er eine frühe Schellackaufnahme mit traditioneller Musik hört. „Ich habe über die Jahre Berge von Schellacks durchforstet, Tausend und Abertausende“, erzählt er. „Ich kaufte viele auf gut Glück in der Hoffnung, das eine interessante dabei wäre. Die meisten Musiker auf den Platten kannte ich nicht. Es gab keine Bücher darüber, nirgends konnte man sich informieren. Vieles interessierte mich nicht. Doch dann entdeckte ich Musik aus Osteuropa, die in Amerika aufgenommen worden war: polnische, ukrainische, litauische und solches Zeugs. In Kalifornien stieß ich auf mexikanische Schellacks. Vereinzelt fallen einem auch griechische Platten in die Hände sowie welche aus der Karibik beziehungsweise arabische Scheiben und armenische. Mit der Zeit wurde mir klar, dass es früher überall auf der Welt tolle Musik gab.“

... mehr im Heft.