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Backkatalog   Ausgabe Nr. 5/2016   Internetartikel
»Nur in Gälisch zu singen war eine bewusste Entscheidung. Es ist die Sprache meiner Kindheit.«
Karen Matheson * Foto: Thesupermat, Wikipedia

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Dieser Artikel ist ein Auszug aus der Printversion, das Heft kann bestellt werden unter www.irish‑shop.de.

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Aktuelles Album:


Urram
(Vertical Records, 2015)



Cover Urram



Respekt in Liedern

Karen Matheson

Die sehr persönliche Geschichte eines Albums

Wie schätzt eine Frau, deren Stimme den ikonenhaften James-Bond-Darsteller Sean Connery zum Lyriker werden ließ, ihre eigenen gesanglichen Fähigkeiten ein? „Na ja, technisch gesehen bin ich keine besonders qualifizierte Sängerin.“ Understatement mag eine britische Eigenschaft sein, die auf Eigenständigkeit bedachten Schotten können das ebenso gut wie ihre südlichen Nachbarn. Karen Matheson ist eine Sängerin der Extraklasse, da sind sich Kritiker und Publikum absolut einig. Und mit dem Album Urram hat sie sich und uns einen vorläufigen Höhepunkt ihrer Solokarriere geschenkt.

Text: Mike Kamp

1983 bekam der Teenager Donald Shaw für seine kleine Ceilidhband das Angebot, eine Session bei einer lokalen Radiostation einzuspielen. Unser Sound könnte etwas Abwechslung gebrauchen, dachte sich Shaw und fragte bei einer Freundin aus seinem Heimatdorf Taynuilt nach, ob sie vielleicht bei ein paar Stücken den Gesangspart übernehmen wollte. Dreiunddreißig Jahre später sind Capercaillie eine der einflussreichsten Bands Schottlands und Donald Shaw und Karen Matheson, besagte Freundin, ein Ehepaar mit einem Sohn und einer Tochter. Den weltweiten Erfolg – die Gruppe tourte in über dreißig Ländern – verdanken Capercaillie zu einem nicht geringen Maß Mathesons Gesang. Ihre Stimme stieß sogar im Buckingham-Palast auf geneigte Ohren, und so erhielt die Sängerin vor zehn Jahren die Auszeichnung des Order of the British Empire (OBE). Es zählt zu den Mysterien britischer Mentalität, dass eingefleischte Anhänger der schottischen Unabhängigkeit trotz allem einen Orden von der Queen akzeptieren und die OBE-Bezeichnung bei offiziellen Anlässen stolz hinter dem Namen tragen.
Wie dem auch sei, Karen Matheson hat sich diese Auszeichnung ganz gewiss auch durch ihre Soloarbeit verdient, zumal in der Vitrine zu Hause weitere Preise zu finden sind wie etwa der des „Best Gaelic Singer“ bei den ersten Scots Trad Music Awards 2003 oder die Ehrendoktorwürde für Musik der Robert-Gordon-Universität in Aberdeen. 1996 erschien mit The Dreaming Sea ihr erstes Album unter eigenem Namen und dem fügte sie zwei weitere hinzu, das letzte 2005. Dann kam lange Jahre nichts. „Ja, es wurde langsam mal wieder Zeit, aber ich muss zu meiner Ehrenrettung sagen, dass ich bereits zehn Tracks für ein neues Soloalbum eingespielt hatte, wo wirklich nicht allzu viel zur Fertigstellung fehlte, aber dann starben meine beiden Eltern relativ kurz hintereinander, und das hat meine Pläne ziemlich über den Haufen geworfen.“
Die Leserschaft eines gewissen Alters kennt das. Wenn die Eltern sterben, verschwindet ein psychologischer Schutz, die Kinder stehen plötzlich und verletzlich in vorderster Front. „Genau, denn mein Vater starb völlig unerwartet und meine Mutter anderthalb Jahre später an Krebs. Wir mussten sie bis zum Ende pflegen. Diese ganze Zeit war sehr intensiv, sehr emotional. Das war ein riesiger Verlust, da musste ich mich einfach an etwas festhalten. Die Arbeit an Urram danach war etwas Fühlbares, etwas Konkretes, und das hat mir sehr geholfen.“

... mehr im Heft.