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Backkatalog   Ausgabe Nr. 5/2016   Internetartikel




»Ich bin in meine Kultur verliebt.«
Davide Salvado
Davide Salvado * Foto: Xoán Crespo

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Dieser Artikel ist ein Auszug aus der Printversion, das Heft kann bestellt werden unter www.irish‑shop.de.

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Auswahldiskografie:


Xabier Díaz & Adufeiras de Salitre, The Tambourine Man
(Karonte/Galileo MC, 2015)

Davide Salvado, Lobos
(Fol Música/Galileo MC, 2015)

Sés, Tronzar Os Valos
(Fol Música/Galileo MC, 2015)

Uxía & Narf, Baladas Da Galiza Imaxinaria
(Edicións da Madriña, 2015)

Radio Cos, Radio Cos
(Fol Música/Galileo, 2013)



Die mit den Wölfen tanzen

Davide Salvado

und andere Kreativköpfe der aktuellen galicischen Folk- und Liedermacherszene

Erneut wird die große Weltmusikgemeinde im kleinen Land am Kap Finisterre aufschlagen, dort am Rand zumindest der europäischen Welt. In Santiago de Compostela, der Endstation eines der berühmtesten Pilgerwege, beherbergen die galicischen Gastgeber Ende Oktober zum nunmehr zweiten Mal die WOMEX. Im Windschatten der Weltmusikmesse sollte man jedoch gerade auch diesen musikalisch reichen Fleckchen Erde im Nordwesten Spaniens erkunden. Denn inmitten der innerhalb des offiziellen Konzertprogramms präsentierten globalen Klangvielfalt wird man eher nur vereinzelt Musik aus Galicien selbst zu hören bekommen, wie es auch schon bei der WOMEX 2014 dort der Fall war.

Text: Katrin Wilke

Abgesehen von einigen wenigen Galiciern von trauriger beziehungsweise fragwürdiger Berühmtheit – neben Diktator Franco der nun weiterhin amtierende, seine Landsleute eher verdrießende Staatschef Mariano Rajoy – gehören etliche ganz wunderbare, national oder gar weltweit gefeierte Persönlichkeiten erwähnt. Neben den Schriftstellern Ramón María del Valle-Inclán und Camilo José Cela (Literaturnobelpreis), die allerdings vor allem auf Spanisch schrieben, ist es besonders Rosalía de Castro, deren enorme Strahlkraft auch hundertdreißig Jahre nach ihrem Tod ungebrochen ist. Viele, wenn nicht gar alle der im Folgenden vorgestellten Musiker – ganz gleich welcher Ausrichtung – sind in ihrer Arbeit auf die eine oder andere Weise verbunden mit dem Werk der 1837 in Santiago geborenen Dichterin, mit dem diese viel zur Aufwertung der galicischen Sprache beitrug.
So gab es zum Beispiel im Frühjahr 2016 zum sechsten Mal einen Kurzfilmwettbewerb zu Rosalía, wie die Galicier ihre Poesie-Übermutter mit liebevoller Vertrautheit nennen, zu dessen Preisverleihungsgala Davide Salvado mit Band auftrat. Der 1981 in Marín in Pontevedra, einer der vier galicischen Provinzen, geborene Sänger und Spieler der Pandeireta und anderer Kleinpercussion gilt seit geraumer Zeit als Galiciens ganz große Verheißung in Sachen Folk. Davon konnten sich auch die Fachbesucher der WOMEX 2014 überzeugen, wo der zierliche, gerne barfuß auftretende Mann nur mit Schlagzeuger und Akkordeonist zu erleben war. Bei jenem Konzert konnten die Teilnehmer überdies einen guten Eindruck von der dortigen, sehr lebendigen Volkstanzkultur bekommen. Vor der Bühne im Herzen Santiagos hatte sich nämlich eine befreundete Gruppe junger Hobby- und Profitänzer versammelt, die unter Einbeziehung der auswärtigen Gäste zeigten, wie man etwa eine Muiñeira, den typischsten Tanz Galiciens vollführt.
Wie in der gesamten hispanischen Kultur gehen auch in Galicien oder dem benachbarten Asturien sowie in den angrenzenden, kulturell ebenso verbandelten Regionen Portugals Musik- und Tanztraditionen miteinander einher. Dies macht auch die Arbeit des Autodidakten Salvado aus, der die Hälfte seines noch jungen Lebens als musikalischer Feldforscher – ähnlich seiner Kollegin Mercedes Peón – die Dörfer Galiciens abklappert. Dort liest er die Rhythmen, Verse und dazugehörigen Tänze vor allem bei den alten Frauen auf, den wahren Gralshüterinnen dieser Kultur, rettet diese so in die Zukunft und wie einst jene Landsfrauen ins eigene Alltagsleben. „Ich mache das, was so viele Dorffrauen taten, das Leben, sein Gutes und sein Schlechtes in Schönheit zu verwandeln. Einen musikalischen Einstieg als solchen hatte ich nicht. Wie viele Galicier war ich einfach von der Volksmusik und -kultur von jeher umgeben. Ich habe das Glück, aus einer einfachen Familie vom Land zu kommen, die bei der Arbeit sang. Ich bin ein Produkt meiner Kultur. Und ja, in die bin ich verliebt.“ Und diese Zärtlichkeit ist in der warmen, betörenden, stets die Tradition offenbarenden Gesangsstimme zu verspüren. Von ihr sagte einmal eine Frau aus Asturien, sie sei wie reine Arnika, was Salvado dazu inspirierte, sein vom seelenverwandten Neofolker Eliseo Parra produziertes Debütalbum Árnica Pura zu betiteln.

... mehr im Heft.

Radio Cos * Foto: Olalla Lojo Uxía & Narf * Foto: Edicións da Madriña