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Backkatalog   Ausgabe Nr. 3/2017   Internetartikel
»Schon Ende des achtzehnten Jahrhunderts hatte sich im Zuge der Alpenromantisierung der Jodel zum Exportschlager entwickelt.«
Wylie Gustafson * Foto: Bill Watts

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Albumtipps:


Baka In The Forest
(Aufgen. von Sue Hart & Martin Cradick; March Hare Music, 2009)

Diverse, American Yodeling 1911-1946
(Trikont, 1998; u. a. mit Jimmie Rodgers, The DeZurik Sisters, Patsy Montana)

Diverse, Laut yodeln: fern – nah – weit
(Trikont, 2016; u. a. mit Baka Beyond, Yellow Bird, Christian Zehnder)

Diverse, Tyrolienne 3/Klingende Kostbarkeiten aus Tirol 32: Die Lieder der Familie Rainer
(Institut für Tiroler Musikforschung, 2003)

Cyndi Lauper, Detour
(Sire Records, 2016)

Nucleus with Leon Thomas, Live 1970
(Gearbox Records, 2014)

Christian Zehnder & Gregor Hilbe, Oloid
(Traumton Records, 2013 )



Singen mit Stimmüberschlag

Revival des Jodelns

Das Jodeln wird nicht nur in den Alpen praktiziert, sondern auch in den USA und im afrikanischen Regenwald. Musiker aus Weltmusik und Country haben in den letzten Jahren den archaischen Singstil wieder entdeckt.

Text: Christoph Wagner

Jetzt auch Cyndi Lauper. Die amerikanische Popsängerin veröffentlichte im letzten Jahr ein Album, auf dem ausgiebig gejodelt wird. Damit reiht sie sich in eine lange Liste von Popstars ein, die sich alle schon im Singen mit Stimmüberschlag übten und zu denen Bob Dylans Begleitgruppe The Band, Robert Palmer und Gwen Stefani gehören. Um mit ihrer Duopartnerin Jewel um die Wette zu jodeln, wählte Lauper nicht zufällig den Titel „I Want To Be A Cowboy’s Sweetheart“ aus, ein Song, mit dem in den Dreißigerjahren die Hillbillysängerin Patsy Montana einen Riesenhit hatte und der direkt ins Zentrum des American Yodeling führt. Denn das Jodeln ist nicht nur eine alpine Besonderheit. Es fasste im neunzehnten Jahrhundert auch in den USA Fuß.
Schon Ende des achtzehnten Jahrhunderts hatte sich im Zuge der Alpenromantisierung der Jodel zum Exportschlager entwickelt. Sängergruppen aus dem österreichischen Zillertal brachen jedes Frühjahr zu langen Tourneen auf, um überall in Europa Jodelkonzerte zu geben. Die Auftritte der sogenannten Nationalsänger waren so spektakulär, dass sie bald an Adelshöfen zu Sondervorstellungen eingeladen wurden, um ihre „wilden, unnachahmlichen Lieder“ darzubieten. Selbst vor Königin Victoria von England präsentierten sie ihre Sangeskunst. Die Wogen der Begeisterung schlugen derart hoch, dass sich sogar Operndiven veranlasst sahen, Lieder mit Jodelverzierungen ins Programm zu nehmen.
Die erfolgreichste Jodelgruppe war die der Geschwister Rainer aus Fügen im Zillertal. Nach ausgiebigen Tourneen durch halb Europa reisten die sogenannten „Tyrolese Minstrels“ 1839 in die USA, um dort in Theatern und Konzerthallen ihre Lieder im „mountain style“ zum Besten zu geben, die nicht nur bei den Auswanderern aus dem Alpenraum blendend ankamen. Der Erfolg war so überwältigend, dass bald überall in Amerika ähnliche Singgruppen wie Pilze aus dem Boden schossen, die unter dem Motto „to sing as the Rainers did“ um die Publikumsgunst wetteiferten. Den größten Zuspruch erhielt die Hutchinson Family, die als „Newhampshire Rainers“ Furore machte. Die Vokalgruppe gab in ihren Konzerten nicht nur harmlose Jodelnummern zum Besten, sondern bezog auch gegen die Sklaverei Stellung.

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