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 BARCELONA GIPSY BALKAN ORCHESTRA: Del Ebro Al Danubio
BARCELONA GIPSY BALKAN ORCHESTRA
Del Ebro Al Danubio
bgko.org
(Satélite K SATKCD194/Diggers Music/Galileo MC)
Promo-CD, 12 Tracks, 57:08 , span. u. engl. Infos u. Texte in div. Sprachen


Wie fast jede Metropole hat auch das klangreiche Barcelona eine solche Combo. 2012 taten sich dort vier exzellente Instrumentalisten aus Italien, Frankreich, Serbien und Griechenland mit einer gesanglich wie sprachlich begabten Katalanin zusammen. Die klingt, als käme sie vom Balkan, dem deutlich hörbaren Fokus des Ensembles, das das „Klezmer“ im Namen mittlerweile durch „Balkan“ ersetzte. Das Gros der Stücke sind Traditionals, bei denen man sich musikalisch feinnervig und virtuos an die jeweilige Herkunftsregion herantastet. Dabei wäre diesem multinationalen Verbund, der gerade das Stilübergreifende als Prinzip und Motor seines Tuns deklariert, mehr Mut zur Melange zuzutrauen. Das Rüstzeug, die von ihnen angesteuerten Traditionen vor ihrem eigenen Hintergrund neu und originell zusammenzubringen, haben die jungen Musiker und ihre vielen Gäste allemal. Auch ist weniger stark als auf den zwei vorigen Alben etwas von ihrer unter vielem anderen an Gipsy-Kultur reichen Wahlheimat zu spüren. Allein der wunderschöne katalanische Folksong „El Testament D’Amèlia“ bekam unter anderem durch Jazz eine eigene Anmutung. Ansonsten reist das gelungene Album wohl eher auf der titelgebenden Donau (Danubio) als dem Ebro, dem zweitlängsten Fluss der Iberischen Halbinsel.
Katrin Wilke
 KARIM BAGGILI: Apollo You Sixteen
KARIM BAGGILI
Apollo You Sixteen
karimbaggili.be
(Take The Bus)
12 Tracks, 50:43


Dem belgischen Gitarristen Karim Baggili ist ein echtes Ausnahmewerk gelungen, und das nicht zum ersten Mal. Auch Lea & Kash (siehe Folker 4/2010) war in seiner konsequenten Individualität mehr als bemerkenswert. Immer wenn man glaubt, verstanden zu haben, aus welchen Zutaten diese eigenwillige Mixtur eigentlich besteht, schlägt Baggili Haken, vom Flamenco zum Artrock, von arabischen Themen über Balkanbeat zu westlich anmutender Klassik. Vivian Ladrière, Schlagzeuger und Percussionist, sorgt für gewaltigen Schub nach vorne, während Baggili an Flamencogitarre und Ud für virtuose Glanzlichter sorgt. Baggili, jordanisch-jugoslawischer Abstammung, widmet sich in seinen aktuellen Projekten vermehrt seiner musikalischen „Herkunft“. Die äußerst fantasievolle Reise durch den Baggili-Kosmos ist, neben aller Kopffreude am Virtuosentum, aufgrund seiner starken Groovelastigkeit sogar tanzbar.
Rolf Beydemüller

 CRISTINA BRANCO: Menina
CRISTINA BRANCO
Menina
cristinabranco.com
(Universal/Edel)
Promo-CD, 12 Tracks, 38:03


Portugals junge Fadosängerinnen durchbrechen immer wieder stilistische Schranken. Menina ist, mit einer Ausnahme, kein Fadoalbum. Cristina Branco schafft es vielmehr, mit ihrer Stimme Fremdkompositionen von Indierockern und Rappern zu ihren eigenen Liedern zu machen, bei denen man eine Nähe zum Fado heraushört. Das Album ist eine Entdeckungsreise zu Künstlern, die vom Rest Europas kaum wahrgenommen werden. Die Sängerin spürt, welches Liedmaterial zu ihr passt, sei es der Ohrwurm „Luto Mudo“ des angolanischen Rappers Kalaf Angelo oder die melancholisch trägen Balladen des von den Kapverden stammenden Musikers Luis Gomes und seines Trios Cachupa Psicadélica. Sein „Deus À“ ist eines der Glanzlichter des Albums. „Ai, Esta Pena De Mim“ von Amália Rodrigues, der einzige Fado des Albums, beginnt gar nicht genregemäß. Da ist nur der Jazzbass, gefolgt von der Stimme, bis nach einiger Zeit die portugiesische Gitarre und das Klavier einsetzen. Die schlanke Besetzung und die unvergleichliche Stimme Brancos machen aus den zwölf Stücken fein gewobene Kunstlieder. Ästhetik pur würde wunderbar in Portos avantgardistischen Konzertsaal von Rem Koolhaas passen.
Martin Steiner
 JOSIENNE CLARKE & BEN WALKER: Overnight
JOSIENNE CLARKE & BEN WALKER
Overnight
josienneandben.com
(Rough Trade RTRADECD798)
12 Tracks, 41:41 , mit engl. Texten


