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Backkatalog   Ausgabe Nr. 5/2016   Internetartikel
»Was vollbracht wird, ist entscheidend!«
Mani Matter

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Dieser Artikel ist ein Auszug aus der Printversion, das Heft kann bestellt werden unter www.irish‑shop.de.

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Auswahldiskografie:


Diverse, Und so blybt no sys Lied
(Zytglogge, 2016)

Kammerton-Quartett, Kunscht isch geng es Risiko – Mani Matter a cappella
(Zytglogge, 2012)

Franz Hohler, Fragen an Mani Matter
(Zytglogge, 2010)

Mani Matter, Warum syt dir so truurig? – Soundtrack zum Film von Friedrich Kappeler
(Zytglogge, 2002)

Diverse, Matter Rock – Hommage à Mani Matter
(Zytglogge, 1992)



Cover Und so blybt no sys Lied



Berner Liedermacher, Poet und Ikone

Zum achtzigsten Geburtstag von Mani Matter

Seine Lieder leben in der Musik junger Interpreten weiter

„Ich habe einen jungen Freund, mit dem ich gerne diskutiere, nachts vor allem. Er ist gescheit und witzig, fasst, was kompliziert ist, rasch zusammen und entlarvt, was einfach ist, als kompliziert. Dichter ist er. Und mit ihm Metaphern, Wortwahl, Versmaß, Reime zu besprechen, ist Genuss. Doch kann ich über Menschliches genauso mit ihm reden, über Frauen, Sehnsucht, Krankheit, Sorgen, Neid und Zweifel. Und wir können lachen wie die Kinder. Er ist schon mehr als drei Jahrzehnte sechsunddreißig Jahre alt, seit jenem Abend auf der Autobahn.“

Text: Martin Steiner

Der junge Freund, mit dem der Liedermacher und Kabarettist Franz Hohler in durchwachten Nächten spricht, wie er es in seinem Gedichtband Vom richtigen Gebrauch der Zeit 2006 beschrieb, wäre am 4. August 2016 achtzig Jahre alt geworden. Verhindert hat das der Baum, in den Mani Matter im Schneegestöber auf dem Weg zu einem Konzert am 24. November 1972 nach einem Überholmanöver krachte.
Seine Berndeutsch gesungenen Chansons sind über die Jahre zu Schweizer Traditionals geworden. Jedes Schulkind weiß, dass Kater Ferdinand vom braven Bürger Brändli mit einem Nachttopf erschlagen wurde, nur weil das gute Tier nachts lautstark um Liebe warb. Matters Lieder sind zeitlos. Wer mit ihnen groß geworden ist, betrachtet sie mit dem Älterwerden aus immer neuen Blickwinkeln. Fast alle sind Ohrwürmer, die zum Mitsingen einladen. Nach und nach lassen sich neue Facetten entdecken. Kinder lieben das Märchenhafte und Utopische des Materials – wie etwa in „Dr Eskimo“, der aus Liebe zur Musik ein Cembalo in sein Iglu stellt. Was er besser nicht getan hätte, denn sein Geklimper geht dem Eisbären so auf die Nerven, dass er den Inuit kurzerhand verschlingt. Erwachsene lieben den philosophischen, nachdenklichen Matter, der unter der humorvollen Oberfläche oft Schwermut erkennen lässt.
Das Weltgeschehen war für den Chansonnier oft ein absurdes Theater mit dem Menschen als große Unbekannte. Als Kind des Kalten Krieges hatte er die drohende Katastrophe vor Augen. So greift im Lied „Si hei der Wilhälm Täll ufgfüert“ das Publikum im Löwen des Dorfes Nottiswil in die Theateraufführung von Schillers Wilhelm Tell ein. Nach zwei Stunden, Arm- und Beinbrüche inklusive, feiern die Eidgenossen den Sieg über Österreich. Das brennende Streichholz, dass der Sänger in „Ds Zundhölzli“ fortwirft, ist möglicherweise der Ursprung des Dritten Weltkriegs. Am Ende bleibt wie in „Hemmige“ die Hoffnung, dass die Verantwortlichen Hemmungen haben, den ominösen Knopf zu drücken.

... mehr im Heft.