Folker-Logo   Abo   Mediadaten/Anzeigen


Suche
   Intern   Über uns


Kontakt/Impressum/Datenschutz

       
Aktuelle   Ältere   Gesamtverzeichnis   Bemusterung
 
Rezensionen der
Ausgabe 4/2016


Auswahl nach Heft-Nr:  
 


Tonträger


Besondere

Deutschland

Europa

Welt

Kurzrezensionen

Weitere Rezensionen

Online-Rezensionen

Gelistet


Plattenprojekt


Plattenprojekt


Bücher / DVDs / Filme


Bücher

DVDs

Cinesounds

PLATTENPROJEKT

Es gibt im Musikbereich immer wieder Veröffentlichungen, die den Rahmen herkömmlicher Produktionen inhaltlich wie vom Umfang her sprengen und deshalb einer ausführlicheren Betrachtung bedürfen, als dies in Form einer üblichen Rezension geleistet werden kann. Die Folker-„Plattenprojekte“ widmen sich in loser Folge solchen außergewöhnlichen Serien, Boxen, Sammlungen, Sondereditionen bis hin zu vergleichbaren Unternehmungen wie etwa Internetprojekten, die auf physische Tonträger inzwischen zunehmend verzichten.


In diesem Heft schreibt Christoph Wagner über



Paul Bowles’ marokkanische Feldaufnahmen
Music Of Morocco – From The Library Of Congress

Die Verfilmung seines Romans Himmel über der Wüste (engl. The Sheltering Sky) durch Bernardo Bertolucci machte Paul Bowles 1990 zu einer literarischen Berühmtheit. Seitdem kennt man den Amerikaner als Schriftsteller, obwohl er ursprünglich Komponist war, der bei Aaron Copland studiert hatte. Doch obwohl sich Bowles die längste Zeit seines Lebens als Literat betätigte, erlosch sein musikalisches Interesse nie. In seiner zweiten Heimat Marokko, wo er seit 1947 in Tanger lebte (das daraufhin zum

DIVERSE
Music Of Morocco – From The Library Of Congress. Recorded by Paul Bowles 1959
(Dust-to-Digital, dust-digital.com)
4-CD Box mit 120 Seiten starkem Booklet mit vielen Schwarz-Weiß-Fotos


Cover Music of Morocco


Anlaufsziel seiner Beat-Literatenfreunde um William Burroughs und Allen Ginsberg wurde), nahm er 1959 ein größeres Aufnahmeprojekt in Angriff. Er wollte die ganze Vielfalt der traditionellen Musik des nordafrikanischen Landes dokumentieren, weil er fürchtete, dass viele der Stile nicht überleben würden. Bowles registrierte die Erosion der traditionellen marokkanischen Gesellschaft und betrachtete seine Rettungsmission als einen „Wettlauf mit der Zeit“.
Um das Projekt zu einem erfolgreichen Abschluss zu bringen, war es nötig, sich der Unterstützung der amerikanischen Botschaft zu versichern, was helfen sollte, mit der überbordenden marokkanischen Bürokratie zu Rande zu kommen. Darüber hinaus gewann Bowles die Library of Congress als Sponsor seines Projekts, wo die Einspielungen am Ende landeten. An jeder Lokalität musste für die Aufnahmen eigens eine Genehmigung der örtlichen Behörden eingeholt werden, die sich dann allerdings auch um geeignete Musiker kümmerten, welche jedoch nicht immer den Vorstellungen und Qualitätsmaßstäben von Bowles entsprachen.
Mit einem marokkanischen Dolmetscher und einem kanadischen Fahrer holperte Bowles in einem VW Käfer über die staubigen Land- und Gebirgsstraßen. Die beiden ersten Tage des ersten „Recording Trips“ Anfang August 1959 gaben zu Optimismus Anlass. In Aïn Diab, einem Vorort Casablancas, gelang es Bowles, mehr als ein halbes Dutzend unterschiedlicher Musikgruppen aufzunehmen, die verschiedene Volksgruppen und regionale Stilformen repräsentierten. Doch nicht immer war die Ausbeute so ergiebig wie hier, im Gegenteil, manchmal wurde eine Session zum totalen Reinfall. Mehr als einmal hatten sich die Musiker bereits versammelt und warteten ungeduldig, mit dem Musizieren beginnen zu können, da musste das Ganze wieder abgeblasen werden, weil keine geeignete Stromquelle aufgetrieben werden konnte. Das Problem war, dass es nur Gleichstrom anstatt Wechselstrom gab. „Die Gesichter der Beteiligten spiegelten zuerst Ungläubigkeit, dann Enttäuschung“, hielt Bowles frustriert in seinem Essay „The Rif, To Music“ fest.

... mehr im Heft.