Novembermusik ist das, was uns das englische Duo Clarke & Walker präsentiert. Eigentlich ähnlich wie auf den vorangegangenen Alben, nur dass sie nach dem Wechsel zu einer größeren Plattenfirma mehr gestalterische Möglichkeiten haben, mehr Begleitmusiker, mehr Studiozeit. Novembermusik, trüb, verhangen, regnerisch, aber auch besinnlich, melancholisch und mit einer gewissen Prise Heimeligkeit. Dazu passen zwei Stärken, die die beiden Künstler konsequent weiterentwickelt haben: Josienne Clarkes ganz besondere, kontrollierte Stimme, die alle vorgenannten Attribute in sich vereint und manchmal gar klassisch klar klingt wie bei „Sleep“; dazu die filigranen Arrangements, die Ben Walkers Markenzeichen sind. Streicher, Bassklarinette, Cello oder Gitarre, der Sound ist ungewöhnlich – bis auf „The Waning Crescent“, das ist Popmusik und fällt ein wenig aus dem sonst so angenehm verhangenen Rahmen.
Mike Kamp

 VALENTIN CLASTRIER/STEVEN KAMPERMAN: Fabuloseries
VALENTIN CLASTRIER/STEVEN KAMPERMAN
Fabuloseries
valentinclastrier.com
stevenkamperman.nl
(Homerecords)
14 Tracks, 46:51


Valentin Clastrier gilt als der Erfinder der modernen Drehleier. In seinen Händen wird die von ihm zusammen mit dem österreichischen Instrumentenbauer Wolfgang Weichselbaumer entwickelte spezielle Altdrehleier zu einer phänomenalen Klangmaschine, die offenbar die visionäre Musikalität Clastriers noch einmal besonders befeuert hat. Dass Drehleier extrem gut mit Klarinette zusammengeht, zeigte schon die Kollaboration mit dem deutschen Jazzklarinettisten Michael Riessler. Nun hat sich Clastrier den niederländischen Jazz- und Crossoverklarinettisten und Saxofonisten Steven Kamperman an Bord geholt, der sich nicht nur in der niederländisch-türkischen Formation Baraná internationale Beachtung erspielt hat. Das Interessante an ihrem Duoprojekt ist das Verschmelzen der Klänge ihrer Instrumente zu einer akustischen Einheit, in der nicht ohne Weiteres hörbar ist, welcher Bestandteil von welchem Instrument stammt. Und genau das macht die Faszination dieser umwerfenden Kompositionen aus. Tief dröhnende, hypnotische Bordunsaiten, mitreißende Rhythmen zu immer wieder überraschenden, teils improvisierten Klängen, die musikalische Grenzen nicht nur ausloten, sondern mit unbändiger Spielfreude konsequent ausweiten. Spektakulär.
Ulrich Joosten
 CURLY STRINGS: Ãœle Ilma
CURLY STRINGS
Ãœle Ilma
curlystrings.ee
(Eigenverlag)
12 Tracks, 47:04 , mit estn. Texten


Flottes Westerngefiedel zum Auftakt des Albums könnte einen falschen Weg weisen, aber schnell zeigt sich, dass es sich hier um eine untypische Bluegrassproduktion handelt. Da wird nicht einfach ein amerikanisches Vorbild imitiert, da fließen ganz andere Dinge mit ein. Offenbar schöpft das junge Quartett aus dem musikalischen Erbe seiner Heimat Estland. Deutlich ist zu erkennen, dass die Band um die Wurzeln der Musik ihres Landes weiß, sie mit dem US-Vorbild mischt und dabei etwas Ureigenes schafft. Umgekehrt erhalten Traditionals ein nordamerikanisches Kleid, das ihnen gut steht. So lässt sich offenbar erklären, warum Curly Strings in ihrer Heimat zu Shootingstars wurden – bei den Estonian Music Awards 2015 räumten sie gleich mehrere Auszeichnungen ab. Ihre ansteckende Musikalität begeistert zusätzlich über Grenzen hinweg. Beim jährlichen europäischen Bluegrassfestival im niederländischen Voorthuizen etwa erhielten die Esten 2016 den European Bluegrass Award. Die Texte dürfte kaum jemand verstanden haben, und auch dem Album liegt nur ein Booklet mit estnischen Lyrics bei. Aber das passt, bei Curly Strings paart sich Selbstbewusstsein mit Virtuosität.
Volker Dick

