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Backkatalog   Ausgabe Nr. 6/2017   Internetartikel
»Unsere Maxime ist es heute, nicht eine Platte zu produzieren, die reiner Jazz oder reine Volksmusik ist.«
Franui mit Andreas Schett, vorne rechts * Foto: Julia Stix

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Dieser Artikel ist ein Auszug aus der Printversion, das Heft kann bestellt werden unter www.irish‑shop.de.

Oder gleich zum (Probe-)Abo.




www.col-legno.com



Auswahldiskografie:


Alma, Oeo
(2017)

Catch-Pop String-Strong, II
(2014)

Federspiel, Smaragd
(2016)

Franui, Schubertlieder – Brahms Volkslieder – Mahlerlieder
(3-CD-Box; 2012)

Peter Herbert, Joni
(2011)

Iris Electrum, Iris Electrum
(2017)

Musikkapelle Innervillgraten, Nachklänge
(2015)

Neue Wiener Concert Schrammeln, Zwanzig
(2015)

Quadrat:sch Stubenmusic
(2012)

Daniel Schnyder, Worlds Beyond Faust
(2009)

Sferraina, Monkeyfish
(2016)



Logo Flowfish Records



Labelporträt (77)

Col Legno

Eine Heimat für das Dazwischen

Unverwechselbar sind sie schon auf den ersten Blick, die zweifarbig gehaltenen Cover des Labels Col Legno. Sehr heterogen dagegen ist der Katalog. Er beherbergt zeitgenössische Volksmusik wie Alma, Federspiel oder Franui, parallel dazu Indiepop und Avantgarde. Labelchef Andreas Schett, zugleich Kopf der Musikbanda Franui aus dem Osttiroler Innervillgraten, gibt Einblicke in die über dreißigjährige Geschichte des Wiener Verlags.

Text: Stefan Franzen

Wer ein Streichinstrument spielt, kennt die Spielanweisung „col legno“. Sie bezeichnet das Schlagen mit dem Bogenholz auf die Saiten, um einen besonderen perkussiven Effekt zu erzeugen. Eine Technik, die einstmals revolutionär war, etwa in Hector Berlioz’ Symphonie Fantastique von 1830. Das Gewagte, das Avantgardistische prägte auch am Anfang das Programm dieses österreichischen Verlags, der inzwischen auf die vierzig Jahre zugeht. Gegründet wird er in Deutschland als Tonträgerheimstatt für die Werke jener Komponisten, die ihre Uraufführungen bei den Festivals für Neue Musik in Darmstadt und Donaueschingen präsentieren. Das Design ist uneinheitlich, das Zielpublikum sind die Hörer von Karlheinz Stockhausen, John Cage und Co. Eine zu spezialisierte Herangehensweise, wie sich Anfang der Nullerjahre herausstellt, denn das Label steht nach großen Verdiensten auf diesem Musiksektor kurz vor dem Aus. Und so gibt es bei Col Legno eine lange Vorgeschichte und ein neues, zweites Leben. Auftritt Andreas Schett.
Auf Empfehlung eines Komponisten tritt vor circa zehn Jahren ein musikbegeisterter Finanzier aus Wien auf den Plan, der sein Geld in einen Relaunch des Labels steckt. Er holt den Osttiroler Musiker Andreas Schett ins Boot, der sich nicht nur mit außergewöhnlichen Klängen auskennt, sondern auch ein Gestaltungsbüro namens Circus betreibt und den Verlag in jeder Hinsicht umkrempelt. „Wie etwa auch bei Suhrkamp sollte eine Ästhetik mit hohem Wiedererkennungswert geschaffen werden, dazu zählte eine klare Codierung der Covers in zwei Farben“, so Schett. „Und zugleich gab es eine programmatische Öffnung der Stile. Unsere Maxime ist es heute, nicht eine Platte zu produzieren, die reiner Jazz oder reine Volksmusik ist oder die das fortschreibt, was einst Stockhausen oder Luigi Nono gemacht haben. Was mich vielmehr interessiert, ist das Dazwischen.“
Paradebeispiel für die neue Col-Legno-Philosophie ist Schetts eigene Formation Franui. Die Osttiroler Musikbanda gräbt sich tief ins Repertoire klassischer Komponisten wie Gustav Mahler, Franz Schubert oder Johannes Brahms hinein und klopft deren Werke auf Elemente ab, die aus der alpenländischen Tradition kamen. „Wenn man von unserem Dorf Innervillgraten über den Berg geht, kommt man nach Toblach, wo Mahlers letztes Komponierhäusl steht“, sagt Schett. Und fügt verschmitzt hinzu: „Wir erzählen dem Publikum immer die Geschichte, dass er mit dem Zeugwart der Kapelle von Innervillgraten befreundet war. Mahler verschaffte sich so Zugang zu den Proberäumen und stahl Noten, um sie in seine Kompositionen einfließen zu lassen. Wir stehlen die jetzt zurück!“ Ergo zerfließen bei Franui mit ihrer einzigartigen, nach und nach enstandenen Besetzung aus Blech- und Holzbläsern, Saiteninstrumenten und Streichern die Grenzen zwischen Volksmusik und Klassik, umwinden sich, ohne auf ihrem jeweiligen Territorium zu beharren.

... mehr im Heft.
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