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Backkatalog   Ausgabe Nr. 6/2017   Internetartikel
»Wir glauben, dass das Trioformat eine ausgewogene Balance zwischen uns drei musikalischen Charakteren ermöglicht.«
La Bricole

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Dieser Artikel ist ein Auszug aus der Printversion, das Heft kann bestellt werden unter www.irish‑shop.de.

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Diskografie:


Ne Vous Faites Pas Marins
(AEPEM, 2016)



Cover Ne vous faites pas marins


Junge, werd’ bloß kein Matrose!

La Bricole

Chansons vom Leben mit dem Meer

An der nordfranzösischen Opalküste, unweit der Grenze zum flandrischen Belgien liegt das Hafenstädtchen Boulogne-sur-Mer, direkt an der Mündung des Flusses Liane in den Ärmelkanal. Seit jeher hat der heute etwa 42.000 Einwohner zählende Ort im französischen Départment Pas-de-Calais maritime und militärische Bedeutung. Schon in der Römerzeit als Bononia bekannt, war die Stadt Haupthafen der Verbindung zwischen Britannien und dem Festland. Cäsar und Claudius nutzten sie als Basis für die römische Invasion Britanniens, und auch Napoleon bereitete dort die geplante Eroberung Englands vor. Heute ist Boulogne-sur-Mer der größte Fischereihafen Frankreichs, hinzu kommen ein Fracht- und ein Jachthafen. Entsprechend alt und vielfältig sind die maritimen Traditionen der Stadt. Das Trio La Bricole ist hier zu Hause und lädt sein Publikum ein auf eine musikalische Zeitreise durch den Hafen und auf die hohe See.

Text: Ulrich Joosten

Das Wort bricole bezeichnet im modernen Französisch etwas Wertloses. Es gibt jedoch auch eine alte, längst vergessene Bedeutung. „Sie wird verwendet für eine Art ledernes Zaumzeug, allerdings nicht für Pferde, sondern für Menschen. Oft wurde es Frauen oder gar Kindern umgeschnallt. Die Ledergeschirre waren an Seilen befestigt, mit denen die Schiffe in den Hafen hinein oder zur Ausfahrt hinausgezogen wurden“, erläutert Vincent Brusel, Gründer und Sänger von La Bricole. „Das Gleiche haben wir mit den Liedern gemacht. Wir haben sie aus der Stadt Boulogne herausgezogen und ihnen geholfen, wieder die ‚offene See zu erreichen‘.“ Vor gut einem Jahrhundert war das Leben der einfachen Leute, deren Lohn und Brot vom Meer abhing, nicht leicht. Über das harte Dasein der Fischer, Hafenarbeiter, Matrosen, Kaufleute, Reisenden, Seeleute und Arbeiter in den Fischkonservenfabriken erzählt eine reiche Tradition maritimer Chansons. Es sind Lieder voller Melancholie, angereichert mit einer guten Prise Humor, mit dem die Menschen sich den Alltag etwas erträglicher machen wollten.
Die Idee, sich mit solchen Seemannsliedern zu beschäftigen, stammt von Brusel, der als gebürtiger Boulogner ein Faible für meeresbezogene Themen hat. Er entstammt einer Familie von Dockarbeitern, zu der er heute keinen Kontakt mehr hat. Die Beschäftigung mit den Liedern seiner Heimat ist also auch eine Suche nach der eigenen Kindheit, nach Chansons, die Erinnerungen an seinen Geburtsort wecken. Die Mandoline wählt er zur Begleitung, weil sie – vermutlich aufgrund ihrer geringen Größe – ein beliebtes Instrument der Seefahrer war. Bereits in den frühen Nullerjahren singt Brusel bei Veranstaltungen der Fédération régionale pour la culture et le patrimoine maritime in Wissant, Calais, Dünkirchen und Étaples. Er tritt bei sämtlichen wichtigen maritimen Ereignissen an der Nordküste Frankreichs auf. Seine charismatische Stimme, die gelegentlich an den in den Achtzigerjahren sehr beliebten Sänger Marc Robine erinnert, trägt die Geschichten der Seeleute und Arbeiter in der Fischindustrie sehr authentisch vor, mit Herzblut und Emotion.

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