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»Der Schlüssel zum Verständnis eines Liedes sind Gefühle und Schönheit.«
Sílvia Pérez Cruz mit (v. l.) Carlos Monfort, Miguel Ángel Cordero, Joan Antoni Pich * Foto: Javier Valenzuela

5 Minuten mit ...


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www.silviaperezcruz.com



Aktuelles Album:


Vestida De Nit
(Universal Spain, 2017)



Cover Vestida de Nit


Sílvia Pérez Cruz

Im Kleid der Nacht

Über die Iberische Halbinsel hinaus klingt ihr Name noch unvertraut. Dabei verfügt die Katalanin Sílvia Pérez Cruz über eine Ausnahmestimme, der zwischen Barcelona und Lissabon momentan wohl keine andere das Wasser reichen kann.

Text: Stefan Franzen

„Ich denke nicht in Stilen wie Klassik, Jazz oder Rock. Der Schlüssel zum Verständnis eines Liedes sind Gefühle und Schönheit“, sagt Sílvia Pérez Cruz. Und wie zur Demonstration stimmt sie eine Kostprobe aus Robert Schumanns Dichterliebe an, um während dieses langen, emotionalen und gestenreichen Interviews die Universalität eines guten Songs vor Ohren zu führen. 1983 in Palafrugell geboren, erhält Pérez Cruz zunächst klassischen Gesangs- und Saxofonunterricht. Sie ist doppelt musikalisch vorgeprägt. Ihr Vater ist der Sänger und Habanera-Erforscher Càstor Pérez, ihre Mutter die Poetin, Komponistin und Sängerin Glòria Cruz. Die erste Band, mit der sie in Erscheinung tritt, ist das Frauenquartett Las Migas (siehe Titelstory in Folker 2/2011), das sie bereits während ihrer Studienzeit in Barcelona mitbegründet und mit dem sie sich vor allem auf dem Flamencoparkett erprobt. Es folgen verschiedenste Experimente, etwa die Zusammenarbeit mit dem Hangspieler Ravid Goldschmidt oder eine Jazzplatte mit dem Bassisten Javier Colina. Und zwei sagenhafte Solowerke, auf denen sie mit ihrem empfindsamen Sopran Klanggedichte mit Gitarren, Englischhorn, Blechbläsern und Streichern vorstellt sowie neben Eigenkompositionen auch Piaf, García Lorca und Schumann interpretiert. „Da ist etwas in meiner Stimme, was ich iberisch nennen würde, das aber über Fado oder Flamenco hinausgeht. Etwas, was auch die Großmütter schon in ihrem Timbre hatten“, sagt sie. Und dieses Etwas bietet ihr die feste Ausgangsbasis für Ausflüge nach Brasilien, zum Great American Songbook oder in den mexikanischen Klassiker „Cucurrucucú Paloma“, in dessen Liebesschmerz sie sich ergreifend wie keine andere hineinfühlt — ein paar Youtube-Clicks genügen, um das zu belegen.
Und nun Vestida De Nit. Mit dem Streichquintett um den Cellisten Joan Antoni Pich arbeitete Pérez Cruz seit mehr als drei Jahren auf großen Bühnen zwischen Cádiz und San Sebastián, bis sie sich nun zur Studioeinspielung entschloss. „Ich sehe das nicht als Klassikprojekt“, betont Pérez Cruz. „Wir spielen nicht nach Noten, sondern aus der Erinnerung, lassen Spontaneität und auch Fehler zu.“

... mehr im Heft.