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20 Jahre Folker

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20 Jahre Folker

Eindrücke eines einzelnen Herrn

In einem Zeitungsbericht über Sturmschäden in Norddeutschland las ich neulich, die Feuerwehr hätte Drehleiern im Einsatz gehabt. Donnerwetter, dachte ich. Wozu das denn? Waren ihnen die Sirenen ausgefallen? Aber dann sah ich meinen Fehler: Da stand „Drehleitern“. Bei diesem Freudʼschen Verleser musste ich gleich an meinen leider verstorbenen Freund und Liederjan-Mitbegründer Anselm Noffke denken. Er spielte Drehleier (aktiv) und war in seinem Dorf Feuerwehrmitglied (passiv). Bei der Drehleier oder Radleier ist der Spieler immer wieder damit beschäftigt, das Rad schön rundzuhalten, da sich die Holzoberfläche je nach Luftfeuchtigkeit verändern kann. Die Leier darf leiern, aber nicht eiern.
Und so ist es dann auch in der (Folk-)Musikszene. Das Rad wird zwar nicht ständig neu erfunden, auch wenn einige Aktive sich in der Erfinderrolle sehen, aber es wird geschmirgelt und geschliffen, in der Hoffnung, dass die Sache dadurch schön rund wird, was aber nicht immer gelingt. Und davon berichtet die Fachpresse, und somit sind wir endlich beim Folker. Aber das Berichten ist bekanntlich nicht so einfach. Vom Michel zum Folker war es auf den ersten Blick ein Quantensprung. Wie von der Bäckerblume zum Stern. Schöne Bilder in Hochglanz. Aber die grundsätzliche journalistische Herausforderung war vermutlich dieselbe. Erwarten die Leserinnen und Leser nun eine persönliche Stellungnahme der Schreiber oder eine neutrale Berichterstattung, sofern es die überhaupt gibt?

Euer Jörg Ermisch
Liederjan



Musik zwischen den Welten

Meine erste Begegnung mit Musik war Anfang der Siebzigerjahre. Ich war elf, zwölf Jahre alt und entdeckte das Radio mit seinen Möglichkeiten. Die waren begrenzt, denn ich wurde in Dresden geboren, wo es de facto keinen Westempfang gab. Hören konnte ich anfangs nur die vier Sender der DDR. Die hatte sich kulturpolitisch gerade mal wieder etwas gelockert, das von der SED Mitte der Sechzigerjahre verhängte „Beat-Verbot“ aufgehoben. Auf einmal erklang Beat- und Rockmusik im Staatsfunk! Unerhört. Und weil es nach den Jahren der Verbote zu wenige professionelle Bands gab, um damit eine eigene Hitparade zu füllen, wurden Musiker aus anderen Ostblockländern nach Ostberlin geladen, um dort ihre ungarischen, tschechischen oder polnischen Lieder in deutschen Nachdichtungen neu einzuspielen.
Eine dieser Bands war das polnische Ensemble Anawa. Dessen Sänger Marek Grechuta, ein in seinem Land auch heute noch innig verehrter Künstler, war damals wohl der erste Interpret einer anderen Kultur, den ich bewusst wahrgenommen habe. Seine Musik baute auf Elementen aus Folk, Rock, Jazz und Klassik auf, in seinen Texten beschwor er den Wert des Individuellen. In „Der Seiltänzer“ sang er: „Du gehst den eignen schmalen Weg, / Und du erkennst ihn an als deinen. / In einer Welle, in einer Linie, / Gehst du den eignen schmalen Weg …“

Andreas Grosse
Musik zwischen den Welten

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Jörg Ermisch * Foto: Hinrik Schmook Andreas Grosse * Foto: Joseph L. Hanneforth