Folker-Logo   Abo   Mediadaten/Anzeigen


Suche
   Intern   Über uns


Kontakt/Impressum/Datenschutz

       
Backkatalog   Ausgabe Nr. 3/2017   Internetartikel
»Bei Dingen, die in der Wahrnehmung einseitig besetzt sind, ist es ein großer Reiz für einen Künstler, diese zu dekonstruieren und neu aufzubauen.«
Die Grenzgänger * Foto: Helena Wuttke

[Zurück zur Übersicht]



Dieser Artikel ist ein Auszug aus der Printversion, das Heft kann bestellt werden unter www.irish‑shop.de.

Oder gleich zum (Schnupper-)Abo.








Auswahldiskografie:


Brot & Rosen
(Müller-Lüdenscheidt-Verlag, 2017)

Und weil der Mensch ein Mensch ist
(Müller-Lüdenscheidt-Verlag, 2015)



Cover Brot und Rosen 2017



Ein deutsches Folkphänomen

Die Grenzgänger

Geschichte und Geschichten mit Überraschungseffekten

Fünfmal wurden die Grenzgänger mit dem Preis der deutschen Schallplattenkritik ausgezeichnet, nun erscheint ihre siebte Produktion, Brot & Rosen, zum Thema „Liebe und ihre Bedingungen im Alltag“ mit Neuentdeckungen aus dem Freiburger Volksliedarchiv sowie erfrischenden Arrangements allseits bekannter Volksliedhits. Anlass für den Folker, sich mit dem Phänomen Grenzgänger und den Bedingungen ihres Erfolges zu befassen.

Text: Jens-Peter Müller

So unterhaltsam und überraschend wie die preisgekrönten Alben und die Konzerte der Grenzgänger ist auch ein Gespräch mit Michael Zachcial, dem Kopf der Gruppe. Fragt man nach dem Erfolg, redet Zachcial über Vertrauen. Spricht man im Zusammenhang des neuen Albums Brot & Rosen über Liebeslieder, landet man beim Thema Kinderarbeit. „Die gibt es heute immer noch auf der Welt, nur ist sie aus unserem Blickfeld verschwunden, während sie vor nicht mal hundertfünfzig Jahren in Deutschland noch ein Thema in fast allen Familien war“, erläutert der Musiker. Spannend findet er, dass parallel zum Erscheinen des Albums, auf dem deutschsprachige Liebeslieder aus sechs Jahrhunderten versammelt sind, der Kinofilm Der junge Marx anläuft. „Marx hat seine Theorien ja aus den Arbeitsbedingungen der Menschen entwickelt“, führt Zachcial den Gedanken aus. „Und damit hängt natürlich auch zusammen, welche Liebeschancen ein Mensch hat, inwieweit ein Sinn für Schönheit überhaupt entstehen kann. Wenn du vierzehn Stunden in der Fabrik arbeitest mit der Perspektive, dass es gerade mal zum Leben reicht, und du dich wie ein Sklave fühlst, wie steht es dann mit der Entwicklung des Selbstwertgefühls? Unter diesen Gesichtspunkten haben wir uns einige der alten Liebeslieder angeschaut und die Auswahl für die CD getroffen.“
Seit über dreißig Jahren lebt der in Duisburg geborene Musiker und Liedermacher in Bremen. Dort lernte er die drei weiteren Mitglieder der aktuellen Grenzgänger-Besetzung kennen. Die Bandbreite der Erfahrungen in zeitgenössischer E-Musik, Gypsy Swing und Heavy Metal, die Cellistin Annette Rettich, Akkordeonist Felix Kroll und der aus einer kroatischen Familie stammende Gitarrist Frederic Drobnjak einbringen, macht die Konzerte und Alben auch zu einem großen musikalischen Erlebnis. „Mir macht es einfach Freude, zwei-, drei-, vierhundert Jahre alte Lieder auszuwählen und sie so zu spielen, dass man nicht mehr darüber nachdenkt, wie alt sie sind, sondern sie mit der heutigen Wirklichkeit in Verbindung bringt“, sagt Zachcial. Diese musikalischen Qualitäten sind mit ein Grund, weshalb die Grenzgänger als eine der wenigen deutschen Folkgruppen auch schon mit Erfolg im Ausland aufgetreten sind, etwa in Irland, Norwegen und Schweden. Für die Aufnahmen von Brot & Rosen hat die Gruppe zudem Cynthia Nickschas als Gastsängerin gewinnen können, die sich mit ihren Songs und ihrer rauen Rockstimme in den letzten Jahren in der Liedermacherszene einen Namen gemacht hat (siehe auch Folker 4/2015).

... mehr im Heft.