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Backkatalog   Ausgabe Nr. 6/2015   Internetartikel
 

Editorial

Lie­be Mu­sik­freun­din­nen und -freunde,

zu­ge­ge­ben, es fühlt sich ein we­nig selt­sam an: Um uns her­um pas­sie­ren Tau­sen­de von Din­gen, die ei­gent­lich un­ser En­ga­ge­ment er­for­dern – und wir ma­chen den Fol­ker. Manch­mal bin ich mir durch­aus der re­la­ti­ven Re­le­vanz mei­nes ei­ge­nen Schaf­fens be­wusst und sel­ten stär­ker als in dem zu En­de ge­hen­den Jahr. Aber was soll’s, wir kön­nen uns nicht al­le­samt mit Haut und Haar un­beug­sa­men Or­ga­ni­sa­tio­nen wie zum Bei­spiel Pro Asyl ver­schrei­ben, denn un­ser al­ler Le­ben geht schlie­ß­lich wei­ter, und das ist nichts, wo­für wir uns schä­men müss­ten. Al­ler­dings ist zum ei­nen ver­stärk­tes so­zia­les En­ga­ge­ment not­wen­di­ger denn je, und zum an­de­ren ist ge­ra­de die­se Jah­res­zeit mit dem Weih­nachts­geld für die meis­ten von uns der rich­ti­ge Zeit­punkt, die Hilfs­or­ga­ni­sa­tio­nen und -in­itia­ti­ven mit sub­stan­zi­el­len Spen­den zu un­ter­stüt­zen.
Der Folker zählt nicht zu diesen Vereinigungen, und daher geben wir uns schon zufrieden, wenn unter möglichst vielen Weihnachtsbäumen ein Folker-Geschenkabo liegen würde (ganz leicht mit dem beiliegenden Flyer zu bestellen). Wäre doch auch mal eine originelle Idee, oder? Und ich denke, wir sind das wirklich wert.
Und was sind dem Folker seine Mitarbeiter wert? Finanziell relativ wenig, notgedrungen. Aber wir sind unendlich froh, dass wir sie haben, diese wunderbare Mischung aus genialen Theoretikern und kenntnisreichen Praktikern. An dieser Stelle mal den allerherzlichsten Dank an alle Folker-Menschen, die ihre Arbeit für den berühmten Apfel und das Ei machen und dennoch genau den Enthusiasmus und die Liebe zur Musik rüberbringen, die zumindest für mich diese Zeitschrift so besonders macht. Und falls Sie das noch nicht wussten: Zumindest die Rezensenten erledigen ihren Balanceakt zwischen Wertung und Information sogar völlig ohne Bezahlung! Da schließt sich eine Art Kreis: Was macht der Folker eigentlich mit den unbezahlten „kenntnisreichen Praktikern“? Mit anderen Worten: den Mitarbeitern, die ihr praktisches Wissen etwa als Rezensenten zu unser aller Vorteil anwenden, aber auch selbst musikalisch öffentlich aktiv sind? In der Vergangenheit war das bekanntlich so: XY publiziert ein Album und wir finden in der „Szene“ unter der Überschrift „Neues von den Folker-Menschen“ wohlwollende und freundschaftliche Worte. Offensichtlich also keine Rezensionen, denn wir wollten uns nie und nimmer dem Ruch der Vetternwirtschaft aussetzen.
Aber das kann’s doch nicht sein! Das ist für die Künstler kein Maßstab, eher ein dezent gönnerhaftes „Hast dir wirklich Mühe gegeben!“, mit dem weder Künstler noch Leser etwas anfangen können –
Mike Kamp * Foto: Ingo Nordhofen einfach nur nett. Nehmen wir als Beispiele besonders exponierte Redaktionsmitglieder: den Endredakteur Stefan Backes, überzeugter Mundart-Folkrocker mit Why didn’t they ask Evans?, den „Szene“- und „Ortstermin“-Redakteur Ulrich Joosten, unerschrockener Kämpfer für die Drehleier, die er selbst unter anderem in der Gruppe Gambrinus einsetzt, oder den Rezensionschef Rolf Beydemüller, abenteuerlustiger Gitarrenmeister zwischen diversen stilistischen Stühlen. Alle drei haben einen oder mehrere Silberlinge auf dem Markt, sie sind Künstler wie Niedecken, Liederjan oder Peter Finger. Also sollte der Folker sie auch genau so behandeln, finde ich. Ganz normale Rezensionen, ganz normale Artikel, sicherlich immer mit dem Hinweis auf die Folker-Mitarbeit und ganz gewiss unter besonders sorgfältiger Auswahl der Schreiberlinge unter dem erneuten Stichwort Vetternwirtschaft. Die Folker-Leser sind intelligent genug, aus solchen Infos dann die richtigen Schlüsse zu ziehen.
Um noch einmal die tatsächlich vorhandene Verbindung zwischen den Folker-Themen und der Flüchtlingsfrage zu betonen: Es gibt keinen besseren Hinweis als den auf den Film von Julia Oelkers, Can’t Be Silent, der nach wie vor deutschlandweit in ausgewählten Kinos läuft und nichts von seiner Dringlichkeit verloren hat (siehe Termine unter cant-be-silent.de). Diese Dokumentation der Tournee von Strom & Wasser mit den Refugees zeigt beeindruckend, dass hier Menschen mit enormen Problemen und enormen Talenten (in diesem Fall musikalischen) zu uns kommen. Geben wir ihnen ein menschenwürdiges Zuhause im umfassenden Sinne des Wortes!
Und nun wünsche ich Ihnen viel Freude mit der letzten Ausgabe des Jahres 2015.



Ihr Herausgeber
Mike Kamp