 DIVERSE: Greentrax 30th Anniversary – The Special Projects
DIVERSE
Greentrax 30th Anniversary – The Special Projects
greentrax.com
(Greentrax Recordings CDTRAXS8616)
Do-CD, 30 Tracks, 118:35 , mit engl. Infos


Dreißig Jahre sind Greentrax und seine Sublabels nun alt und immer noch führend in Schottland. Chef Ian Green feiert diese Tatsache mit einem Doppelalbum, das sich der besonderen Projekte der Firma in den letzten dreißig Jahren widmet. Und welch grandiose Projekte waren dabei. Far, Far From Ypres, die Zusammenstellung von Liedern und Gedichten des Ersten Weltkriegs, ist erst ein paar Jahre alt. Älter sind The King Has Landed mit Songs des Jakobiteraufstands, Davey Steele – The Show mit Liedern des unvergessenen Songwriters und Spiritus Rector der ebenfalls unvergessenen Scottish Folk Festivals in Deutschland und ganz besonders die beiden begeisternden Scots-Women-Projekte – alles war auch live zu erleben und wurde oft auch so eingespielt. Nur ein Auszug, aber diese wenigen Meilensteine lassen erahnen, welchen riesigen Beitrag Greentrax Recordings zu dem aktuell so gesunden Zustand der schottischen Szene geleistet hat. Dafür erhielt Green diverse Auszeichnungen, und jede einzelne war verdient. Dieses Doppelalbum beweist das.
Mike Kamp
 JAERV: Under Den Linden
JAERV
Under Den Linden
jaerv.com
(Eigenverlag)
9 Tracks, 44:02


Nach Inrikes 2009 und Vol. 2 2014 legt das schwedische Quintett nun sein drittes Album vor. Der Klang wird bestimmt von Fiddle (Markus Gustafsson), Nyckelharpa und Bass (Anders Bergsten), Flöte und Saxofon (Joel Hagen), Gitarre (Harald Nilsson), Harmonium und Percussion (Tobias Hedlund) und immer mehr durch Gesang, sogar mit einem Schulchor. Auf dem Album klingt das bei zwei Stücken an, „Glasgow“ und „Homage Till Laggarfar“. Letzteres ist ein Lied ohne Text, das nur geträllert wird (schwed. trallar) – eine Form, die sich in Schweden einiger Beliebtheit erfreut. Bei den gemeinsamen Projekten mit Schulchören stellt Jaerv Noten und Arrangements auch der Öffentlichkeit zur Verfügung (siehe Website und Youtube). Die schwedische instrumentale Musik ist die Basis der Gruppe, sie hat aber Elemente aus Jazz und Volksliedgesang übernommen. Stilistisch ergibt sich daraus eine ziemliche Bandbreite. Von den volksliedhaft gesungenen „Svarta Nattens Älv“, der „Silibrand“-Ballade und „Spelman Spelar“ bis zur archaischen „Polonäs“ (aus Småland) und einem „Menuett“ von Andreas Höök (1685). Jaerv sind bereits mehrmals durch die USA getourt und haben bei der BBC und traten beim Folkfestival Celtic Connections in Glasgow auf.
Bernd Künzer

 RUTH KEGGIN: Turrys
RUTH KEGGIN
Turrys
ruthkeggin.com
(Purt Sheearan Records PRSCD002)
10 Tracks, 39:47 , mit manx/engl. Texten u. engl. Infos


