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Backkatalog   Ausgabe Nr. 3/2017   Internetartikel
»Mit den ökonomischen Veränderungen in der schottischen Gesellschaft des achtzehnten Jahrhunderts erfuhr die gälische Sprache einen Schlag, von dem sie sich nie wieder erholen sollte.«
Beim Royal National Mod

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Dieser Artikel ist ein Auszug aus der Printversion, das Heft kann bestellt werden unter www.irish‑shop.de.

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Auswahldiskografie:


Cruinn, Stòras
(Eigenverlag, 2014)

Julie Fowlis, Gach Sgeul – Every Story
(Machair Records, 2014)

Griogair Labhruidh, Dail-riata
(Dunach Records, 2007)

Allan MacDonald & Neil Johnstone, The Bruce 700
(Eigenverlag, 2016)

Angus MacDonald, Maidean Dubh’ An Donais
(Macmeanma, 2009)

Kathleen MacInnes, Cille Bhrìde
(Eigenverlag, 2012)

Gillibrìde MacMillan, Air Fòrladh – On Leave
(Dealas, 2011)

Catherine-Ann MacPhee, Suil Air Ais – Looking Back
(Greentrax, 2004)

Mànran, An Dà Là – The Two Days
(Mànran Records, 2017; siehe auch Rezension in dieser Ausgabe)

Christine Primrose, Gun Sireadh, Gun Iarraidh – Without Seeking, Without Asking
(Temple Records, 2001)

Mary Smith, Sgiath Airgid
(Macmeanmna, 2004)

Margaret Stewart & Allan MacDonald, Colla Mo Rùn
(Greentrax, 2001)



Thig crìoch air an t-saoghal ach mairidh gaol is ceòl – „Wird die Welt auch vergehen, Liebe und Musik bleiben bestehen“

Ein Exkurs in die Geschichte der schottisch-gälischen Sprache und Kultur

Es gibt wohl kaum eine Sprache in Europa, über die es so viele widersprüchliche Informationen und Missverständnisse gibt, wie dies beim Gälischen der Fall ist. Einige sind der Meinung, Gälisch sei bereits ausgestorben, andere halten Gälisch für einen Dialekt des Englischen oder denken an Die Nebel von Avalon. Es wird also Zeit, für ein wenig Klarheit zu sorgen. Also auf zu einer kleinen Reise in die Geschichte der gälischen Sprache und Kultur.

Text: Michael Klevenhaus

Das Schottisch-Gälische ist eine indoeuropäische Sprache, die zur Gruppe der keltischen Sprachen gehört. Zu den heute noch gesprochenen zählen neben dem Schottisch-Gälischen das Irisch-Gälische, das Cymrische in Wales und das Bretonische in der Bretagne. Einwanderer aus dem heutigen Nordirland brachten ihre Sprache und Kultur mit in das neue Siedlungsgebiet nördlich des modernen Glasgow. Die Gegend an der schottischen Westküste heißt heute Argyll, eine Bezeichnung, die sich aus dem gälischen Oir-Thìr nan Gàidheal, „Küstenland der Gälen“, ableitet. Nach maximaler Ausbreitung der gälischen Sprache und Kultur bis ins elfte Jahrhundert begann ihr schleichender Rückzug, als der schottische König Malcom Canmore (gäl. Maol Chalum a’ Chinn Mhòir, „der kahle Calum mit dem großen Kopf“) eine angelsächsische Prinzessin zur Frau nahm und zur Königin machte, die kein Gälisch sprach. Sprache des Hofes wurde der Vorläufer des heutigen Englisch und die direkte Umgebung stellte sich ebenfalls auf die neue Sprache um. Ein Mittel, das gesamte Hochland und die Inseln mit ihren traditionellen, auf der gälischen Kultur basierenden Herrschaftsstrukturen im Sinne der Zentralregierung zu befrieden, war die Durchsetzung einer einheitlichen Sprache, nämlich des Englischen im gesamten Königreich Schottland.
1609 versuchten die schottischen Könige mit den Statuten von Iona die mündliche Tradierung dieser gälischen Kultur zu zerschlagen, indem unter anderem die umherreisenden Barden und Wissensträger zu Vagabunden erklärt wurden, denen man keine Gastfreundschaft gewähren dürfe. Zudem wurden die Clanoberhäupter dazu gezwungen, ihre Söhne auf Englisch erziehen zu lassen. Neben den politischen Institutionen unternahm auch die Kirche Anstrengungen, die englische Sprache durchzusetzen. Die eigens hierzu gebildete Society in Scotland for Propagating Christian Knowledge gründete im Zuge der Reformation Schulen im Hochland, um die englische Sprache zu unterrichten, damit alle Gläubigen die Bibel lesen könnten. Dieser Versuch scheiterte jedoch am Widerstand der Bevölkerung, die weiter gälisch sprach, was dazu führte, dass die Schulen auf Gälisch umgestellt wurden und es im Jahr 1767 zu einer Übersetzung der Bibel ins Schottisch-Gälische kam. Ungewollter Nebeneffekt dieser Entwicklung war, dass die Schüler dieser Schulen nun gälisch schreiben und lesen lernten, was zu einer literarischen Blüte der Sprache führen sollte, aus der auch Lieder entstanden, die heute noch gesungen, gespielt und aufgeführt werden. In diesem Zusammenhang lohnt es sich auch, mit einem weitverbreiteten Irrtum aufzuräumen. Nach der Niederschlagung des letzten Jakobitenaufstandes in der Schlacht von Culloden 1746 wurden teilweise drakonische Verordnungen zur Unterdrückung der schottischen Kultur erlassen, zu denen allerdings nicht das Verbot der gälischen Sprache gehörte.
Mit den ökonomischen Veränderungen in der schottischen Gesellschaft des achtzehnten Jahrhunderts erfuhr die gälische Sprache dennoch einen Schlag, von dem sie sich nie wieder erholen sollte, denn die Clanoberhäupter betrachteten nun das bisher im Kollektivbesitz des Clans befindliche Land als ihr Privateigentum und begannen im großen Stil, Schafe zu züchten, eine Investition, die hohe Gewinne erzielte. Um die dafür nötigen Weideflächen zur Verfügung zu haben, wurde die Bevölkerung brutal vertrieben. Diese sogenannte Fuadach nan Gàidheal („Vertreibung der Gälen“), englisch auch Clearances („Beseitigungen“), führte zur Entvölkerung ganzer Landstriche – Gegenden, die heute wegen ihrer Einsamkeit und angeblichen Ursprünglichkeit bei Touristen so beliebt sind. Ein Reporter des People’s Paper berichte 1853 über die Clearances und beschrieb exemplarisch die Ausbeutung der Bevölkerung. Was der junge Journalist beobachtete, sollte den Grundstein seines Hauptwerkes bilden. Das Buch erhielt den Titel Das Kapital, der Name des Journalisten war Karl Marx. Beendet wurden die Clearances auf politischen Druck hin erst im Jahr 1884.

... mehr im Heft.

Mànran * Foto: Euan Robertson Cruinn