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Backkatalog   Ausgabe Nr. 1/2018   Internetartikel
»Ich war daran interessiert, wie sich die Menschen in der Nachkriegszeit gefühlt haben.«
Eric Andersen und René Böll * Foto: Meyer Originals

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Dieser Artikel ist ein Auszug aus der Printversion, das Heft kann bestellt werden unter www.irish‑shop.de.

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www.ericandersen.com



Auswahldiskografie:


The Essential Eric Andersen
(Do-CD; Sony/Legacy, VÖ: März 2018)

Silent Angel – Fire And Ashes Of Heinrich Böll
(Meyer Records, 2017)

Mingle With The Universe: The Worlds Of Lord Byron
(Meyer Records, 2017)

Shadow And Light Of Albert Camus
(Meyer Records, 2015)



Cover Silent Angel


Eric Andersen

Heinrich Böll revisited

Am 21. Dezember des vergangenen Jahres wäre Heinrich Böll hundert Jahre alt geworden. Schon Monate vorher wurde der Geburtstag des Literaturnobelpreisträgers von 1972 überall in der Republik mit zahlreichen Veranstaltungen begangen. In die lange Liste der Gratulanten reiht sich mit Eric Andersen ein Künstler ein, den man auf den ersten Blick nicht mit Böll in Verbindung bringt. Ein US-Songwriter und der große deutsche Nachkriegsschriftsteller, wie geht das zusammen? „Sehr gut“, sagt René Böll, der Nachlassverwalter seines Vaters. „Beide sind geprägt vom Einsatz für Humanität, beide sind große Künstler, und es ist ja eine freie Arbeit zu Heinrich Böll.“

Text: Michael Kleff

Musik und überhaupt jede Art von Kunst spielten schon früh eine große Rolle in Andersens Leben. Sein Vater liebte Gedichte, seine Mutter studierte neben den Aufgaben für die Familie Kunst auf dem College. Bereits als Achtjähriger besuchte der junge Eric eine Ausstellung von Van-Gogh-Gemälden. Auch abstrakte Expressionisten wie Jackson Pollock lernte er in Museen kennen. Als Jugendlicher hörte er Elvis Presley, Buddy Holly und die Everly Brothers. Auf der Highschool entdeckte Andersen seine Liebe für die Literatur. Er verschlang die Werke von Autoren wie Dostojewski, Rimbaud, Baudelaire, Jack Kerouac und Allen Ginsberg. Alle diese Erfahrungen ließen die Erkenntnis in ihm reifen, „dass es da draußen eine Welt gibt, die viel größer ist, als das, was mich in Buffalo umgab“.
1943 in Pittsburgh, Pennsylvania, geboren, wuchs er in einem Vorort von Buffalo, New York, auf. Mit achtzehn begann er, auf Güterzügen durch das Land zu reisen. „Ich wollte etwas über Musik und etwas über das Leben lernen“, sagt Eric Andersen zurückblickend. Als Zwanzigjähriger kam er nach New York, wo er 1964 nach einem Auftritt im legendären Club Gerdes Folk City einen Plattenvertrag bei Vanguard Records bekam. Ein Kritiker erkannte in seinen Songs schon damals einen „jungen Mann mit einer sehr komplexen poetischen Vision“.
Es folgte eine bewegte Musikerkarriere, von der gut dreißig Alben Zeugnis ablegen. Eigene Hits hatte Eric Andersen nie. Doch viele seiner Songs – unter anderem „Thirsty Boots“, „Violets Of Dawn“ und „Close The Door Lightly When You Go“ – wurden von Kollegen wie Johnny Cash, Bob Dylan, Judy Collins, Linda Ronstadt und den Grateful Dead aufgenommen. „Ich war kein lupenreiner Protestsänger“, sagt Andersen mit Blick auf andere Songwriter in den Jahren der Bürgerrechts- und Antivietnamkriegsbewegung. „Bis heute geht es mir darum, Geschichten zu erzählen, die von dem handeln, was in einem Menschen vor sich geht.“ 1975 zog der Musiker nach Woodstock, Mitte der Achtziger nach Norwegen, wo er Anfang der Neunziger mit Rick Danko von The Band und dem norwegischen Sänger Jonas Fjeld zwei Alben aufnahm. Heute lebt Andersen in der Nähe von Amsterdam, gemeinsam mit seiner zweiten Frau, der niederländischen Musikerin Inge Bakkenes.

... mehr im Heft.