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»Wir sind sogar in Württemberg Exoten.«
Wendrsonn * Foto: Philip Ruopp

5 Minuten mit ...


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Aktuelles Album:


Geile Zeit
(Brother Records, 2015)



Cover Wendrsonn - Geile Zeit



Wendrsonn

Schwäbisch isch sexy

„Wir können alles. Außer Hoch­deutsch.“, lautet ein Werbeslogan des Bundeslandes Baden-Württemberg. Die schwäbische Mundartgruppe Wendrsonn aus dem Schwäbischen Wald hält dagegen: „Mir kennat fei au Hochdeitsch – doch mir, mir wellat net.    “

Text: Michael A. Schmiedel

Samstagabend. „Dorfdisco“ ist der Song, mit dem Wendrsonn ihr Konzert im Stuttgarter Theaterhaus beginnen. Die Jungs sind schon auf der Bühne, doch als Biggi Binder sie betritt, braust der Applaus in froher Erwartung der Lieder, die da kommen werden. Kaum einer im Publikum ist unter vierzig, abgesehen von den zehn eingeladenen syrischen Flüchtlingen. Syrer und Schwäbisch? „Wir sind eingespielt. Das ist eine Magie, die man nur durch Konzentration und harte Arbeit erreicht. Und wenn sie irgendwann da ist, merken die Leute das. Dann wirkt die Musik auch, wenn man kein Schwäbisch versteht“, sagt Bandleader Markus Stricker.
Dem kann man beipflichten, denn Gitarrist und Sänger Stricker und Sängerin Binder, die auch schon mal zu Flöte oder Waschbrett greift, sorgen mit ihren Mitstreitern quer durch die Musikstile von traditionellen schwäbischen Melodien über Klassik, Musical, Blues und Rock ’n’ Roll bis zu Folk- und Weltmusik für ein Wechselbad der akustischen Eindrücke. Die schwäbische Sprache setzt dem eher noch ein fast exotisches Sahnehäubchen auf. Komplettiert wird das Sextett von Klaus Marquardt an Geige und anderen Saiteninstrumenten, Michael Schad an E-Gitarre und Bouzouki, Ove Bosch am Bass und Heiko Peter am Schlagzeug. Hin und wieder holen sie sich ein Streichquartett dazu, für guten Klang sorgt Tontechniker Johnny Park.
„Wir sind sogar in Württemberg Exoten“, erklärt Stricker. „Wenn wir mit unserm nordostwürttemberger Dialekt auf der Alb und in Balingen auftreten – die schwätzen noch ganz anders.“ Der Schwäbische Wald bei Backnang und Sulzbach an der Murr ist ihre Heimat, die sie auch in vielen Liedern thematisieren. Nicht volkstümelnd verklärend, sondern kritisch, mit Themen von heute bis in vergangene Jahrhunderte wie dem Wegzug der Jungen aus dem ländlichen Raum oder der Weigerung, ein beim Baden ertrunkenes, katholisches italienisches Mädchen auf dem protestantischen Gottesacker beizusetzen – Geschichten, oft voller Melancholie, die sich hinter der irischer Klagelieder nicht verstecken muss.
Bis auf den Softwareentwickler Stricker und den Mitinhaber eines Elektrogeschäftes Peter, der mit dreißig zugleich der Jüngste der Gruppe ist, sind alle Bandmitglieder Profimusiker. Weil sie aber von Wendrsonn allein nicht leben können, spielen sie auch in anderen Formationen und Genres. Die so unterschiedlichen Individuen mit ihren je eigenen Vorlieben und Stärken zu einem Team zusammenzubringen und trotzdem jedem genug Freiraum zu lassen, ist ein großes Thema in der Band.

... mehr im Heft.