Folker-Logo Probeabo & Abo     Mediadaten/Anzeigen


Suche
    Intern     Über uns


Kontakt/Impressum/Datenschutz

       
Backkatalog   Ausgabe Nr. 6/2017   Internetartikel
Oblomov Trio mit (v. l.) Emil Goldschmidt, Hampus Melin und Ilya Shneyveys * Foto: Alper Eisenstein

Heimspiel


Weitere Artikel aus der Rubrik Heimspiel in dieser Ausgabe:

Fünfzig Jahre Trikont

BR Heimat

Zigeunerfestival in Köln





[Zurück zur Übersicht]



Dieser Artikel ist ein Auszug aus der Printversion, das Heft kann bestellt werden unter www.irish‑shop.de.

Oder gleich zum (Probe-)Abo.






Neuer Klezmermittelpunkt

Jüdische Kultur in Berlin-Neukölln

Mit einem Sessiontrio fing alles an

Grandiose Sessions, viele gemeinsame Bandprojekte, Open-Air-Konzerte im Sommer und ein Festival im Winter – langsam, aber sicher hat sich Berlin-Neukölln zum Klezmerzentrum in Deutschland gemausert. Wie es dazu kommen konnte, verrieten zwei der Protagonisten im Gespräch.

Text: Ines Körver

Kottbusser Damm, Neukölln, ein türkisches Bistro mit französischem Namen und gesamtmediterraner Speisekarte, im Hintergrund dezente Musik aus dem Schwarzmeerraum. Vielleicht fehlt noch etwas Jüdisches. Ansonsten aber könnte der Rahmen kaum passender sein, um sich mit Ilya Shneyveys und Hampus Melin zu treffen. Der russischsprachige Lette und Multiinstrumentalist und der in Kopenhagen ausgebildete schwedische Drummer sind inzwischen zwei der großen Namen des Klezmer im deutschsprachigen Raum. Shneyveys ist mit der Psychedelic-Yiddish-Rock-Formation Forshpil und dem bayerisch-jiddischen Projekt Alpen Klezmer bekannt geworden, Melin unter anderem als Schlagzeuger bei Daniel Kahn & The Painted Bird sowie der Gruppe You Shouldn’t Know From It. Zusammen mit dem dänischen Klarinettisten Emil Goldschmidt firmieren sie seit 2013 als Oblomov Trio.

„Ein Kiez wie wir selbst“

Beide haben sich vor Jahren für zwei Dinge entschieden: Klezmer als Schwerpunkt der musikalischen Betätigung und Berlin-Neukölln als Wohnort. Klezmer okay, aber warum ausgerechnet Neukölln? Schließlich wäre nach der Klezmerrenaissance in den Siebzigerjahren in den USA und ab den Achtzigern in Deutschland beispielsweise Fürth wegen des dort jährlich stattfindenden Festivals ein plausiblerer Ort für den eigenen Wohnsitz. Melin rührt in seinem Tee und lacht. „Neukölln war aufstrebend und multikulti, genauso wie wir“, sagt er. „Außerdem waren die Wohnungen damals noch ziemlich billig.“ Den hohen Ausländeranteil empfanden beide nicht als Problem, sondern als Bereicherung. „Klezmer hat spezielle Melodien, Rhythmen, Skalen, Akkordverbindungen und Improvisationsanteile. Beinahe jeder im Kiez ist mit dem einen oder anderen Element besonders vertraut und kann da andocken“, so Shneyveys, der übrigens nach seiner Hochzeit mit einer jüdischen Kantorin den ersten Wohnsitz in New York anmeldete, aber immer noch mehrere Monate im Jahr in Neukölln verbringt.

... mehr im Heft.