Auf einem kleinen Eiland wie der Isle of Man zur Spitze der Folkmusiker zu gehören, mag so schwer nicht sein, aber Ruth Keggin braucht auch international keinen Vergleich zu scheuen. Das liegt in erster Linie an ihrem Gesang. Ihre klare, kräftige, aber sympathisch unaufdringliche Stimme trägt glaubhaft jedwede Liedemotionen. Es gibt keinen Zweifel, diese junge Dame weiß, was sie kann und will, schließlich hat sie ihren Zweitling im renommierten schottischen Watercolour Studio unter Nick Turner selber produziert. Keggin will „Manx Music“ mit größtmöglichem Abwechslungsfaktor, und genau das hören wir. Songs in der Sprache der Isle of Man mit musikalischen Ausflügen in die Bretagne oder die USA, jazzigen Passagen und natürlich viel Einfluss der großen Nachbarn Irland und Schottland. Und Keggin hat eine großartige Band, die dieses Album live im Studio eingespielt hat: David Pearce (Gitarre), Eoghan Ó Ceannabháin (Flöte, Konzertina) und ganz besonders Vanessa Hutchinson, deren wunderbarer Kontrabass für Wärme und Rhythmus sorgt. Doch, diese Musik begeistert. Und das Schönste ist: 2017 wäre Keggin nicht abgeneigt, eine Deutschlandtour einzuplanen. Wir können es kaum erwarten.
Mike Kamp
 CIARÁN, ANNA, GEARÓID & MAIRÉAD MOONEY: Na Mooneys
CIARÁN, ANNA, GEARÓID & MAIRÉAD MOONEY
Na Mooneys
namooneys.bandcamp.com
(Eigenproduktion/Moon2)
15 Tracks, 50:21 , mit Basis-Infos


Na Mooneys ist eine „Family Band“ aus dem nordirischen Donegal. Altan-Gründerin und „Powerhouse“-Fiddlerin Mairéad Ní Mhaonaigh, ihre Geschwister Anna (Whistle, Gesang), Gearóid (Gitarre) und dessen Sohn Ciarán (Fiddle, Octave Fiddle) gründeten das Projekt anlässlich der letzten Frankie Kennedy Winter School. Neben Mairéad sind auch die anderen Bandmitglieder bekannt für ihr Wirken in der Donegal-Tradition, sei es über öffentliche Konzerte, Workshops oder filmische Aufarbeitungen. Die vorliegende Aufnahme repräsentiert das typische Donegal-Repertoire, in diesem Falle überliefert in erster Linie vom Vater der Familie, Francis Mooney, der ebenfalls Fiddler war. Es finden sich neben Donegal-Varianten von Mainstreamtunes auch viele ungewöhnliche und rare Perlen. Mit von der Partie sind außerdem Mairéad’s Tochter Nia Byrne (Fiddle – was sonst?), Konzertinavirtuosin Caitlín Nic Gabhann sowie Produzent Manus Lunny, der Bouzouki und Synthesizerarrangements beisteuert und das Album mit einem höchst unprätentiösen Sound versehen hat – es klingt tatsächlich so wie eine informelle Session in der Küche bei Mooneys. Musikalisch und spieltechnisch auf höchstem Niveau, zaubert dieses Album dem Hörer ein Lächeln ins Gesicht.
Johannes Schiefner

 PIPPO POLLINA: Il Sole Che Verrà
PIPPO POLLINA
Il Sole Che Verrà
pippopollina.com/de
(Jazzhaus Records JHR134)
13 Tracks, 49:37 , mit ital./dt. Texten


Eines sei vorausgeschickt: Pippo Pollina schreibt ausnehmend schöne, poetische Lieder – schon lange. In „Io Non Ho Paura“ beschreibt er denn auch, dass er keine Angst kennt, auf dem schmalen Grat der Reime zu taumeln und schöne Melodien zu komponieren. Was macht nun das neue Album des Sizilianers aus? Es ist ein hoffnungsvolles, persönliches Album geworden – weitgehend ohne politische Untertöne. „Das Thema Hoffnung bewohnt schon seit je meine Liedersammlung“, schreibt der Cantautore in der Einleitung zum liebevoll gestalteten Beiheft mit Übersetzungen aller Lieder ins Deutsche. Die Hoffnung war auch der Motor für Pollinas Vorbilder. Neben den großen Italienern waren das immer auch die Sänger und Poeten Lateinamerikas. In „Divertimento Latino“, zählt er im Rhythmus der Chacarera seine dortigen Vorbilder auf. Wenn er sich vorstellt, wie er mit León Gieco in einem Café in Buenos Aires einen Espresso schlürft, möchte man am liebsten dabei sein. Und dass Pollina den argentinischen Progrocker Luis Alberto Spinetta erwähnt, überrascht. Rockige Töne fehlen auf Il Sole Che Verrà. Vorherrschend sind recht aufwändig produzierte Balladen, die eine starke Italianità verströmen.
Martin Steiner
 RAMSCH & ROSEN: Bergen
RAMSCH & ROSEN
Bergen
ramschundrosen.at
(Lotus Records LR 16045 CD/Lotus Records)
16 Tracks, 40:02


