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»In alten Gesängen habe ich wieder die Quelle des Lebens gefunden.«
Maïa Barouh * Foto: Manfred Werner-Tsui - CC by-sa 3.0, Wikipedia

5 Minuten mit ...


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Aktuelles Album:


Kodama
(Saravah, 2015)



Cover Kodoma



Maïa Barouh

Electrofolk mit Halbwertszeiten

Sie koppelt alte japanische Gesangstechniken und Flötenspiel mit einem Wall of Sound aus Electronica. Dabei spannt die einunddreißigjährige Maia Barouh einen weiten Bogen zwischen Fernost und Frankreich, der zwischen exotischer Faszination und Verstörung pendelt.

Text: Stefan Franzen

Man kann es auch sarkastisch sehen: Zumindest haben die nuklearen Super-GAUs, die die Menschheit bislang heimgesucht haben, so einiges an künstlerischer Inspiration in Gang gesetzt. Für Maïa Barouh war der 11. März 2011 sogar ein Auslöser, ihre Kunst ganz neu auszurichten. „Die Fukushima-Katastrophe beeinflusste eine Menge meiner Texte auf dem Album Kodama“, bekennt sie. „Ich war unter Schock, wie gelähmt. Und ich merkte, ich muss gegen diese Lähmung mit den Waffen einer Musikerin angehen. In alten Gesängen habe ich wieder die Quelle des Lebens gefunden.“
Ein Blick zurück, vor ihr bahnbrechendes Werk Kodama („Echos“). Maïa Barouh wächst in Frankreich als Tochter der japanischen Malerin Atsuko Ushioda und des französischen Musikers Pierre Barouh auf. Letzterer ist unter anderem für Soundtracks zu Claude-Lelouch-Streifen verantwortlich und die Gründung des seit einem halben Jahrhundert bestehenden World- und Chansonlabels Saravah. „Nicht so sehr das Französische an sich hat mich bei ihm beeinflusst, vielmehr seine offene Art, seine Neugier. Er hat mich gelehrt, keine Grenzen zu sehen“, bekräftigt die Tochter. Mit der Kultur Nippons wird sie in der japanischen Schule vertraut gemacht und während Ferienaufenthalten bei den Großeltern.
Flötenstunden sind für sie nur eine Ausgangsbasis für eine eigene künstlerische Vision. „Trotz des klassischen Unterrichts ist der Klang meines Instruments ethnisch geprägt. Heute singe ich simultan zur Flöte und spiele gerne Freestyle.“ Die Ohren öffnet ihr vieles. Brasiliens Musik spielt eine bedeutende Rolle, aber auch das Tokioter Straßen- und Nachtleben. Um bei einer traditionellen Chindon’ya (Marching Band) mitzumachen, greift sie vorübergehend zum Saxofon. Ein Studienaufenthalt auf der südjapanischen Insel Amami-Oshima wird aber zum einschneidendsten Erlebnis. Sie hört dort den alten Vokalstil Shima-uta und bekommt die Möglichkeit, mit den Einheimischen als Flötistin zu musizieren. „Dort ist man schon sehr nah am Okinawa-Archipel, aber trotzdem haben die Sänger ganz andere Skalen und Gesangstechniken“, erklärt Barouh. Faszinierend findet sie vor allem das kehlige Klacken der Stimme, das sie mit dem Jodeln oder dem Tahrir der persischen Sänger vergleicht.

... mehr im Heft.