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Backkatalog   Ausgabe Nr. 6/2015   Internetartikel
» Was heute vor allem an den altertümlichen Gesängen fasziniert, sind die archaisch anmutenden Harmonien. «
Tim Eriksen bei einem Sacred-Harp-Workshop

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Dieser Artikel ist ein Auszug aus der Printversion, das Heft kann bestellt werden unter www.irish‑shop.de.

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Albumtipps:

Diverse,
Awake My Soul – Help Me To Sing. Songs Of The Sacred Harp (Awake Productions, 2008; u. a. mit John Paul Jones, Cordelia’s Dad, Jim Lauderdale, Sam Amidon)

Diverse,
Sacred Harp – Shape Note Singing, 1922-1950s (4-CD-Box; JSP, 2014)

Diverse,
Southern Journey, Vol. 4: Brethren, We Meet Again – Southern White Spirituals (The Alan Lomax Collection; Rounder, 1997)

Diverse,
Southern Journey, Vol. 9: Harp Of A Thousand Strings – All Day Singing From The Sacred Harp (The Alan Lomax Collection; Rounder, 1998)

Diverse,
Southern Journey, Vol. 10: And Glory Shone Around – More All Day Singing From The Sacred Harp (The Alan Lomax Collection; Rounder, 1998)



Die Seele aus dem Leib singen

Sacred Harp

US-Tradition fasst Fuß in Deutschland

In den USA erlebt das Sacred-Harp-Singen schon seit längerem ein Revival. Jetzt ha­ben Folk- und Pop­mu­siker den archaisch-religiösen Gesang entdeckt und ihm zu weiterer Popularität verholfen. Selbst in Deutschland entstehen immer mehr Laienchöre, die das Shape-Note-Singen praktizieren und sich jedes Jahr zur Germany Sacred Harp Convention treffen.

Text: Christoph Wagner

„Amazing Grace“ ist das bekannteste Lied aus dem Sacred-Harp-Repertoire. Ende des achtzehnten Jahrhunderts in England entstanden, tauchte die Hymne 1847 in den USA in einem Liederbuch namens Southern Harmony auf, bevor sie mehr als hundert Jahre später zu einer der Erkennungsmelodien der amerikanischen Bürgerrechtsbewegung und des Anti-Vietnamkrieg-Protests wurde und mit Judy Collins sogar in die internationalen Hitparaden einzog. Ungefähr siebentausend veröffentlichte Versionen soll es davon geben.
Das neue Interesse an Religion richtete sich gegen die erstarrte Orthodoxie der etablierten Kirchen. Hunderttausende übten im Zuge der Erweckungsbewegung, des „Great Awakening“, in oft mehrtägigen Camp Meetings das Singen im Shape-Note-Stil, wobei die kontrapunktischen Lieder voll religiöser Inbrunst intoniert wurden. Das Gesangbuch The Sacred Harp, 1844 zum ersten Mal publiziert, erlangte ungeheure Beliebtheit und wurde im Laufe der Zeit durch neue Kompositionen ergänzt. 1922 entstanden die ersten kommerziellen Aufnahmen von Shape-Note-Musik, darunter auch „Amazing Grace“, das der Original Sacred Harp Choir für Brunswick Records einspielte.
Von der herkömmlichen Notenschreibweise unterscheiden sich die Shape Notes am Augenfälligsten durch ihre Form. Es gibt vier Grundtypen: Dreieck, Rechteck, Oval und Raute, die als fa, sol, la und mi bezeichnet werden. Diese vier Silben sind den verschiedenen Tönen der Tonleiter zugeordnet. Bevor ein Lied mit Text angestimmt wird, wird die Melodie meistens zuerst einmal nur in der Silbensprache durchgesungen. Erst im zweiten Durchgang kommt der Text dazu.

... mehr im Heft.


Umschlag der Original Sacred Harp, Edition 1911