Die Sängerin und Streichinstrumentvirtuosin Julia Lacherstorfer, durch ihre Arbeit mit Alma, dem wohl besten Experimentalfolklorequintett Österreichs, bekannt, bildet zusammen mit dem Multiinstrumentalisten Simon Zöchbauer ein Duo, in dem beide ihrer Neigung zu traditioneller Volksmusik ihres Landes nachgehen können. Gemeint ist die nicht durch Heimatpflegevereine geglättete Volksmusik, gemeint ist feinsinnig differenziertes Spiel auf der Geige, mit Zither und Trompete. Dissonant anmutende Reibungen können ausgehalten werden, sie verleihen dieser wunderbaren Einspielung ihren Reiz und verweisen auf jene Volksmusik, die noch nicht „-tümlich“, sondern originell war. Neben den österreichischen Volksmusikrosen gibt es auch noch mancherlei Ramsch, von Bartok bis Polka und schwedischer Folklore. Und über allem schwebt der Geist einer märchenhaften Poesie. Da reicht es dann, wenn Julia Lacherstorfer in einer Eigenkomposition zur Zitherbegleitung Zöchbauers „Manchmoi is wenig net vü, oba besser ois nix“ ins Mikro haucht, um danach textlos jubilierend in ein 1899 veröffentlichtes Loblied auf ein Lärchenbrett einzustimmen, um dieser so grazilen Musik zu verfallen. Grandios.
Harald Justin

 GEIR SUNDSTØL: Langen Ro
GEIR SUNDSTØL
Langen Ro
geirsundstoel.com
(Hubro/Broken Silence)
8 Tracks, 35:17


Folklore der ausgefallenen Art präsentiert der musikalisch äußerst umtriebige Akustikgitarrist Geir Sundstøl auf seinem zweiten Soloalbum (auf rund 260 Alben ist er als Sideman zu hören). Pedal Steel, eine National Duolian (eine Resonatorgitarre) und eine Shankar Guitar (ein sitarähnliches Saiteninstrument, das man sich unbedingt einmal auf seiner Website anschauen sollte) gehören zu den Hauptinstrumenten des traumhaft agierenden Norwegers. Grundsätzlich ist der Sound der Pedal Steel natürlich im Countrygenre verortet, so entstehen in „Røk“ zum Beispiel fast automatisch Bilder endloser amerikanischer Weiten. Das norwegische Traditional „Gråtarslaget“ klingt bei Sundstøl allerdings eher wie eine nordindische Volksweise. Auch Giorgio Moroders „Tony’s Theme” ist kaum wiederzuerkennen. Aus diesen weltmusikalischen Irritationen bezieht Langen Ro seinen besonderen Reiz. Die farbenprächtige Odyssee wurde in der Osloer St.-James-Kirche aufgenommen, begleitet von einer kleinen, feinen, unaufdringlich agierenden Schar an Gastmusikern.
Rolf Beydemüller
 TSCHEBBERWOOKY: Still Wooky
TSCHEBBERWOOKY
Still Wooky
tschebberwooky.com
(Wooky Music WM-005/Hoanzl)
14 Tracks, 54:03 , mit engl. Texten u. Infos


Den ersten Punkt gibt es – neben dem Länderpunkt für die Steiermark – schon einmal dafür, dass der Kopf und Frontmann des Achters aus Kapfenberg nicht auch nur ansatzweise Patois von sonstwo auf der Welt singt. Der Reggae und der Ska, die Tschebberwooky seit nunmehr zwanzig Jahren spielen, sind dezidiert mitteleuropäisch insofern, als sie offenbar von keinerlei existenzieller Dringlichkeit aufgeladen sind, wie die Originale in Jamaika oder später auch in England es waren und womöglich auch heute noch sind. Die Österreicher, die hier musizieren, tun dies wohl vor allem anderen aus Freude an der Musik, und da sie auch gar nichts anderes vorzuspiegeln oder auch nur darzustellen versuchen, ist es ihnen offenbar gelungen, ihr fünftes Album die Selbstverständlichkeit atmen zu lassen, die schließlich auch überzeugend wirkt. Vollkommen tiefenentspannt und ohne jegliches musikalische Blendwerk wird leicht afrikanisch angehaucht eröffnet, walzen schwere Reggae Riddims durch Still Wooky, erhöhen eine Skanummer und ein weiter Afrikaanflug Tempo und Druck, und nehmen leicht tänzelnde, eher akustische Stücke sie wieder zurück. Ein leichtes Album, das gerade auch mit seiner Unaufgeregtheit überzeugt.
Christian Beck